Eigenkapitalunterlegung
Den richtigen Hebel bewegen

Jahrelang hat Basel II viele Mittelständler verunsichert. Sie befürchteten, dass mit dem Regelwerk für die Eigenkapitalunterlegung der Banken der Druck auf Firmenkunden steigen würde. Doch ein gutes Jahr nach dem Inkrafttreten haben viele Unternehmen auch die positiven Seiten entdeckt. Wie Mittelständler die neue Transparenz durch Basel II nutzen.

HAMBURG. „Die Kommunikation mit unserer Bank ist in den vergangenen Jahren sehr viel intensiver geworden. Bei jedem Treffen haben wir konkret über Zahlen und Fakten gesprochen“, sagt etwa Jens Stacklies, Inhaber der Gröninger Brauerei, der Hamburger Fischauktionshalle und Geschäftsführer eines Veranstaltungsservices. „Ich habe unsere aktuellen Daten mitgebracht, und der Berater hat strategische Marktanalysen vorbereitet. Aus diesen Informationen haben wir gemeinsam Strategien entwickelt.“ Da er immer konkrete Belege für Wachstumsstrategien dabei gehabt habe, etwa Auftragszahlen und Umsatzprognosen, habe er auch Fragen der Finanzierung offen ansprechen können.

Basel II fordert von den Chefs ausführliche Meldungen über ihre Zahlen und ihre Strategie. Mit Hilfe dieser Details klassifizieren die Banken ihre Kunden auf einer Skala, auch Ranking genannt. Daran orientiert sich die Kapitalunterlegung von Krediten durch die Geldhäuser. Das führt für Unternehmen zu einer stärkeren Spreizung der Preise für Kredite. „Grundsätzlich können Kunden mit guter Bonität niedrigere Finanzierungskosten erwarten, während weniger solvente Firmen höhere Zinsen zahlen müssen“, erklärt Christian Lischke, Unternehmensberater in Hamburg. Das bestätigt Holger Freytag, Firmenkunden-Experte der HSH Nordbank: „Unternehmen mit guter wirtschaftlicher Performance profitieren von Basel II.“

Für die Kommunikation mit der Hausbank bedeutet das: Manager, die gute Zahlen vorlegen, können entspannt und selbstbewusst zu ihrer Bank marschieren. Und das tun sie auch. Diese Erfahrung haben die Firmenkundenberater der HSH Nordbank gemacht. „Kunden fordern von uns vermehrt eine Erklärung für ihr Ratingergebnis. Damit sie sich für ihre künftige Finanzstrategie orientieren können“, sagt Freytag.

Die Systeme zur Bonitätsbeurteilung und damit zur differenzierten Gestaltung von Kreditkonditionen sind in der Praxis längst verbreitet. Deshalb verlief die offizielle Einführung der Basel-II-Richtlinie Anfang vergangenen Jahres relativ leise und unspektakulär. „Das Zeitalter, in dem ein Chef die Jahresbilanz seiner mittelständischen Firma noch auf einem kleinen Zettel notiert zur Bank trug, ist längst vorbei“, sagt Stefan Papirow, Geschäftsführer der Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg (BG), die als Bürgschaftsbank eines der wichtigsten Instrumente der Wirtschaftspolitik der Hansestadt ist. „Unternehmer sind es inzwischen gewohnt, Umsätze und Strategien offenzulegen.“ Durch die regelmäßigen Datenanalysen und Reportings bekämen auch die mittelständischen Firmenchefs laut Papirow einen besseren Überblick über ihren Betrieb.

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