Einbrüche erwartet
Schlechte Stimmung bei Wagniskapitalgebern

Die Finanzkrise zeigt erste Auswirkungen auf die Wagniskapitalvergabe in Deutschland. Im vergangenen Quartal hat sich das Geschäftsklima der Wagniskapitalgeber, die auf junge Unternehmen spezialisiert sind, drastisch verschlechtert. Das geht aus dem German Private Equity Barometer von KfW und dem Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften hervor.

FRANKFURT. Geldgeber junger Unternehmen sorgen sich insbesondere um künftige Marktentwicklungen und schätzen diese weitaus skeptischer ein als die aktuelle Lage. Die schlechtere Stimmung bei den Finanzierungsvolumen zeigt sich somit zeitverzögert, denn die aktuellen Zahlen geben bisher keinen Grund für Bedenken.

Innerhalb der Frühphasenfinanzierung flossen im ersten Halbjahr 2008 nach der Statistik des BVK 234 Mill. Euro in rund 300 junge und neu gegründete Unternehmen - ein Plus von 30 Prozent zum Vorjahr. Auch die Nachfrage nach Beteiligungskapital in Deutschland sei anhaltend hoch, sowohl im Gründungs- und Technologiebereich als auch im deutschen Mittelstand. Die Finanzkraft im Wagniskapitalsektor könnte sich aber ändern. Schlechte Nachrichten zeichnen sich dagegen beim Einsammeln neuer Geldmittel, dem Fundraising, ab, beobachtet der Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK).

Auch die von der KfW befragten Venture-Capital-Fonds (VC-Fonds) schätzen die Aussichten für den Erwerb neuer Fondsmittel als unbefriedigend ein. "VC-Fonds gibt es in Deutschland erst seit rund zehn Jahren - und in der New Economy haben sich viele Investoren die Finger verbrannt", berichtet Andreas Wilde, Chef des Dachfonds und VC-Investors VCM.

Institutionelle Investoren zeigen sich zunehmend verunsichert durch die Auswirkungen der Finanzkrise, was es kaum einfacher machen sollte, neue Mittel für Wagniskapital-Fonds einzusammeln. Venture-Capital-Fonds werben hingegen damit, dass ihr Segment eine relativ marktunabhängige Anlageklasse sei, die gerade in Krisenzeiten besser als andere Anlageformen abschneide.

Die KfW rechnet für die kommenden zwölf Monate bei den Finanzierungsvolumen für junge Unternehmen mit einer deutlichen Abkühlung. Grund seien vor allem die pessimistischen Konjunkturerwartungen, glaubt Katrin Ullrich, Volkswirtin bei der KfW. Das Geschäftsklima bei kleinen Unternehmen hänge entscheidend von den Konjunkturerwartungen ab. So habe sich bei etablierten Unternehmen das Klima schon im vergangenen Jahr verschlechtert, weil ihre Finanzierung eher vom Kapitalmarktumfeld beeinflusst sei.

Probleme sehen die Kapitalgeber künftig vor allem beim Wiederverkauf ihrer Firmenbeteiligungen, dem Exit. Den steigenden Pessimismus bei den Wagniskapitalgebern spüren vor allem auch die informellen Finanzinvestoren, die sich mit Beteiligungskapital von meist nicht mehr als 200 000 Euro an ganz jungen Unternehmen beteiligen, die so genannten Business Angels. So berichtet der Verband der Business Angels in Deutschland, BAND, dass die Geber von informellem Beteiligungskapital im zweiten Quartal im Schnitt nur noch 73 000 Euro pro Investition locker gemacht hätten und damit weniger als in den drei Quartalen zuvor.

Ein Grund für die zu beobachtende Investitionszurückhaltung der Business Angels ist wiederum, dass es für sie erheblich schwieriger geworden ist, ihre Firmenbeteiligungen anschließend weiterzuverkaufen. Käufer sind hier neben strategischen Investoren eben die VC-Fonds, für die weder die Börse noch die Beteiligungsbranche aktuell besonders attraktive Veräußerungschancen bieten.

Einige VC-Fonds hingegen sehen in der Krise wieder eine deutliche Chance: Wenn der Wettbewerb zwischen den Kapitalgebern auf Grund der schlechten Aussichten zukünftig weiter abnehmen wird und im Zuge dessen Unternehmen wesentlich günstiger als zum jetzigen Zeitpunkt erworben werden können, erhoffen sich die Investoren über einen längeren Zeitraum hinweg ein lukratives Geschäft.

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