DIHK-Gründerreport

Den deutschen Gründern fehlen Konzepte

Die Deutschen gründen wieder mehr Unternehmen. Das ist die gute Nachricht des DIHK-Gründerreports, der dem Handelsblatt vorliegt. Aber es gibt auch eine schlechte: Die Qualität der Konzepte stimmt oft nicht.
9 Kommentare
Von der Idee zum großen Geld: Existenzgründer müssen an vieles denken. Quelle: Yuri Arcurshb. com

Von der Idee zum großen Geld: Existenzgründer müssen an vieles denken.

(Foto: Yuri Arcurshb. com)

Düsseldorf/FrankfurtDas Interesse an Unternehmensgründungen ist im vergangenen Jahr gewachsen - und das trotz des Konjunkturaufschwungs und der sinkenden Arbeitslosigkeit. "Bislang gab es bei besserer Konjunktur und rückläufiger Arbeitslosigkeit stets weniger Gründer", sagt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, dem Handelsblatt. Die öffentliche Diskussion über Unternehmertum trage endlich "erste Früchte", argumentiert er.

2010 stieg die Zahl der Gründungsgespräche dem Verband zufolge leicht auf 361.058. Und die Zahl der Interessenten an Gründerseminaren an IHKs erhöhte sich um 8,4 Prozent auf mehr als 36.000. Das geht aus dem bislang unveröffentlichten Gründerreport des DIHK hervor, der jährlich erstellt wird und dem Handelsblatt vorliegt.

Anders als die Quantität nahm die Qualität der Gründungskonzepte weiter ab, hat der DIHK festgestellt. Auch im Wirtschaftsaufschwung gingen viele Gründer schlecht vorbereitet an den Start, heißt es in dem Report. Sie haben damit vor allem bei Finanzierungsverhandlungen einen schweren Stand. 2010 hätten 36 Prozent der Gründer weder Kunden, noch Geschäfts- und Finanzierungspartner ihrer Geschäftsidee klar beschreiben können. Ein Jahr zuvor traf das bereits auf 32 Prozent zu. Die Konzepte der unternehmerisch motivierten Gründer seien zwar etwas besser durchdacht gewesen als im Jahr zuvor. Aber arbeitslose Gründer hätten sich deutlich schlechter auf die Selbstständigkeit vorbereitet - und Arbeitslosigkeit war wie im Vorjahr die Motivation der Mehrzahl (59 Prozent) aller Gründer.

Das zeige, dass die wenigsten Gründer jemals Unternehmer werden, die neue Arbeitsplätze schaffen, sagte der Kölner Unternehmer Peter Jungen, der weltweit als Business Angel in junge Firmen investiert. "In Deutschland gibt es keinen Mangel an Kapital, sondern einen Mangel an Unternehmern mit Ideen", beklagt er. Um das zu ändern, müsse Unternehmertum als Lehrstoff im Bildungssystem verankert werden.

Immer mehr Frauen wollen gründen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: DIHK-Gründerreport - Den deutschen Gründern fehlen Konzepte

9 Kommentare zu "DIHK-Gründerreport: Den deutschen Gründern fehlen Konzepte"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Fehler der Verantwortlichen..

    In den letzten Jahren wird versucht kleinen Handwerksbetrieben den "Garaus" zu machen. Gab es doch eine Zahl von Existenzgründungen die nur darauf ausgerichtet waren schnell aus der Not zu Gründen um hier besser dazustehen. Mit dieser Verallgemeinerung tut man vielen Gründern die aus ehrlich motivierten Gründen eine Gründung beschlossen unrecht. Dabei wird nicht einmal mehr genau hingeschaut was die individuellen Gegebenheiten angeht. Es gibt Handwerker in unserem Land die auf Grunde einer bestehenden Marktnische als Antriebsfeder den Ausschlag fanden und nach genauen Überlegungen sich für eine Unternehmens-Neugründung entscheiden konnten. Hier wird leider zu pauschal geurteilt. Da viele EXG auf einen Gründungszuschuss angewiesen sind und davon leider noch die normale Miete u. Sozialabgaben zahlen mussten, hatten im Prinzip keine wirksame Förderung sondern einen schlechten Tausch mit der BAfA gemacht. Viele von diesen entschlossenen Leuten die immer noch in diesem Fahrwasser mehr oder minder erfolgreich tätig sind, haben mit dieser Beurteilung ein erhebliches Problem die mit Existenzängsten u. anderen Schwierigkeiten einhergehen.. Trotz Belege u. Beauftragungen durch Kunden mutet man diesen Gründern, die ein Recht auf Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit haben, verheerende Umstände zu. Die Gesetzgeber u. Entwickler des SGBII Rechts sollten sich hier dringend sich an Ihre eigene Nase fassen. Diese Minderheit von deutschen EXG, worunter sich eine Zahl sehr kreativer Leute befindet, erlebt derzeit die Hölle! Denn es darf nicht sein diese Menschen an den Rand der Gesellschaft zu drängen, denn Sie sorgen mit Ihrem Ideenreichtum in unserem Lande für dringend benötigte gesunde Impulse!

