Editionsgalerie Lumas
Die Masse macht's

Mit der Editionsgalerie Lumas haben Stefanie Harig und Marc Ullrich den Kunstmarkt aufgewirbelt. Gerne sprechen die beiden von der Demokratisierung der Kunst. Jetzt machen sie auch Hobbyfotografen zu Künstlern.

BERLIN. Es hat sich ausgerümpft. Keine erhobenen Nasen mehr. Kein Kollege zeigt im fünften Jahr mehr mit dem Finger auf Stefanie Harig und Marc Ullrich und auf das, was sie Lumas nennen und was sich zur weltweit größten Galerie für Fotokunst entwickelt hat. Lumas, das steht für Lumen, Licht, und für die Gebrüder Lumière, die Erfinder der Fotoplatte. Lumas, das steht für eine der cleversten Unsere-Welt-soll-schöner-werden-Geschäftsideen. Und Lumas, das war erst der Anfang.

Rückblende eins. Berlin. Ein Unternehmensberater testet PR-Agenturen für eine Firma. Der Firma hat er selbst gerade seinen Betrieb, den Internetprovider Strato, verkauft. Ihm wird eine PR-Agentin vorgestellt. Der Berater und die Agentin treffen sich, verlieben sich. Und sie verkauft ihrerseits ihre 20 Mann starke Agentur.

Rückblende zwei. New York. Flohmarkt. Alte Pressefotos: Pferde mit Gasmasken, Polarforschungsschiffe, solche Motive. Der Ex-Unternehmensberater und die Ex-PR-Agentin kaufen einen ganzen Stapel. Der Fotovirus hat sie infiziert, der Sammelvirus hat sie infiziert.

Rückblende drei. Wieder Berlin. Der Ex-Unternehmensberater und die Ex-PR-Agentin sind nun Geliebte, Kunstsammler und Geschäftspartner. Mit einer Idee: Fotokunst in großen Editionen zu kleinen Preisen verkaufen. Die arrivierte Galeristenbranche reagiert pikiert: "Warum wollen Sie mit 1 000 Kunden über 100 Euro reden statt mit einem Kunden über 100 000 Euro?" Doch Marc Ullrich und Stefanie Harig bleiben hartnäckig. Sie planen 14 Monate lang, ohne Umsätze, ohne Investoren, die Startphase verschlingt einen einstelligen Millionenbetrag Eigenkapital. Und viele Nerven. Künstler wollen mitmachen, sagen dann wieder ab, eingeschüchtert von Galeristen, irritiert vom Hautgout des Massenprodukts. Aber schließlich steht das Portfolio. Lumas beginnt.

Und es trifft einen Nerv. Die Motive - ob Models am Badestrand, Architekturlandschaften, witzige Tierporträts, abstrakte Farbspiele oder ländliche Reportagebilder aus Osteuropa - sind in aller Regel ästhetisch brillant fotografiert, stets hochwertig entwickelt und als Präsentationsbeispiel oft schick auf Aluminiumplatte mit Acrylglas kaschiert. Durch den Verkauf als Editionen von bis zu 150 limitierten Exemplaren oder als Open Edition bleiben die Preise relativ niedrig. Lumas spricht von 120 bis 800 Euro durchschnittlich. Zählt man Kaschierung dazu, und überschreitet der Abzug die Metergrenze, landet man schnell bei 1 000 bis 4 000 Euro. Dennoch günstiger als in herkömmlichen Galerien.

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