Eine gute Basis
Eigenkapitalsuche mit Gewinn

Der Unternehmer, der mehr sucht als eine kurzfristige und günstige Finanzierungsmöglichkeit, sollte rechtzeitig über die Aufnahme von Eigenkapital mit Hilfe einer Beteiligungsgesellschaft nachdenken. Die meisten mittelständischen Unternehmer entscheiden nur einmal in ihrem Berufsleben über die Aufnahme einer Beteiligungsgesellschaft.

HANNOVER. Aber gerade das sollte sie anspornen. Denn die Suche und Auswahl eines Beteiligungspartners folgt den Grundsätzen erfolgreicher Unternehmensführung: Wer weiß, was er will, wen er sucht, sich gut vorbereitet und den Prozess gut managt, kann in drei bis sechs Monaten zum Abschluss kommen - und damit die Grundlage für weiteres Wachstum legen, verbunden mit größerer Unabhängigkeit von Banken.

Natürlich müssen im Rahmen der Gespräche und Verhandlungen alle Karten auf den Tisch gelegt werden. Beteiligungsgesellschaften investieren nicht aus altruistischen Motiven, sie wollen nach einigen Jahren eine Wertsteigerung realisieren, ganz gleich ob sie ihre Anteile an die Alt-Gesellschafter zurück verkaufen oder alle Gesellschafter gemeinsam veräußern. Alle Risiken, zum Beispiel des Marktes, des Unternehmens, seiner Produkte und Dienstleistungen, müssen genau dokumentiert und analysiert werden. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille, die ein gut geführtes Unternehmen ohnehin kennt und kurzfristig detailliert darstellen kann.

Viel wichtiger sind die Chancen, die sich das Unternehmen mit der entsprechenden Eigenkapitalausstattung durch eine Beteilungsgesellschaft und deren konstruktive Rolle als kompetenter Sparringspartner verspricht. Wenn der Beteiligungspartner unternehmerisch arbeitet sowie offen kommuniziert und sich in der Branche und den Unternehmen auskennt, so ist sein Engagement mit Sicherheit ein Gewinn für das Unternehmen. Hat sein Haus auch genügend Ressourcen für Folgefinanzierungen und arbeitet es ohne Verkaufs-druck weitgehend bankenunabhängig, dann wird es auf jeden Fall interessant. Denn beide Seiten sind mit ihrer jeweiligen Kompetenz und Erfahrung im eigenen Interesse dem Erfolg verpflichtet und können entsprechend profund Wachstumsstrategien entwickeln und deren Umsetzung vorantreiben. Gleichzeitig bleibt der Unternehmer, zumindest bei Minderheitsbeteiligungen, Herr im eigenen Haus.

Um beides - Risiko und Chance - solide dokumentieren, analysieren und bewerten zu können, sollte die Unternehmensleitung auf einen möglichst kleinen, aber kompetenten und seriösen Beraterkreis (Corporate-Finance-Berater, Juristen, Wirtschaftsprüfer) zurück-greifen. Gleichwohl gilt: Ein Projekt dieser Dimension ist Chefsache, schließlich geht es um die Zukunft des Unternehmens und mithin häufig um die Wertentwicklung des wichtigsten persönlichen Vermögensbestandteils. Viele Entscheidungen im Vorbereitungs- und Verhandlungsprozess kann ihm niemand abnehmen. Entsprechend klar und überzeugend sollte der Unternehmer den Beteiligungsgesellschaften gegenüber auftreten.

Arroganz oder Unsicherheit der Unternehmer lassen die Gespräche manchmal schnell enden. Und das mit gutem Grund: Mit dem Anteil am Unternehmen legt die Beteiligungsgesellschaft ihr Investment in die Hände des Managements, daran ändern auch alle Berichte nichts, die das Unternehmen regelmäßig abgeben muss. Selbst ein viel versprechender Geschäftsplan führt nicht zum Vertragsabschluss, solange sich Management und Beteiligungsgesellschaft nicht professionell, auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt begegnen. Persönliche Sympathie ist dabei keine unbedingte Voraussetzung, kann aber die Zusammenarbeit wesentlich erleichtern.

Wer ein klares wertsteigerndes Ziel für sein Unternehmen hat - verbunden mit einem klaren Plan, dessen Realisierbarkeit glaubhaft belegt werden kann -, der hat gute Chancen, zu den etwa sechs Prozent der Fälle zu gehören, in denen ein eingereichter Geschäftsplan nach allen Prüfungen auch zum Vertragsabschluss führt. Und selbst wenn ein Unternehmer die Unterschrift beim Notar in letzter Sekunde verweigert oder es gar nicht zum Notar-Termin kommt, so haben doch fast alle Unternehmer viel gewonnen: Sie haben einen sehr viel genaueren Blick auf die eigenen Stärken und Defizite als zuvor. Eine gute Basis für bessere Geschäfte.

Johannes Voss ist Investmentmanager bei der Hannover Finanz Gruppe.

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