    Armes Deutschland!

  • Bei uns in Deutschland gibt es nur einen großen Haken im System.
    Es mangelt den Deutschen Kapitalgebern an Bereitschaft Risiko ein zu gehen.
    Die wirklich erfolgreichen Modelle, um ein paar anzuführen: Facebook, Google, Skype... wurden nicht auf Basis von Finanzkennzahlen und Geschäftsmodellen gegründet, sondern auf Basis von genialen Ideen.
    Jeder will vom fertigen Kuchen ein Stück. Aber Deutsche Angels sind nicht bereit, sich am Backen zu beteiligen. Dies weiss ich aus eigener Erfahrung.
    So lange dieses System so bleibt, dass Finanzkennzahlen vorne angestellt werden, wird aus Deutschland kein erfolgreiches Web-Unternehmen wachsen. Schade eigentlich, denn geniale Ideen gibt es in Deutschland wie Sand am Meer. Das weiss ich auch aus eigener Erfahrung.
    Gibt es denn bei uns jemanden der mehr Lust hat auf Kuchenbacken, als sich die Wampe nur mit Kuchen voll zu hauen? Ich suche Partner :-)
    Herzliche Grüße

  • Klare und sachliche Bestandsaufnahme: Den Unternehmern der "old economy" fällt der Paradigmenwechsel schwer.Erfolg macht faul, nur die Not regt wieder die innovativen und kreativen Zellen an. Die KMU verschlafen nicht nur die Web 2.0 Revolution (...die bestenfalls den PR-Jungs überlassen wird), sondern auch ihr riesiges Potential im Wissenstransfer und Wissensvernetzungen.

  • "Wie lautet Ihre Geschäftsidee?" über diesen Link bin ich bei den Kommentaren gelandet. Wer seine Geschäftsidee auf einer Internetplattform veröffentlicht taugt nicht zum Unternehmer.

    Ich habe eine UG gegründet und kann nur unterstreichen, was Expatriot sagt: die Handaufhalter stehen Schlange, sobald das Unternehmen eingetragen ist: Finanzamt, Steuerberater, Krankenkasse, Berufsgenossenschaft, GEZ, IHK, ...

    Wie wäre es mit auf UG spezialisierte Steuerberater, die von von kfw oder RKW bezuschusst werden... um durch den Dschungel von Vorschriften und Fallstricken hindurch zu finden. Diese Idee veröffentliche ich hier gerne.

  • Es stimmt, dass die Idee alles ist. Oder anders: Ohne Idee ist alles nichts. Die Exzellenz einer Idee zu bewerten fällt dagegen unglaublich schwer. Zur Bewertung benötigt man u.a. strategisches Konzeptions-, kreatives und visionäres Vorstellungsvermögen (i.S.v. Querdenken) und Marktkenntnisse. Was so vielen Gründern zu fehlen scheint, ist eben dieses Vorstellungsvermögen. Wer hat sich vorstellen können, eine virtuelle Plattform zu gründen, das 6 Jahre später 500 Millionen Mitglieder hat? Kann sein, dass Mark Zuckerberg so visionär war. Fakt ist, dass er mit Facebook ein erfolgreiches Unternehmen gegründet hat, gegen viele Zweifler, Neider und Besserwisser.

    Lamentieren hilft nicht: Wer nicht macht, macht keine Fehler und damit auch keine Erfahrungen. Wer nicht macht, sondern nur die Theorie walkt, scheitert schon an einer der wichtigsten Voraussetzungen für Unternehmen: Mut.

    Wenig mutig und vielmehr leichtsinnig ist, z.B. einen Kurierdienst mit einem Standardangebot in einer Stadt zu gründen, in der es schon 40 etablierte Kurierdienste gibt. Gleiches gilt für den 100. Blumen-Laden, 60. Friseur-Salon und 20. Kiosk. Mutig ist, einen Friseur-Salon zu gründen, in dem die Kunden/innen ihre Haare nach dem Schnitt selbst föhnen und frisieren (so bereits geschehen). Innovatives Denken, über den Tellerrand hinaus, kann die nötige Differenzierung bringen. Aktuell hat google zwei Produkte wieder vom Markt benommen (Gesundheitsdienst und Stromzähler-Projekt). Der Grund: eine zu geringe Nachfrage. Die Produkte waren sicherlich innovativ, auch am Marketing fehlte es nicht. Offenbar fehlte aber die nötige Nachfrage.

