Dubai
„Deutsche sind gründlich, aber langsam“

„Kontakte, Kontakte, Kontakte.“ Nur darum geht es bei den schnellen Geschäften in Dubai. Deutsche Mittelständler können vom Boom in der Hauptstadt des arabischen Wirtschaftswunders profitieren – wenn sie es schaffen, mit dem raschen Handeln der Konkurrenz mitzuhalten.

DUBAI. Nach sechs Stunden Nachtflug drücken sich Gäste der Emirates Airlines an den Bordfenstern die Nasen platt. Unter ihnen glitzert und leuchtet das Ziel ihrer Träume: Dubai. Willkommen in der Stadt der Wunder, der Gigantomanie, der Millionäre, des Geldes und des Goldes.

Doch die bereitet den Besuchern zunächst einen ruppigen Empfang: Nach der Landung müssen sie zwei Stunden auf den Bus warten, der im Stau stecken geblieben ist, und eine weitere Stunde bis zum Einchecken im Hotel. Das alles nachts, wo der Mensch müde ist, sich nach einem Bett und Ruhe sehnt. Rechnet sich dieser Aufwand für einen, der lange überlegt, ob er es sich überhaupt leisten kann, seine Firma für ein paar Tage im Stich zu lassen?

Dörthe und Manfred Kopf haben darauf vorerst keine Antwort. Die Inhaber einer Dessauer Firma für Bodenbeläge sind zum ersten Mal in den Vereinigten Arabischen Emiraten. „Wir sind gespannt auf Land und Leute und fragen uns, ob wir vom Bauboom profitieren können.“

Wie weitere mittelständische Unternehmer sind sie einer Einladung des German Innovation Centre (GIC) nach Dubai gefolgt. Unter den Gästen aus Braunschweig, Bautzen und Dresden sind zwei Ingenieure, ein Autohändler, ein Softwareentwickler und zwei Experten für Finanzmanagement. Ihr gemeinsames Ziel: Sie wollen ausloten, ob und wie sie hier Geschäfte machen können. Das GIC, ein Kooperationspartner des Bundesverbandes für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft (BWA), organisiert solche Reisen regelmäßig und hilft deutschen Firmen, in den Vereinigten Arabischen Emiraten Fuß zu fassen.

Das GIC hat seinen Sitz am Dubai Creek, einem schmalen Meeresarm. Im vierten Stock eines verglasten Büroturms arbeitet Yassin Nasri, 41, mit Angestellten aus fünf Ländern. Sofern GIC-Geschäftsführer Kay Zuchold, 36, in der Stadt ist, hat auch er hier seinen Schreibtisch. Zuchold kommt aus Ostdeutschland, wo er den Syrer Nasri kennen lernte, der 16 Jahre in Deutschland lebte. Gemeinsam gründeten sie vor drei Jahren die Plattform für den deutschen Mittelstand in der Golfregion. Jetzt geben sie ihren Gästen die erste Lektion in arabischer Geschäftkultur.

„Die Deutschen haben hier einen guten Ruf“, erklärt Nasri. Deutsche seien gute Tüftler, gründlich und langsam. Bei der zuletzt genannten Eigenschaft geht ein Raunen durch die Runde. „Ja“, sagt Nasri gedehnt. „Die Deutschen sind bienenfleißig, aber im schnellen Handeln können sie mit der Konkurrenz nicht mithalten. Und verdammt schnell muss man sein, wenn man hier Geschäfte machen will.“

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