Direktvertrieb boomt

Dating für die Shopping-Party

Alle 22 Sekunden findet in Deutschland eine Verkaufsparty statt. Die Branche boomt. Eine Vermittlungsbörse will Verabredungen zum Shoppen im Wohnzimmer vereinfachen – damit Berater und Gäste leichter zusammenfinden.
Der österreichische Direktvertrieb Luna.at veranstaltet nun auch Shopping-Partys in Deutschland. Quelle: PR
Schmuckparty im Wohnzimmer

Der österreichische Direktvertrieb Luna.at veranstaltet nun auch Shopping-Partys in Deutschland.

(Foto: PR)

DüsseldorfNeue Geschäftsideen entstehen oft dann, wenn sich Leute über etwas ärgern. So war es auch bei Andreas Schneck aus Bietigheim. Für seine Frau wollte er als Geburtstagsüberraschung eine Verkaufsparty im heimischen Wohnzimmer organisieren. Doch die verwirrende Suche im Internet nach einer passenden Party und Beraterin frustrierte ihn. „In Zeiten des World Wide Web sollte es doch einen Dienst geben, mit dem ich Firmen und Vertriebler für eine Shopping-Party finden und direkt kontaktieren kann“, wunderte er sich. Schneck recherchierte und entdeckte lediglich in den USA und Kanada Plattformen. Die informieren zwar über verschiedene Verkaufspartys, aber ermöglichen keinen Austausch zwischen Gastgeber und Direktvertriebler.

Die Sache ließ dem Online-Marketing-Experten keine Ruhe. Mit seinem Kollegen Sven Günzel begann er, an einer Web-Plattform zu basteln. Anfang 2015 gründeten sie das Start-up Verkaufspartys.net. Rund 2000 selbstständige Berater, fast ausschließlich Frauen, von etwa 60 verschiedenen Direktvertrieben sind laut Schneck inzwischen auf der Plattform registriert. Die Palette reicht von Putzutensilien über Schmuck und Duftkerzen bis zu Dildo-Partys. Schneck wählt die Anbieter vorher genau aus. „Dubiose Strukturvertriebe oder Esoterik kommen nicht auf die Seite“, betont er.

Der Direktvertrieb boomt. Fast eine Million meist selbstständige Beraterinnen – so viele wie noch nie – arbeiten hierzulande für rund 500 Unternehmen, von Tupperware über Vorwerk und Avon bis Amway. Warum der gesellige Einkauf im Wohnzimmer, dem lange etwas Altbackenes anhaftete, einen solchen Aufschwung erlebt? „Im Zeitalter des anonymen Einkaufs im Internet und der virtuellen Freundschaften über Facebook ist die soziale Komponente auf der Strecke geblieben“, meint Manfred Krafft, Marketing-Professor an der Universität Münster. Homepartys seien der ideale Anlass für Freundinnen, zusammen Spaß zu haben. Der Verkauf sei eher ein Nebeneffekt.

Ein Nebeneffekt, der sich für die Branche allerdings auszahlt. Der Umsatz stieg nach Schätzungen des Bundesverbands Direktvertrieb Deutschland (BDD) 2015 um neun Prozent auf mehr als 16 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Online-Handel setzte zuletzt 52,9 Milliarden Euro um, so einen Studie im Auftrag des Marktplatzes Retail-Me-Not. „Die Direktvertriebsbranche wächst kontinuierlich und hat überdurchschnittliche positive Zukunftserwartungen“, konstatiert Florian Kraus, Marketing-Professor der Universität Mannheim.

Das sind die beliebtesten Händler Deutschlands
Platz 20: C&A
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Schlechter Service wird bei den großen Handelsmarken offenbar immer seltener. Das fand nun eine Studie zur Kundenzufriedenheit der Unternehmensberatung OC&C heraus: „In den vergangenen fünf Jahren ist beim Service verdammt viel passiert. Das verdanken die Kunden dem Druck, den Amazon gemacht hat“, sagt OC&C-Partner Christian Ziegfeld.

Die Modekette C&A landet in diesem Ranking auf Platz 20. Das sind allerdings keine guten Nachrichten für das Unternehmen: Im vergangenen Jahr lag man noch sieben Plätze besser platziert.

