Eigenkapital
Firmen gehen mit einem Puffer in die Krise

Deutsche Unternehmen haben im Boom ihr Eigenkapital gestärkt: Die Eigenkapitalquote, die 2002 erst bei durchschnittlich 17,4 Prozent lag, ist bis 2007 auf 26 Prozent gestiegen. Die Unternehmen haben damit eine bessere Ausgangslage als beim Platzen der Internetblase im Jahr 2001. Aber auch sie leiden.

FRANKFURT. Die deutschen Mittelständler haben die vergangenen "fetten" Jahre gut genutzt: Die Eigenkapitalquote, die 2002 erst bei durchschnittlich 17,4 Prozent lag, ist bis 2007 auf 26 Prozent gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Münster im Auftrag der genossenschaftlichen WGZ Bank. "Darüber hinaus haben sich auch weitere Finanzkennziffern wie etwa die Gesamtkapitalrentabilität und der dynamische Verschuldungsgrad verbessert", sagt Hans-Bernd Wolberg, Vorstand der WGZ-Bank.

Ähnlich sieht das der französische Kreditversicherer Coface. "Die deutschen Mittelständler haben gut verdient und das genutzt, um ihre Eigenkapitaldecke zu stärken und ihren Finanzierungsbedarf zu reduzieren", sagt Norbert Langenbach, Vorstand bei Coface Deutschland.

Das bedeutet, dass die kleinen und mittelgroßen Firmen in Deutschland für die aktuelle Rezession besser gerüstet sind als sie es beim Platzen der Internetblase 2001 waren. Damit agierten die deutschen Firmenchefs umsichtiger als viele ausländische mittelgroße Firmen, berichtet Coface. Der Versicherer hat einen breiten Branchenüberblick, da er für sein Versicherungsgeschäft selbst viele Bilanzen analysieren muss.

"In Ländern wie Spanien, Großbritannien oder Italien haben die Unternehmen auch gut verdient, aber der Verschuldungsgrad dort ist dennoch gestiegen", berichtet Langenbach. Das liege zum Teil daran, dass es dort mehr Unternehmenszukäufe gegeben habe. "In diesen Ländern, in denen die Verschuldung höher ist, trifft die Krise die Unternehmen noch härter", sagt Langenbach. Der Coface-Manager hat auch schon viele Geschäftsergebnisse für das erste Halbjahr oder sogar die ersten neun Monate 2008 analysiert und berichtet, dass die Ertragslage deutscher Firmen bis zu dem Zeitpunkt noch gut war.

Allerdings federt die verbesserte Ausgangslage die Krise nur ab, zu leiden haben die Unternehmen dennoch. Banker berichten, dass die Aufträge bei einzelnen Firmen zu Jahresbeginn um bis zu 90 Prozent eingebrochen sind. "Die Frage, die sich stellt, ist natürlich trotz dieser guten Ausgangssituation, wie lange das Finanzpolster vorhält", sagt Langenbach. Wenn der Einbruch länger andauere, werde die Kapitalausstattung nicht unbegrenzt ausreichen.

Auch WGZ-Vorstand Wolberg rechnet mit einer Verschlechterung der Bilanzqualität. Der von der Universität Münster entwickelte Bilanzqualitätsindex, in den die Eigenkapitalquote, die Gesamtkapitalrentabilität, der Verschuldungsgrad und andere Kennziffern einfließen, wird sinken: "Wir erwarten, dass sich der Index in den kommenden beiden Jahren um etwa zehn Punkte auf rund 100 Punkte verschlechtern wird", sagt er. Damit würde er in etwa auf das 2004 erreichte Niveau zurückfallen.

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