Dubai
Aus Öl mach Beton

Fast zwei Milliarden Dollar am Tag: Die Ölquellen spülen gigantische Geldsummen an den Persischen Golf. Die Kapitalflut der Scheichs lockt die Elite der internationalen Investment-Szene nach Dubai - und finanziert gigantische Bauprojekte. Davon profitieren auch deutsche Firmen.

DUBAI. Henry Azzam schüttelt den Kopf, als könne er es immer noch nicht glauben. "Jeden Tag fließen 1,5 bis zwei Mrd. Dollar Öleinnahmen an den Persischen Golf, und die Region ist erst am Beginn ihres Wohlstandes", sagt er. Der Deutsche-Bank-Chef für den Nahen Osten und Nordafrika spricht über den Ölreichtum der Arabischen Halbinsel, wo 40 Prozent der globalen Reserven schlummern - eine gigantische Gelddruckmaschine für Staatsfonds.

Die Finanz-Dickschiffe aus Kuwait, Abu Dhabi, Dubai und Katar verwalten derzeit schätzungsweise 1,7 Bill. Dollar. So viel Cash drängt nach lukrativen Anlage-Objekten weltweit. Und Azzam weiß, auf was der Appetit besonders groß ist: "Staatsfonds werfen einen Blick auf Europa und seine größte Volkswirtschaft, Deutschland", sagt der gebürtige Jordanier. "Sie werden bei mittelständischen und großen deutschen Industrie-Unternehmen nach Möglichkeiten zum Einstieg suchen."

Die Kapitalflut der Scheichs hat die Crème der internationalen Investment-Szene nach Dubai gelockt. Ob HSBC, Goldman Sachs, UBS oder Deutsche Bank: Im Dubai International Financial Centre (DIFC), einem nüchternen Trakt aus Glas, Stahl und Beton, sitzen mittlerweile 216 Institute von allen Kontinenten. Deren Portfolio erstreckt sich vom Investment-Banking über Asset- und Private-Wealth-Management bis zur Beratung für Übernahmen. Im Gegensatz zum Nachbar-Emirat Abu Dhabi hat Dubai zwar kaum Erdölvorkommen, aber die Glitzer-Metropole gilt wegen ihrer exzellenten Flugverbindungen und ihres vergleichsweise liberalen Lebensstils als ideale Drehscheibe zwischen Asien, Europa und Afrika. Viele Konzerne haben deshalb ihre Zentrale für die Region hierherverlegt.

Auch die deutschen Finanzhäuser folgen dem Trend. Die Geschäfte laufen so gut, dass Personal aufgestockt wird. So will die Deutsche Bank, die hier zurzeit 160 Mitarbeiter beschäftigt, die Zahl in den nächsten zwei Jahren auf mehr als 400 erhöhen. Auch Commerzbank und Dresdner Bank wollen einstellen.

Während die deutschen Banken vor allem um institutionelle Investoren, Firmen und Superreiche werben, läuft die Finanzierung des Immobilien-Booms in erster Linie über lokale Institute. Neben dem Tourismus ist die Bauwirtschaft der wichtigste Konjunkturmotor, der dem Emirat 2007 ein Wachstum von elf Prozent beschert hat. Allein die staatliche Entwicklungsgesellschaft Nakheel arbeitet an Projekten mit einem Gesamtvolumen von 80 Mrd. Dollar. Innerhalb der nächsten fünf Jahre will das Unternehmen Wohnungen für drei Millionen Menschen fertigstellen. Dabei zählt Dubai heute nur 1,6 Millionen Einwohner. 2009 soll die neue U-Bahn ans Netz, fast zeitgleich mit der Eröffnung des weltgrößten Flughafens.

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