Eigenkapitalversorgung
Neues Geld für die Region

Die Banken scheinen aus der Krise gelernt zu haben: Bezüglich der Eigenkapitalversorgung hat die Kreditwirtschaft jedenfalls massive Vorsorge getroffen: Neben der Deutschen Bank haben beispielsweise die Sparkassen einen immerhin 550 Mio. Euro schweren Eigenkapitaltopf aufgesetzt auf den Unternehmen zusätzlich zurückgreifen können.
  • 0

FRANKFURT. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise gab es die Befürchtung, die Banken könnten zukünftig nicht mehr so viele Darlehen an die Unternehmen vergeben. Mit dem Fortschreiten der Finanzkrise keimte dann noch eine neue Angst auf: Der Begriff von der "Eigenkapitalklemme" machte die Runde. Weil die Unternehmen hohe Verluste abfedern müssten, werde sich dies negativ auf ihre Kapitaldecke auswirken, lautete die Prognose. Beide Szenarien sind zwar vorerst ausgeblieben, für eine endgültige Entwarnung ist es aber noch zu früh.

Massive Vorsorge

Bezüglich der Eigenkapitalversorgung hat die Kreditwirtschaft jedenfalls massive Vorsorge getroffen: Neben der Deutschen Bank haben beispielsweise die Sparkassen einen immerhin 550 Mio. Euro schweren Eigenkapitaltopf aufgesetzt. "Rund die Hälfte der Mittel aus dem Eigenkapitaltopf sind nach derzeitigen Erkenntnissen abgerufen worden oder stehen nach Anfragen zur Auszahlung bereit", zieht Christiane Bauer, zuständige Expertin für das Programm beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin, eine erste Zwischenbilanz. Anfangs sei die Nachfrage recht verhalten gewesen. Inzwischen laufe es aber besser, ergänzt sie.

Höhere Renditeerwartungen

Die Sparkassen bieten das Eigenkapital dezentral an, die 550 Mio. Euro addieren sich aus den jeweiligen Angeboten der rund 78 regionalen Beteiligungsgesellschaften. Neben den öffentlich-rechtlichen Instituten gibt es auch noch zahlreiche private Private-Equity-Gesellschaften, die Kapital bereitstellen. Jedoch sind ihre Renditeerwartungen in der Regel höher. Branchenbeobachter schätzen, dass die privaten Geldgeber Renditen von 20 bis 30 Prozent auf das eingesetzte Kapital sehen wollen. Bei den Sparkassen dürfte es eher in Richtung 15 Prozent gehen.

Aus dem Eigenkapitaltopf der Sparkassen können sich Gründer und gestandene Mittelständler bedienen. "Entscheidend ist ein gutes Geschäftskonzept. Das gilt für die Finanzierung von neuen Ideen, aber auch für Wachstumsfinanzierungen bestehender Unternehmen", erläutert DSGV-Fachfrau Bauer. Das Eigenkapital stärke ein Unternehmen für schlechte Zeiten und könne Spielräume für die Fremdmittelaufnahme eröffnen. Außerdem rechnen viele Unternehmer offenbar damit, dass sich die Kredite zukünftig verteuern, so dass sich eine Verringerung der Abhängigkeit von der Fremdfinanzierung auszahlen dürfte. Laut einer Studie von Siemens Financial Services rechnen immerhin 52 Prozent der deutschen Unternehmen damit, dass die Kreditkosten steigen. Jede dritte Firma erwartet weniger Spielraum bei den Kreditlinien.

Horst Gier, Vorstandsmitglied der S-UBG AG, sieht den engen Regionalbezug der Beteiligungsgesellschaften aus der Sparkassen-Finanzgruppe als Vorteil an. In der Regel gehe es um Unternehmen mit Umsätzen zwischen zehn und 100 Mio. Euro, die jeweils ganz unterschiedliche Bedürfnisse haben könnten. Die S-UBG AG ist ein typisches Beispiel für einen dezentralen Geldgeber. In der Wirtschaftsregion Aachen, Krefeld und Mönchengladbach bietet sie mit ihren Fonds verschiedene Finanzierungen für nahezu alle Unternehmensphasen an.

Lokal spezialisiert

Ende 2009 war die S-UBG in über 40 Unternehmen ihrer Zielregion investiert. Vorstandsmitglied Gier glaubt nun, dass 2010 ein Jahr des Übergangs werden wird und die Nachfrage dann im kommenden Jahr wieder anziehen dürfte. Branchenbeobachter bestätigen, dass die Expansionsphase im Aufschwung finanziert werden muss. Gegenwärtig seien die Firmen aber bei ihren Erweiterungsinvestitionen noch abwartend. Der breite Mittelstand berichte nicht durchgängig von einem Eigenkapitalverzehr, aber das Problem sei bei dem einen oder anderen Automobilzulieferer und bei Logistikunternehmen bereits spürbar.

Kommentare zu " Eigenkapitalversorgung: Neues Geld für die Region"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%