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Dynastie Merck: Mit Risiken und Nebenwirkungen

Medizin machte die Eigentümer des Merck-Konzerns zu einer der reichsten deutschen Familien.In den vergangenen 50 Jahren schließlich stieg die über 300 Jahre alte Firma zum Weltkonzern auf - auch weil das Management die 200 Köpfe starke Sippe Geduld lehrte.

Historisches Arzneimittel von Merck: Grundstein für den Aufstieg zum Weltkonzern. Quelle: dpa
Historisches Arzneimittel von Merck: Grundstein für den Aufstieg zum Weltkonzern. Quelle: dpa

Karl-Ludwig Kley überlegt einen Moment länger als üblich, ehe er auf die Frage nach dem jährlichen Sommerfest der Familie antwortet. Zunächst lockert er seinen Krawattenknoten, dann schickt er den obersten Knopf seines leuchtend weißen Hemdes vorübergehend in die Arbeitslosigkeit, und es wirkt, als versetze er sich in Gedanken in die entspannte Atmosphäre, in der sich die ganze große Familie irgendwo im Südhessischen versammelt, im Grünen, in einem weitläufigen Garten, in geselliger Atmosphäre, ohne eng getaktete Agenda und zwanghafte Kleiderordnung, aber nicht ohne ernste Absichten. Schließlich geht es um viel Geld, um Milliarden.

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Die Rede ist von den Mercks, einer fast 200 Köpfe umfassenden Sippe, die zu den reichsten Familien des Landes gehört. Sie kommt jedes Jahr mindestens einmal, besonders gern unter freiem Himmel, zusammen, nicht nur, um gemeinsam zu grillen, sondern auch, um zu erfahren, was Karl-Ludwig Kley so alles treibt und vorhat mit dem Familienerbe, dem seit 1668 bestehenden und damit ältesten Pharmaunternehmen der Welt.

Kley, 59, ehedem Manager bei Bayer und der Lufthansa, ist zwar mit niemandem aus der inzwischen weitverzweigten Familie verwandt, aber eine Art Cousin auf Zeit ist er dennoch. In ihrer Größe halten nämlich vor allem das Geld und die Beteiligungen die Familie zusammen - und Kley ist der Mann, der zuständig ist fürs Geschäft.

Ausgestattet mit den Titeln des persönlich haftenden Gesellschafters und des Vorstandsvorsitzenden der Merck KGaA steht er der Familie als oberster Erbschaftsverwalter vor. "Ich spüre die Generationenverantwortung deutlich", sagt er über die Doppelrolle als Manager und Bewahrer vor dem Hintergrund der langen Unternehmensgeschichte.

Die Familie hat ein großes Interesse daran, dass Kley dieses Gefühl nicht abhandenkommt. Manager nah an die Familie zu binden und vor allem wirtschaftlich ins Risiko zu nehmen ist seit jeher Führungsstrategie des Clans. Oder wie es ein hochrangiges Familienmitglied formuliert: "Die Mitglieder der Geschäftsleitung sind auch deshalb persönlich haftende Gesellschafter, um zusammen mit der Familie ein gemeinsames Verständnis und gelebte Verantwortung zu sichern."

Die Langmanns, Baumhauers, Haverkamps und all die anderen aus dem Clan der Mercks haben Kley für die Dauer seiner Vertragslaufzeit in ihrer Mitte aufgenommen und ihn mit weitreichenden Kompetenzen und einem satten Vertrauensvorschuss ausgestattet. Seine Aufgabe ist es nun, das Vertrauen der Familie mit den richtigen Entscheidungen zu rechtfertigen, damit das Unternehmen auch die nächsten 300 Jahre wächst und gedeiht.

Heute gehört Merck als Mitglied im Dax zur Beletage der deutschen Wirtschaft. Das Unternehmen aus Darmstadt stellt Medikamente gegen Krebs, Entzündungen und Schmerzen her sowie Spezialchemie, insbesondere Flüssigkristalle, ohne die die neuen großen Plasma-Bildschirme nicht funktionieren. 40 000 Mitarbeiter in 67 Ländern sorgen für einen Umsatz von 9,2 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis dürfte bei etwa zwei Milliarden Euro liegen, der exakte Gewinn für das vergangene Jahr ist noch nicht ermittelt.

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