Eigenkapital-Stärkung
Börsengang bietet mehr Chancen als Risiken

Basel II stellt den Mittelstand vor neue Herausforderungen auf der Suche nach geeigneten Finanzierungsmöglichkeiten. Da die Beschaffung von Fremdkapital bei Banken deutlich erschwert wurde, bietet sich eine Erhöhung des ohnehin meist zu geringen Eigenkapitals durch die Beteiligung eines Private Equity Investors oder aber durch den Gang an die Börse an.

HB FRANKFURT. Ein Potenzial, das die deutschen Wertpapierbörsen erkannt haben: Ebenso wie in London oder Paris haben sie nunmehr neben dem amtlichen und dem geregelten Markt eigene Handelssegmente für den Mittelstand geschaffen wie den M:access der Bayerischen Börse oder den Entry Standard der Deutschen Börse in Frankfurt.

Während Zulassung und Notierung am amtlichen und geregelten Markt hohen gesetzlichen Anforderungen und strengen Publizitätspflichten unterliegen, ist die Einbeziehung von Aktien in den neuen Freiverkehrssegmenten vergleichsweise einfach, da hierfür nur die Bestimmungen der jeweiligen Wertpapierbörse gelten. Trotzdem zögern viele Unternehmen, den Schritt an den Kapitalmarkt zu wagen. Dabei geht es lediglich darum, potenzielle Investoren von den für einen Börsengang wesentlichen Voraussetzungen zu überzeugen. Dies sind ein zukunftsträchtiges, innovatives Geschäftsmodell, eine gute Positionierung im Markt, die Führung durch ein professionelles Management sowie eine transparente Unternehmensstruktur und Informationspolitik.

Die weiteren Zulassungskriterien, wie die geeignete Rechtsform des Unternehmens (AG oder KGaA) und die Antragstellung über einen bei der Börse zugelassenen Handelsteilnehmer, sind vergleichsweise gering. Im Falle eines öffentlichen Angebotes muss ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) in Bonn gebilligter Wertpapierprospekt vorgelegt werden, andernfalls genügt ein Exposé. Ein Mindestkapital des Emittenten ist – außer beim M:access mit zwei Millionen Euro – ebenso wenig erforderlich wie eine Emissionsbank.

Über die Zulassung selbst entscheidet die Börse nach freiem Ermessen. Sind die Aktien einmal in den Handel einbezogen, bedarf die Ausgabe neuer Aktien keiner gesonderten Zulassung. Die Kosten für die Börsenzulassung liegen zwischen 750 und 2 500 Euro. Hinzu kommt eine Jahresgebühr von 5 000 Euro im Entry Standard. Weitere Mittel sind für die Prospekterstellung, den Jahresabschluss, eine Unternehmensbewertung und das Marketing einzuplanen.

Durch ein Going Public entstehen weitere Pflichten wie die Veröffentlichung von Unternehmensabschlüssen, wichtigen Unternehmensmeldungen, eines Kurzporträts und eines Finanzkalenders. Dagegen ist die Publizierung von Ad-hoc-Mitteilungen oder Insiderverzeichnissen nicht erforderlich. Auch die Pflicht zur Meldung von Beteiligungsschwellen und Corporate Governance Erklärungen entfällt. Die Verbote des Insiderhandels und der Marktmanipulation gelten dagegen ebenso wie am amtlichen oder geregelten Markt. Dies sind wenige Nachteile im Vergleich zu vielen Vorteilen. Neben mehr Liquidität bietet der Börsengang dem Unternehmen damit die Chance, Bekanntheitsgrad und damit Absatzchancen erheblich zu steigern.

Andreas Kloyer ist Partner und Head of Corporate & Finance, Bernhard Gimple ist Rechtsanwalt bei der Sibeth Partnerschaft, München.

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