    Meine persönliche Meinung: Die Treiber erfolgreicher Unternehmen sind
    - visionäres Denken
    - Konsumentenperspektive
    - Mut
    - Durchhaltevermögen

    Ich wünsche allen Gründern mehr Mut zum anders sein.

    Ihr André Brömmel
    pro-art werbeagentur essen gmbh

  • Der größte Hemmschuh für kleine Unternehmen in Deutschland ist die Bürokratie. Ich bin sein über 10 Jahren selbstständig und habe mittlerweile mein Unternehmen "gesundgeschrumpft", um unter dem Radar zu fliegen.

    Man hat noch nicht den Hammer in der Hand, da stehen die Handaufhalter schon Schlange: Finanzamt+Steuerberater, Krankenkasse, Berufsgenossenschaft, GEZ, IHK, ...

    Wir brauchen dringend eine "Firewall" gegen diese ganzen Schmarotzer, damit Arbeit wieder Spaß macht und vor allem auch etwas übrig bleibt.

    Im Moment ist es sinnvoller, seinen Gewinn in Dax-Aktien zu stecken als in die eigene Firma.

  • Daß ca. 60% aller Unternehmensgründer aus der HartzIV-"Leitung" kommen, ist erschütternd. Diese Leute werden in Marktsegmente "entlassen", die, wenn überhaupt zu den wenig profitablen gehören dürften. Damit müssen sich immer mehr Unternehmen sich in der Regel nicht wachsende bzw. sogar schrumpfende Markvolumina teilen - genial!
    Die Frage des dauerhaften Selbständigseins entscheidet sich an der Profitabilität einer geschäftlichen Unternehmung udn hier haben bereits die vorhandenen Unternehmen in der Regel ihre Überlebensprobleme, abgesehen von kurzen Phasen von Sonderkonjunkturen. Ich denke schon sein 15 Jahren darüber nach, ein zweites eigenes neues Unternehemen ins Leben zu rufen, das vor allem das Merkmal einer stabilen Profitabilität aufweist - vergebens! Porfitabilität ergibt sich allein aus der Nutzung von ausgeprägten Alleinstellunsgmerkmalen von Produkten bzw. Dienstleistungen in anbieterseitig ungesättigten stabilen Marktsegmenten. Da kann man in Deutschland lange suchen!

  • Das die Konzepte nicht stimmen hat doch der Staat selbst zu verschulden.
    Die RKW und die KFW zahlen jeweils bis zu 4500€ für ein Kozept, sprich ein Unternehmensberater kann bis zu 9000€ für ein Konzept einheimsen.
    Die Qualität des Konzepts spielt dabei überhaupt keine Rolle, nur dann im Bankgespräch wenn die Absage kommt gibt es Tränen in den Augen.
    Und aus Sicht der KFW und der RKW spielt die Qualität der lizensierten Berater dieser beiden Geldkühe auch keine Rolle. Jeder trottel kann aus meiner Sicht hier Berater werden. Die Ausschüttung der hunderten Millionen an Honoraren wird nicht direkt geprüft ob es eine saubere Gegenleistung erfolgte. Aus meiner Sicht nicht nur wieder eine Verarsche der Bevölkerung sondern auch der Gründer die es ernst meinen und wirklich gründen wollen.
    Ich bin der Meinung hier sind Betrug.

    Ich frage mich wieso man überhaupt noch Konzepte prüft und nicht gleich Kredite vergibt? Der Gründermonitor der KFW zeigt doch ganz klar das die meisten gründer unter 20k€ benötigen, wieso leiht man ihnen das Geld nicht direkt anstatt 45% einem möchte gern Unternehmensberater in den Hals zu schmeißen? Die Ausfallrate liegt bei nur 25%, also wäre das ein dickes Geschäft.
    Aus meiner Sicht sind Unternehmensberater ohne akademischen Hintergrund absolut nicht zu empfehlen. Am besten man geht zu einem auf Gründung und finanzierung spezialisierten Steuerberater.

  • Liebe Leserinnen und Leser,
    wussten Sie eigentlich, dass Bud Spencer nicht nur Schauspieler war, sondern auch Unternehmer? Nun gut, seine Zahnbürste mit integrierter Pasta wurde nicht zum Welterfolg. Aber manchmal schaffen es verrückte Ideen ja doch. Nennen Sie uns Ihre Geschäftsidee, mag sie auch noch so verrückt sein!

    Ihr Team von Handelsblatt Online

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%