DIHK-Umfrage
Standort D verliert an Attraktivität

Deutsche Unternehmen planen wieder mehr Produktionsstätten im Ausland aufzubauen. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK) hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wird und dem Handelsblatt in Auszügen bereits exklusiv vorliegt. Damit wird deutlich: Die Standortbedingungen haben sich zu Lasten Deutschlands verändert.

DÜSSELDORF. Die Umfrage stützt sich auf die Antworten von rund 26 000 Unternehmen in Deutschland. 35 Prozent der auslandsaktiven Industrieunternehmen wollen aus Kostengründen ihre Auslandsproduktion erhöhen – im Vorjahr waren es erst 29 Prozent. „Solche Auslandsinvestitionen zur Kostenersparnis sind immer auch Indiz dafür, dass sich Standortbedingungen zu Lasten Deutschlands verändert haben“, sagt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben dem Handelsblatt.

Die Liste der Ursachen ist aus Sicht des DIHK lang: „Der steigende Fachkräftemangel und die gleichzeitig befürchteten Lohnsteigerungen spielen bei den Unternehmensentscheidungen eine wichtige Rolle“, urteilt Wansleben. Hinzu komme der hohe Euro-Außenwert, der Investitionen gerade in den USA attraktiver mache. „Die im internationalen Vergleich hohen Energiepreise am Standort Deutschland tun ein Übriges“, argumentiert Wansleben. Sofern komplette Neuinvestitionen geplant würden, machten sich auch die Knappheit an kostengünstigen Grundstücken, zunehmende Umweltauflagen und die Dauer von Genehmigungsverfahren negativ bemerkbar.

Jüngstes Beispiel ist Nokia: Der finnische Konzern hatte sein Werk in Bochum geschlossen. Heute startete der Konzern die Produktion von Mobilfunkgeräten an seinem neuen Standort im rumänischen Cluj. Die neue Fabrik, die im dritten Quartal dieses Jahres eingeweiht werden soll, werde ein wichtiger Teil des weltweiten Nokia-Liefernetzwerks sein, sagte Konzern-Vizepräsident Juha Putkiranta. In der Anlaufphase der Produktion sollen dort 500 Menschen arbeiten. Bis Ende 2009 soll die Zahl der Mitarbeiter auf 3 500 steigen, teilte Nokia mit. Rumänien sei als neuer Standort wegen der steigenden Nachfrage aus Osteuropa und Afrika gewählt worden.

Auch eine exklusive Umfrage dieser Zeitung, der Handelsblatt Business-Monitor, hat ergeben, dass sich die Urteile der hiesigen Manager über die Bedingungen am Standort Deutschland im Februar leicht verschlechtert haben. Trotz der Verschlechterung hält mit 80 Prozent aber immer noch eine breite Mehrheit der befragten Manager die Standortbedingungen für „gut“ oder „eher gut“.

Der Anteil der auslandsaktiven deutschen Industrieunternehmen, die zur Markterschließung im Ausland investieren wollen, ist laut DIHK dagegen unverändert geblieben. Während diese Pläne vor einem Jahr noch 31 Prozent hatten, waren es zu Beginn des laufenden Jahres 30 Prozent.

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