Druckbranche
Heideldruck hofft auf die Drupa

Die Druckbranche schwächelt, die Unternehmen hoffen nun auf die Drupa. Die Messe gilt als Trendbarometer. Weltmarktführer Heideldruck muss einen rückläufigen Umsatz hinnehmen und will nach der Messe entscheiden, ob weitere Sparmaßnahmen notwendig sind.

DÜSSELDORF. Der Verlauf der heute beginnenden Weltleitmesse für Druckmaschinen Drupa wird darüber entscheiden, ob der schwächelnden Branche weiterer Stellenabbau bevorsteht. Im Vorfeld der Veranstaltung haben die Unternehmen übereinstimmend über zögerliche Bestellungen oder sogar Auftragsrückgänge berichtet. Die Düsseldorfer Drupa, die nur alle vier Jahre stattfindet, gilt als Weltleitmesse, auf der auch viele Aufträge geschrieben werden.

Bernhard Schreier, Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Druckmaschinen, sagte, normalerweise erhalte sein Unternehmen auf der Drupa Aufträge, die die Werke des Weltmarktführers für drei bis vier Monate auslasten. Branchenkenner erwarten allein für Heidelberg Bestellungen von 800 Mill. Euro.

Vor vier Jahren sei die Branche in einem Konjunkturtal gewesen und habe auf der Drupa durch gute Bestellungen Anzeichen für ein Ende der Krise erhalten. Jetzt deuteten die Signale eher auf einen Abschwung hin. „Die Messe wird das Trendbarometer für uns“, sagte Schreier. Nach der Messe aber noch vor der anstehenden Hauptversammlung im Juli will der Vorstand entscheiden, ob weitere Sparmaßnahmen nötig sind.

Heideldruck ist mit einem Weltmarktanteil von rund 40 Prozent klarer Weltmarktführer bei Druckmaschinen für Bogenoffset, also vor allem für Plakate und Broschüren für die Werbeindustrie. Im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr 2007/08 schrumpfte der Umsatz um 3,5 Prozent auf 3,6 Mrd. Euro und der Jahresüberschuss von 263 Mill. im Vorjahr auf 142 Mill. Euro. Wegen der schlechten Geschäfte besonders in den USA und der Belastungen durch den Dollarkurs brach das Ergebnis im vierten Quartal um ein Drittel ein. Für das erste Viertel des neuen Geschäftsjahres hat Heideldruck bereits einen Verlust vor Zinsen und Steuern angekündigt.

Heideldruck belegt auf dem Düsseldorfer Messegelände zwei Hallen und ist mit 2 000 Beschäftigten präsent. Herzstück und gleichzeitig Weltpremiere ist eine neue Druckmaschine für den Druck von Verpackungen und den industriellen Verlagsdruck im ganz großen Format. Damit will Heideldruck den Konkurrenten MAN Roland und Koenig & Bauer Marktanteile abnehmen, die bisher diesen Bereich beherrschen. Außerdem will Schreier durch die Stärkung des Verpackungsdruckes unabhängiger von den Konjunkturschwankungen der Werbeindustrie werden.

Mit einem neuen Namen präsentiert sich auf der Messe die bisherige MAN Roland. Künftig nennt sich der weltweit zweitgrößte Hersteller von Druckmaschinen „manroland“. Grund ist, dass die Rechte am alten Namen und Logo 2009 auslaufen. Im Juli 2006 hatte der MAN-Konzern 65 Prozent der Anteile an Allianz Capital Partners verkauft.

Der ursprünglich für dieses Jahr erwartete Börsengang ist wegen des schlechten Börsenumfeldes auf Eis gelegt worden. In Düsseldorf wollte der Vorstandsvorsitzende Gerd Finkbeiner keinen neuen Termin nennen. „Wenn das Marktumfeld stimmt, gehen wir an die Börse“, sagte er. „Wir haben nie ein exaktes Datum genannt, deshalb wird der Börsengang auch nicht verschoben.“

Ebenso wie die Konkurrenten leidet auch Manroland unter der schlechten Konjunktur. Zwar nennt das Unternehmen keine Zahlen mehr, aber aus dem Zwischenbericht der Allianz ist zu entnehmen, dass der Umsatz im ersten Quartal um 18 Prozent auf 374 Mill. Euro gesunken ist. Das Ergebnis vor Steuern dürfte im Jahresvergleich von elf auf zwölf Mill. Euro gestiegen sein.

Drupa füllt die Orderbücher

Weltleitmesse

Zur Drupa 2008 haben sich 1 971 Aussteller aus 52 Ländern angesagt. Damit ist die Messe für Druck und Papier, die nur alle vier Jahre stattfindet, größer denn je. Das Gelände im Düsseldorfer Norden ist mit 19 Hallen voll belegt. Die Veranstalter erwarten vom 29. Mai bis zum 11. Juni 400 000 Besucher.

Konjunktursorgen

Die Aussteller erhoffen sich vom Verlauf der Messe wichtige Hinweise über den Konjunkturverlauf. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Messen ist die Drupa eine wichtige Ordermesse. Die Hersteller von Druckmaschinen schreiben während der Drupa oft Bestellungen, die für die Produktion eines Quartals reichen. Allerdings warten viele Kunden vor der Drupa mit Bestellungen ab und sehen sich erst die Neuheiten auf der Messe an.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
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