Drahthersteller setzen auf Innovation
High-Tech verbessert Beton und Collegeblöcke

Nicht allen deutschen Drahtherstellern ist die Konkurrenz aus Fernost bislang erspart geblieben. Doch nach schweren Zeiten um die Jahrtausendwende haben sich die Unternehmen dank High-Tech trotz Standortverlagerung wieder erholt.

KÖLN. Im hessischen Maintal bei Frankfurt ist die Welt noch in Ordnung. Hier produziert die Mitteldeutsche Drahtindustrie GmbH Maschendrahtzäune. Inhaber Stefan Geiger denkt regional: „Meine Kunden sind hier vor der Tür. Da wir auch im Internet vertreten sind, kommt auch schon mal eine Bestellung aus Hamburg. Aber bei zwei Rollen Maschendraht wären die Frachtkosten höher als der Wert des Materials“, erklärt der Unternehmer. Auch die Produkte aus Fernost muss er in seinem Lieferkreis kaum fürchten: „Beim Sechseck-Maschendrahtzaun brauchen die Chinesen noch einige Jahre bis sie die gleiche Qualität liefern können.“

Nicht allen deutschen Drahtherstellern ist die Konkurrenz aus Fernost bislang erspart geblieben. Doch nach schweren Zeiten um die Jahrtausendwende haben sich die Unternehmen trotz Standortverlagerung wieder erholt. Wolfgang Bieker, Geschäftsführer der Eisendraht- und Stahldrahtvereinigung in Düsseldorf, sieht die Branche auf einem guten Weg: „Auch wenn es 2007 Produktionsrückgänge gab, war es ein gutes Jahr. Für 2008 rechnen wir mit noch besseren Zahlen.“ Wichtigster Kunde ist mit 60 Prozent die wieder erstarkte Automobilindustrie. Pro Fahrzeug verbauen die Hersteller durchschnittlich 65 Kilogramm Draht, vor allem als Schrauben und Federn. Verbandschef Bieker registriert die Zunahme der Kfz-Zulassungen entsprechend mit Wohlwollen.

Auch Drahthersteller Brüninghaus blickt optimistisch in die Zukunft. Das Unternehmen stellt im sauerländischen Altena, der Wiege der deutschen Drahtindustrie, vor allem Kaltstauchdraht für Schrauben, Muttern und Nieten her. Was dem Unternehmen allerdings zu schaffen macht, ist die Preisentwicklung der Rohstoffe. „Der Anstieg ist momentan mit fast 15 Prozent heftiger als erwartet. Wir können derzeit nicht mehr als zwei bis drei Monate vorausplanen“, erklärt Prokurist Thomas Brüninghaus. Viele seiner Kunden beliefern die Autoindustrie und können höhere Preise dort nur begrenzt durchsetzen. Außerdem verteuert der beginnende Handel von Emissionszertifikaten die Produktion.

Um sich dennoch im Markt zu behaupten, setzen die Unternehmen auf High-Tech. Die Drähte der Firma Krampe-Harex aus Hamm in Westfalen sind zum Beispiel nur einen halben Millimeter breit. Das Unternehmen stellt Stahlfasern für Estriche her, die das herkömmliche Baustahlgewebe überflüssig machen. Das Material kommt vor allem bei Großanlagen mit hohem Gewicht zum Einsatz. „Etwa 70 Prozent der Bauprojekte sind Industrieanlagen - wie etwa von Volkswagen in Baunatal", erklärt der technische Leiter Markus Schulz.

Hoch spezialisiert ist auch das Drahtwerk Friedrich Lötters von Hemer-Bredenbuch am Rand des Sauerlands. Das Unternehmen produziert Drähte zum Beispiel für Schreibblöcke und Heftklammern. Vertriebsleiter Jürgen Beckmann sieht die Lage entspannt, weil die Hochleistungsmaschinen seiner Kunden besondere Anforderungen an den Draht stellen: „Die Produktion dieser Qualität bereitet in Fernost noch Probleme.“ Auch beim Export läuft es gut: „Viele Unternehmen lassen Zeitschriften inzwischen in Polen, Ungarn oder Tschechien drucken, so dass wir unsere Drähte dort hinliefern", sagt Beckmann. Er schätzt, dass bei Collegeblöcken in Deutschland mindestens jeder zweite Draht aus seinem Unternehmen stammt.

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