Eine Schwalbe macht längst noch keinen Sommer
Deutsche Bank warnt vor Strohfeuer

Auch wenn die Quartalszahlen leicht verbessert ausfallen und die Stimmung der Branchenvertreter sich allmählich aufhellt, kann von einer nachhaltigen Erholung des deutschen Venture-Capital-Marktes derzeit noch nicht die Rede sein.

HB FRANKFURT/M. Nach Angaben des Bundesverbands deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) haben seine Mitglieder zwar 170 Mill. Euro im dritten Quartal 2003 in den VC-Phasen Seed, Start-up und Expansion investiert und damit rund neun Prozent mehr als im zweiten Quartal. Auf das Jahr gerechnet werden die deutschen VC-Investitionen aber erneut um über 50 Prozent gegen Vorjahr auf rund 600 Mill. Euro zurückgehen. Das gesamte Private- Equity-Geschäft bleibt weiterhin maßgeblich von Buy-Out- Transaktionen dominiert, also dem Herauskauf von Konzernetilen. Damit konzentriert sich die Erholung auf das relativ risikoärmere und renditeschwächere Late-Stage-Segment.

In den USA, dem Mutterland der Wagniskapitalfinanzierung, durchläuft die VC-Branche dagegen tatsächlich die Trendwende. Der nächste Aufschwung steht unmittelbar bevor. Zwar war der relative Einbruch des VC-Marktes dort stärker als hier zu Lande. Da aber auch die New Economy-Übertreibung (relativ wie absolut) größer war, erscheint das Ausmaß der Korrektur angemessen.

Der VC-Markt in Deutschland verdaut immer noch das Nachwirken des globalen Platzens der Spekulationsblase an den High-Tech-Börsen. Mit den Rückschlägen am Neuen Markt, die schließlich zu seinem Ende führten, sank auch die Zahl der Börsengänge dramatisch. Derzeit ist der deutsche IPO-Markt ausgetrocknet: 2003 wird in Deutschland das erste Jahr ohne Börsengang seit 1968 sein - 1999 waren es noch 169. Börsengänge sind jedoch der wichtigste Exitkanal für VC-Gesellschaften.

In den USA dagegen hat sich der IPO-Markt bereits wieder belebt. Im laufenden Jahr gingen bereits 30 Unternehmen an die Börse, allein 20 im dritten Quartal 2003. Das entspricht einer Steigerung um fast 300 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Insofern ist die Forderung des Deutschen Aktieninstituts (DAI) nach einem speziellen Börsensegment für Neuemissionen in Deutschland zu begrüßen. Gleichwohl sind Börsengänge auch momentan grundsätzlich möglich. Dass dennoch frühestens 2004 wieder mit vereinzelten IPOs zu rechnen ist, mag deshalb auch daran liegen, dass die Branche der diesjährigen Rallye nicht nachhaltig traut. Der Vertrauensverlust in die Aktienmärkte hierzulande ist ohnehin deutlich höher als in den USA. Außerdem belegen empirische Studien, dass VC-Gesellschaften ein gutes Gespür für haussierende Aktienmärkte haben. Besonders in Aufschwungzeiten werden daher möglichst viele Börsengänge platziert.

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