Diskussion um Ausweitung des Bankenprivilegs
Factoringbranche kritisiert Steuerpläne

Der Factoring-Boom in Deutschland geht weiter, die Konkurrenz wird härter. Doch von Seiten des Gestzgebers droht jetzt harter Gegenwind: Die Ausweitung des Bankenprivilegs sorgt für Unruhe. Der Branchenverband wehrt sich gegen die Pläne des Finanzministeriums.

KÖLN. Factoring ist in Deutschland weiterhin auf dem Vormarsch. Die 22 großen Anbieter, die im Deutschen Factoring-Verband organisiert sind, übernahmen 2007 Forderungen in Höhe von rund 41 Mrd. Euro, ein Plus von 25 Prozent. Da in der Branche für gewöhnlich das zweite Halbjahr wesentlich stärker ausfällt, könnten die Unternehmen im Gesamtjahr die Grenze von 90 Mrd. Euro überschritten haben. Die 34 kleinen und mittleren Anbieter aus dem Bundesverband Factoring für den Mittelstand (BFM) bauten 2007 ebenfalls ihr Geschäft aus. „Um 25 bis 30 Prozent“, wie Verbandschef Volker Ernst taxiert. Sie kämen damit auf ein Volumen von bis zu 2,2 Mrd. Euro.

Auch für 2008 überwiegt bei Unternehmen und Verbänden die Zuversicht. Allerdings mischt sich auch Besorgnis darunter. Der Wettbewerb wird härter, der Margendruck wächst. Mario Lüdtke, Geschäftsführer der zu ABN AMRO gehörenden IFN Finance, schätzt, dass die Preise für Factoring „in den vergangenen zehn Jahren um 50 bis 70 Prozent gefallen sind.“ Auch Volker Ernst vom BFM bestätigt: „Die Preissituation ist schwierig.“ Viele Marktbeobachter erwarten deshalb mittelfristig eine Konsolidierung in Deutschland.

Die Factoringanbieter stehen nicht nur untereinander im harten Wettbewerb. Ihr Produkt konkurriert auch mit der klassischen Kreditfinanzierung der Banken. Und diese gewähren trotz der befürchteten Kreditklemme zumindest Unternehmen mit guter Bonität unvermindert Darlehen. Mario Lüdtke mahnt deshalb, die Branche müsse aufpassen, „nicht ausschließlich zur letzten Zuflucht schlechter Bonitäten zu werden, zum ‚financier of the last resort'“.

Paradoxerweise steigert aber gerade der Preiskampf der Factoringunternehmen die Attraktivität ihres Produkts gegenüber dem Bankkredit. Volker Ernst rechnet zudem vor, dass der reine Finanzierungsanteil für das Factoring in der Regel niedriger sei als Darlehenszinsen. Hinzu kämen Gebühren für den Service. „In der Summe entstehen dann zwar leichte Mehrkosten gegenüber dem Bankkredit. Dafür erhalten Factoringkunden aber zusätzlich einen Schutz vor Zahlungsausfällen und Leistungen im Debitorenmanagement, die sie sonst intern tragen müssten“, so Ernst.

Ein scharfer Wind bläst nach Ansicht vieler Marktteilnehmer nicht nur aus Richtung der Wettbewerber, sondern auch des Gesetzgebers. Denn ein Vorschlag des Bundesfinanzministeriums sorgt für Aufregung: Mit der Ausdehnung des so genannten „Bankenprivilegs“ auf Factoringgesellschaften soll deren Refinanzierung von der Gewerbesteuer ausgenommen werden. Damit würde die vom Unternehmenssteuerreformgesetz 2008 ausgelöste Doppelbesteuerung aufgehoben. Klaus Schierbeck von CF Commercial Factoring hält das für ein schlechtes Geschäft: „Wir müssten dann im Gegenzug die gleichen aufsichtsrechtlichen Pflichten erfüllen wie eine Großbank, obwohl wir überhaupt kein Einlagengeschäft betreiben.“

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