E-Business
Was der Mittelstand von Ebay lernen kann

Das Internet bietet auch für den Mittelstand zahlreiche neue Vertriebs- und Marketingmöglichkeiten. Doch viele Unternehmen schrecken vor dem Thema E-Business immer noch zurück - zu aufwendig, zu schwierig, sind die Argumente. Doch manchmal stehen sich die Firmen bei ihrem Online-Geschäft auch einfach selber im Weg.
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BERLIN. Schläuche, Ventile, Druckluftwerkzeuge - das ist die Welt der Essener Firma DWT. Der Mittelständler produziert und vertreibt die sehr spezielle Ware vor allem für die Schwerindustrie. Alles rund um die Drucklufttechnik kann man jetzt im Online-Shop bestellen. Mancher Mitbewerber alter Schule denkt sich, dass solch neumodische Sachen eher etwas für Jugendliche sind, die sich Spiele, Musik und Bücher im Internet bestellen. Weit gefehlt.

DWT beliefert Konzerne wie Thyssen-Krupp und die Deutsche Bahn - und die verlangen schlanke Online-Abläufe. "Um die Anforderungen unserer Schlüsselkunden erfüllen zu können, haben wir unsere Produkte und Dienstleistungen so aufbereitet, dass sie für das E-Business taugen", berichtet DWT-Geschäftsführer Torsten Lane. Neben einem Online-Shop gibt es auch einen umfangreichen elektronischen Katalog für Produkte und Dienstleistungen.

Ein positives Beispiel, das aber nicht repräsentativ für kleine und mittlere Betriebe (KMUs) ist. "Mittelständler setzen meist nicht von sich aus auf E-Business-Lösungen, sondern führen sie auf Druck ihrer Kunden ein, die damit drohen, sie als Zulieferer auszulisten", sagt Ralf Wiegand. Er ist Projektleiter der Initiative Prozeus (Prozesse und Standards), die KMUs wie der DWT hilft, elektronische Geschäftsprozesse einzuführen.

Stammdaten schwirren herum Unterstützt werden die oft skeptischen Firmen bei allen E-Business-Projekten von Online-Shops über CRM-Systeme, Logistik, Marketing, Stammdatenmanagement bis hin zur Produktverfolgung über Funketiketten. "Viele wissen nicht, wie sie den neuen Anforderungen gerecht werden sollen und sind allein von der mit Anglizismen durchsetzten IT-Sprache abgeschreckt", erzählt Wiegand.

Soll erst mal die Basis für einen E-Katalog oder Online-Shop geschaffen werden, wird der Schrecken oft noch größer, da Stammdaten unorganisiert in Ordnern, Schreibtischen und auf Rechnern vorliegen. Wiegand weiß: "Das ist eine extrem undankbare und aufwendige Aufgabe, die oft länger dauert als gedacht. Da geht manchem die Puste aus."

Bisweilen stellt sich beim Aufräumen heraus, dass Produkte seit Jahren nicht nachgefragt werden. Vor allem aber wird durch die standardisierte elektronische Abwicklung von Beschaffungs-, Vertriebs- und Logistikprozessen die Wettbewerbsfähigkeit gesichert. "Durch einen gut gemachten Online-Shop präsentieren sich kleinere Firmen als innovativ und können deutlich mehr Umsatz schaffen", sagt Wiegand und verweist auf Studien, denen zufolge 80 Prozent jener Mittelständler, die den Sprung ins Onlinegeschäft geschafft hatten, bis zu 60 Prozent mehr Neukunden an Land gezogen haben. Lieferzeiten konnten verkürzt, die Organisation verschlankt, die Kundenzufriedenheit sowie der Bekanntheitsgrad gesteigert werden. Und ein weiterer Vorteil: Automatisierte Bestellungen drücken auch die Kosten.

Kommentare zu " E-Business: Was der Mittelstand von Ebay lernen kann"

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  • betriebe können gar nichts von ebay lernen, außer das im internet die Zukunft liegt, denn ebay gilt als das arroganteste Unternehmen der internet-Welt.

    ebay macht so ziemlich alles auf eine Art, die entgegen dem Kundenwunsch steht:

    Eigentlich erwartet der internet-Nutzer, daß die Dienstleitung der Auktionsplattform kostenlos ist und nur durch Werbung finanziert wird, aber ebay nimmt Geld, verdammt viel Geld.