Mehr zu der Studie lesen Sie hier.

Platz 19: Peek & Cloppenburg
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Ähnlich sieht es beim Konkurrenten P&C aus, auch hier ging es sieben Plätze nach unten. Tatsächlich waren die Service-Angebote aus dem Netz für viele stationäre Händler aber ein heilsamer Schock: großzügigste Umtauschregeln, scheinbar unbegrenzte Sortimente, hohe Preistransparenz. Damit konnte sich vor allem der US-Angreifer Amazon zunächst deutlich von den traditionellen Händlern absetzen. Doch offenbar haben diese die Botschaft verstanden: In den jährlichen OC&C-Studie zur Kundenzufriedenheit steigt das Niveau deutlich. Diejenigen Kunden, die einen Laden oder einen Webshop in Deutschland nutzen, sind im Schnitt deutlich zufriedener als noch vor wenigen Jahren.

Platz 18: Lidl
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Der Discounter Lidl landet auf Platz 18. Die deutschen Händler schließen bei der Kundenzufriedenheit insgesamt zu Amazon auf. Einheitlich ist das Bild jedoch nicht: Einige Händler können sich besonders verbessern, andere fallen zurück. Lidl hat im Vergleich zum Vorjahr drei Plätze gewonnen.

Platz 17: s.Oliver
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Die Modekette s.Oliver kommt auf den 17. Platz im Ranking der Kundenzufriedenheit, einen Rang schlechter als im Vorjahr.

Platz 16: Bonprix
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Auf Platz 16 kommt Bonprix. Die Modekette konnte drei Plätze gewinnen.

Eine bessere Wahrnehmung beim Kunden funktioniert über verschiedene Wege: Karstadt (Platz 43) etwa arbeitet sich langsam nach vorn. Das liegt allerdings nach Meinung von Ziegfeld auch dran, dass die angeschlagene Warenhauskette durch mehrere Strategiewechsel etliche kritische Kunden vergrault hat und somit unter der gesunkenen Gesamtkundenanzahl prozentual mehr überzeugte Karstadt-Fans verbleiben.

Platz 15: Globus
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Die SB-Warenhauskette Globus kommt bei der Kundenzufriedenheit auf Platz 15. Damit verliert die Kette acht Plätze im Vergleich zum Vorjahr.

Platz 14: Kaufland
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Der nächst Discounter im Ranking: Kaufland erreicht mit Platz 14 einen fünf Plätze schlechteren Rang als noch im Vorjahr.

Alle 22 Sekunden findet in Deutschland eine Verkaufsparty statt – vom Thermomix über Dessous bis zur Tupperdose. Insgesamt 7,3 Millionen Bestellungen wurden in einem Jahr getätigt, berichtet der Bundesverband. Im Schnitt nehmen fünf Gäste an einer Party teil. Bislang kamen Social-Shopping-Partys meist durch Mund-zu-Mund-Propaganda zustande. „Die meisten Verkaufspartys werden direkt über den persönlichen Kontakt zu den Vertriebspartnern und über die Internetseiten der BDD-Mitgliedsunternehmen vermittelt. Dort finden die Kunden alle Berater der Unternehmen“, sagt Jochen Clausnitzer, Geschäftsführer des BDD.

Wer jedoch auf keine bestimmte Verkaufsparty festgelegt ist und sich auch über kleinere und unbekanntere Anbieter informieren möchte, dem will Schneck mit seiner Plattform weiterhelfen. „Oft wird dem Gastgeber eine Beraterin zugewiesen. Auf Verkaufspartys.net dagegen haben Beraterinnen ihr Profil samt Foto und Kontakt und oft auch Kalender hinterlegt. Schließlich will jeder wissen, welche Person er sich für eine Party ins Wohnzimmer holt“, so Schneck.

Mit der Postleitzahl können interessierte Kunden nach Vertrieblern in der Nähe suchen und sie direkt kontaktieren. Schneck will bald auch Restplätze von Shopping-Partys anbieten: „Manche Party kommt nicht zustande, nur weil noch zwei Gäste fehlen.“

500 bis 700 Euro Umsatz pro Party
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