Dringend gesucht
Durchblick bei der Finanzierung

Viele Banken zögern bei der Vergabe von Exportkrediten an Mittelständler.Staatliche Garantien helfen zwar dabei, das Risiko zu senken.Doch der hohe Aufwand schreckt Kreditinstitute bei kleineren Aufträgen ab.
  • 0

KÖLN. Algerien, Kuwait, Iran - im arabischen Raum und dem vorderen Orient hat Karl-Heinz Witte wichtige Kunden. Seine Firma, die K.H. Witte Anlagenbau im niedersächsischen Lastrup, beliefert dort landwirtschaftliche Betriebe. Jüngst gelang ein Abschluss mit Al-Wadi Poultry Farms in Saudi-Arabien: K.H. Witte stattet die Geflügelfarm mit einer neuen Futtermühle aus. Bei der Finanzierung steht die DZ Bank zur Seite - sie hat einen Bestellerkredit über 4,7 Mio. Euro bereitgestellt.

Nur selten zahlen Abnehmer im Ausland die gesamte Rechnung bei Lieferung. Ein Bestellerkredit vereinfacht für den Exporteur die Transaktion - und macht sie sicherer. Denn die Bank gibt dem ausländischen Abnehmer einen Kredit, mit dem er seine Rechnung bezahlt. So muss der Lieferant auf sein Geld nicht warten. Auch das Risiko, dass ein Kunde am Ende gar nicht zahlt, ist damit vom Tisch.

Schwierige Suche nach Partnern

Vielen Mittelständlern allerdings fällt gerade schwer, Partner für die Exportfinanzierung zu finden. Denn Kredite für ausländische Importeure machen Banken viel Arbeit. "Bei Aufträgen mit einem Wert bis zu fünf Mio. Euro lohnt sich der Aufwand für sie meist nicht", sagt Susanne Engelbach, Außenhandelsexpertin beim Verband Deutscher Maschinenbauer (VDMA). "Hier gibt es eine Lücke am Markt, die die Firmen in Schwierigkeiten bringt."

Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) bestätigt den Trend. "Während sich die Kreditkonditionen insgesamt verbessern, gibt es bei der Finanzierung der Exporte noch Probleme", sagt DIHK-Experte Volker Treier. Zwölf Prozent der Firmen, die über verschlechterte Kreditkonditionen klagen, geben Probleme bei der Exportfinanzierung an. Bei Maschinenbauern sind es 28 Prozent.

Langsam aber denken die Banken um. "Sie bemühen sich wieder um Geschäfte mit geringen Margen wie die Exportfinanzierung", sagt Gisela von Krosigk, Abteilungsleiterin der KfW Ipex-Bank. Das Institut konzentriert sich allein auf Exportfinanzierung. Generell scheint sich die Lage wieder zu bessern, sagt von Krosigk. Nur bei schlechteren Risiken sei es für die Lieferanten "schwieriger als vor der Krise".

Hätten sie die Wahl, würden die meisten Exporteure wohl wie Witte den Bestellerkredit wählen. Dabei schließt die Bank einen viele Seiten dicken Vertrag mit dem Empfänger der Lieferung ab, muss dessen Bonität prüfen und die wirtschaftlichen und politischen Risiken in seinem Heimatland kennen. "Wir schauen uns auch an, wie der Exporteur seinen Liefervertrag ausgestaltet hat und wie gut er den Kunden kennt", sagt Ralph Lerch, Leiter Exportfinanzierung bei der Commerzbank. Der Abschluss kann je nach Erfahrung des Bestellers Wochen dauern - und den Versand einer Ware verzögern. "Der Bestellerkredit ist also nicht für jede Konstellation die geeignete Lösung, insbesondere bei zu geringen Auftragswerten in exotischen Ländern", sagt Lerch.

Den Banken ist es bei kleineren Aufträgen lieber, wenn Unternehmen ihren Kunden selbst Kredit einräumen und Ratenzahlung vereinbaren. Die Exporteure können ihre Forderung dann an eine Bank verkaufen. Die Bedingung ist in der Regel, dass sie gut gegen Zahlungsausfall versichert sind. Das ist nicht so einfach: "Seit der Finanzkrise ist es sehr schwierig geworden, Absicherungsmöglichkeiten im privaten Versicherungsmarkt zu finden", sagt Lerch. Die privaten Anbieter haben ihre Preise erhöht - wenn sie Risiken überhaupt noch abdecken.

Seite 1:

Durchblick bei der Finanzierung

Seite 2:

Kommentare zu " Dringend gesucht: Durchblick bei der Finanzierung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%