Ein Handelsblatt-Gespräch
„Frankreich ist nach wie vor das Tor nach Europa“

Das Außenbild der französischen Verwaltung werde sich ändern, verspricht David Hubert-Delisle, Geschäftsführer der Invest in France Agency Germany, im Handelsblatt-Interview.

Herr Hubert-Delisle, die Agentur „Invest in France Agency Germany“ (IFA) ist als Außenstelle der französischen Regierung verantwortlich für die Förderung und Betreuung ausländischer Investitionen in Frankreich. Was können Unternehmer in Deutschland konkret von Ihnen erwarten?
Wir bieten Investoren honorarfrei, vertraulich und unverbindlich umfassende personalisierte Services, die alle Phasen von der Sichtung des Marktes über die konkrete und detaillierte Umsetzung eines Projekts bis zur Überwachung der Projektrealisierung abdecken. Im deutschsprachigen Raum beraten wir Unternehmen regionenbezogen von Büros in Frankfurt, Düsseldorf, München und Zürich.

Frankreich hat die Optimierung seines Wirtschaftsklimas zur Chefsache erklärt – mit dem Ziel, mehr ausländische Investoren für Frankreich zu begeistern. Gilt für dieses Programm eher das französische „on verra bien“ – schau'n wir mal?
Nein, dieses Programm sieht sehr konkrete, tiefgreifende Schritte vor. Besonders deutlich wird dies am Beispiel des Reformpakets mit insgesamt 50 Maßnahmen. Diese betreffen zum Beispiel die Förderung von Forschung und Entwicklung und Neuregelungen, die nicht nur den Aufenthalt für ausländische Führungskräfte und deren Familien vereinfachen, sondern diesen auch finanziell attraktiver gestalten. Insgesamt wurden im Rahmen des Programms 730 Mill. Euro für die kommenden drei Jahre bereitgestellt.

Bisher haftete der französischen Verwaltung eher der Ruf an, wenig flexibel zu sein.
Dieses Außenbild wird sich endgültig ändern: beispielsweise wird ausländischen Führungskräften und ihren Angehörigen jetzt innerhalb von drei Wochen nach erfolgreicher Beantragung Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung garantiert. EU- Bürger und Schweizer Staatsangehörige benötigen gar keine Aufenthaltserlaubnis mehr. Zudem gibt es einige steuerliche Vergünstigen. Die Auslandszulage, die viele Manager von ihrem Arbeitgeber für ihre Bereitschaft fern der Heimat zu arbeiten und zu leben, erhalten, ist jetzt steuerfrei –und zwar für fünf Jahre. Das bedeutet eine Steuerersparnis von rund 50 Prozent.

Welche Wege geht Frankreich, um auch seine Innovationsfähigkeit zu verbessern?
Zum einen wird die Neuregelung des Finanzgesetzes 2004 dazu beitragen, das Land für innovative Unternehmen noch interessanter zu machen. Diese kommen all denjenigen zugute, die ihre F+ E-Aktivitäten nach Frankreich verlagern. Nur um Ihnen einen Einblick zu geben: Der bisherige Höchstbetrag der Steuergutschrift für F+E-Aufwendungen wurde um 1,9 Mill. auf 8 Mill. Euro erhöht. Zudem sind Unternehmen, die noch keine acht Jahre bestehen, weniger als 250 Mitarbeiter beschäftigen und bis maximal 15 Prozent ihrer Betriebskosten auf F+E verwenden, sogar ganz von der Steuer befreit.

Gilt das auch für die Anwerbung von klugen Köpfen?
Ja. Der zweite Weg führt über die Forcierung unseres Engagements, internationale Wissenschaftler hoher Reputation für Frankreich zu gewinnen. Dafür werden unter anderem die Bedingungen für Einreise und Aufenthalt erheblich verbessert sowie finanzielle Förderhilfen bereitgestellt, beispielsweise 17 Mill. Euro für die Weiterentwicklung des Biotechnologie- und Pharmasektors. Damit bieten wir die besten Voraussetzungen.

Durch die EU-Erweiterung aber auch durch die wirtschaftliche Öffnung von China wird der Standortwettbewerb aber immer härter.
Dem letzten OECD-Ranking zufolge zog Frankreich im internationalen Vergleich, gleich hinter China, den größten Anteil ausländischer Direktinvestitionen an. Es ist nach wie vor das Tor nach Europa, aber auch für europäische Unternehmen attraktiv: mit der im europäischen Vergleich zweithöchsten Arbeitsproduktivität, einem Lohnstückkostenniveau weit über dem Durchschnitt, mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf höher als in Großbritannien, Deutschland und Spanien.

Wie bewerten Sie die Erfolgsaussichten der Gesamtkampagne?
Mit der Einberufung des „Conseil stratégique de l'attractivité“, dem rund 20 Vorstandsvorsitzende internationaler Konzerne – unter anderem auch Siemens-Chef Heinrich von Pierer – angehören, hat Premierminister Raffarin den Grundstein für das Programm gelegt. Diese Gruppe ausländischer Unternehmensführer, die alle jeweils in Frankreich aktiv sind, trifft regelmäßig mit ihm zusammen und steht ihm beratend zur Seite – das ist weltweit eine einmalige Konstellation. Es gibt keinen Kreis, der besser qualifiziert wäre, effektive Strategien und adäquate Instrumente zur Optimierung des Wirtschafts- und Investitionsklimas in Frankreich zu entwickeln. Ein erstes Ziel ist erreicht, wenn Unternehmen bei ihren Entscheidungen über Auslandsinvestments in Frankreich automatisch in die engere Wahl ziehen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden bereits Investments in Höhe von 584 Milliarden Euro in Frankreich getätigt. So sind wir überzeugt, dass das Programm bereits zu greifen beginnt.

Die Fragen stellte Birka Friedrich

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