    Dann erwartet der internet-Kunde, daß ein Anbieter der so einen Verkauf organisiert, auch Verantwortung übernimmt, aber ebay überlässt die Problem den Aktueren und kümmert sich lieber um's Geldeinsacken.

    Dann erwartet der Kunde z.b. bei der Auflistung der Angebote eine sinnvolle Reihenfolge, doch ebay zwingt im die "beliebtesten Artikel" auf die er garantiert nicht will. Dann möchte der Kunde auf einen Klick gewerbliche Anbieter oder Anbieter mit negativer bewertung ausschliessen, aber das geht NATÜRLiCH nicht.

    Egal wo man also hinguckt, ebay macht es möglichst kundenunfreundlich.

    Da sollte es ein leichtes sein, einen kostenlosen Konkurrenten (einfach alles so wie ebay machen, nur kostenlos und mit Treuhandkonto, von dessen Zinsen kann man gut leben) zu etablieren, aber die sind auch alle dem Gewinnsuchtwahn verfallen und oftmals technisch wirklich peinlich schlecht.
    Also von ebay kann man nicht lernen.

    Aber daß Händler und Hersteller im internet present sein müssen, dürfte unzweifelhaft sein, und daß es für einen Hersteller unbedingt notwendigs ist, daß er ALLE seine Produkte im internet online präsentiert (möglichst auch nicht mehr lieferbare), ebenfalls, denn er kann sich nicht mehr auf Händler verlassen (konnte er noch nie), leider ist in Deutschland aber die Sitte eingerissen, daß der Hersteller dem Händler keine Konkurrenz macht. Hier ist ein über-bord-werfen veralteter Gepflogenheiten Pflicht, so lange der Hersteller nur zum "Listenpreis" verkauft, ist er auch kein wirklicher Konkurrent, alleine das Porto solle das verhindern, das müssen Händler begreifen und akzeptieren.

    ich kaufe bis auf Lebensmittel und Klamotten bereits alles im Web, vom Werkzeug und Auto bis zu immobilien und Aktien, weil die information besser möglich ist und man sich viel Zeit und Wege spart.

    Gerade wenn man schon so tief im Web steckt, merkt man, wie gnadenlos rückständig viele deutsche Hersteller sind. Macht nichts, das Porto aus Hongkong ist überraschend günstig, und ehrlich waren dort (im Gegensatz zu Deutschland) die Händler bisher auch immer.

    Was Alibaba den chinesischen Herstellern an Absatzmöglichkeiten ermöglicht hat, zeigt, was WLW aus ihrer Gewinnsucht heraus hier in Deutschland gnadenlos vergeigt haben - zu Lasten der deutschen Hersteller, deren Produkte inzwischen niemand mehr kennt, deren Preise niemanden mehr interessieren (denn wenn der Preis nicht direkt beim Produkt steht, ist er sowieso zu hoch, schliesslich weiß derjenige warum er sich nicht traut ihn danebenzuschreiben).

    Deutschlands Hersteller haben bereits verloren, weil sie das internet nicht rechtzeitig bedient haben. Wenn man jetzt noch einsteigt, muss man es wenigstens gleich richtig machen, also einfach und informativ, kein Flash, kein Werbungsportal, kein CRM, sondern schnelle ausführliche Produktinformation.

    Hint: Der Hersteller besorgt sich ein www.hersteller.de, baut eine Homepage auf der er sich vorstellt, und dann pro Produkt eine Seite auf der er ALLE informationen zu diesem Produkt sammelt, vom bild, EAN-Nummer über ausführliche technische Daten inkl. Verpackungsgrösse und Gewicht und Listenpreis bis zur bedienungsanleitung und Reparaturhandbuch und der Liste aller Ersatzteile mit bestellnummern und Preisen. Dann wird das auch was mit dem internet-Zeitalter.

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