Eingangssegment lockt
Mit Fruchtsaft an die Börse

Tri-Top zieht es an die Börse: Aquellness, das Herstellerunternehmen des Kultgetränks, nutzt den vor zwei Jahren eingeführten Entry Standard aus, um sich über Wertpapiere zu finanzieren. Der Entry Standard vereinfacht auch für mittelständische Unternehmen den Börsengang, hat jedoch einen entscheidenen Haken.

FRANKFURT. Kindern der 70er Jahre ist die zylinderförmige Flasche noch immer ein Begriff: Tri-Top, der beinahe sirupartige Fruchtsaft, der nur im Verbund mit Wasser genießbar war, ist wieder da. Und bald sogar auch an der Börse. Denn die Hamburger Aquellness AG als Hersteller von Tri-Top hat gerade ihren Börsengang angekündigt.

Genauer gesagt in den Entry Standard. Das vor knapp zwei Jahren als Eingangssegment für mittelständische Unternehmen geschaffene Marktsegment hat sich als Magnet für Unternehmen entpuppt, die zwar die Finanzierung über die Börse anstreben, wegen der zu geringen Größe und der zu hohen Kosten aber ein Listing an den etablierten Segmenten Prime und General Standard bislang gescheut haben. Das hundertste Unternehmen hat die Deutsche Börse im Sommer im Entry Standard gemeldet. Mittlerweile sind wieder einige dazu gekommen. Denn obwohl wegen der aktuellen Börsenturbulenzen bei Neuemissionen derzeit Zurückhaltung angesagt ist, herrscht bei den Mittelständlern weiterhin reges Interesse.

Neben Aquellness haben zuletzt auch das Dortmunder Entsorgungsunternehmen Envio und der Holzveredler Delignit aus dem westfälischen Blomberg ihre Börsenpläne bekannt gegeben. Trotz völlig unterschiedlicher Branchen ist ihnen eines gemeinsam: Die Entwicklung des Unternehmens soll auf Basis eines soliden finanziellen Fundaments voran getrieben werden. "Hierzu sollen im Ausland Kapazitäten aufgebaut und die im Inland bereits bestehenden Kapazitäten erweitert werden", heißt es beispielsweise von Envio. Das Unternehmen entsorgt PCB-haltige Transformatoren. Dabei werden jedoch so gefragte Rohstoffe wie Kupfer, Aluminium und Eisen getrennt und anschließend wieder auf dem Weltmarkt verkauft.

Ein Problem hat das Listing im Entry Standard für die Unternehmen im Vergleich zu den deutlich höher reglementierten Börsensegmenten: Investoren interessieren sich nur begrenzt für diese Werte. In einer jüngst veröffentlichten Studie der PR-Agentur Cometis und den Experten von Equity Plus haben sich die jeweiligen Leiter des Investmentbankings bei namhaften deutschen und ausländischen Großbanken zum Entry Standard geäußert.

Die Reaktion war eindeutig: 53 Prozent der Befragten empfanden die Akzeptanz bei Investoren als schlecht, nur 20 Prozent auf der Gegenseite als gut oder sehr gut. Ähnlich ist das Ergebnis bei der Frage nach der Qualität der im Entry Standard gelisteten Unternehmen. 47 Prozent beantworten diese Frage zumindest mit "neutral", aber auch die gleiche Anzahl der Befragten kreuzte hier "schlecht" an.

Was das Segment dennoch für Investoren interessant macht, ist die Chance, hier Unternehmen mit gewaltigen Zukunftschancen und damit korrespondierenden Kurschancen zu finden. Deswegen hat es trotz aller Vorbehalte bei Investoren eine treue Fangemeinde, die neben dem erhöhten Risiko auch das enorme Kurspotenzial sieht. Werte wie Manz Automation oder Roth & Rau gehören beispielsweise dazu. Beide sind im Bereich der Solartechnologie tätig und beide haben ihren Aktienkurs seit ihrem Börsendebüt im vergangenen Jahr mehr als versechsfacht. Aus der Position des Start-ups an der Börse sind sie längst herausgewachsen. Auf der Gegenseite notieren jedoch weitaus mehr Unternehmen deutlich unterhalb ihres Ausgabepreises.

Trotz aller Vorbehalte gegenüber dem Entry Standard - die Deutsche Börse rät Privatanlegern etwa wegen der hohen Risiken dort generell von einem Engagement ab - antworten 71 Prozent der Befragten in der Umfrage von Cometis und Equity Plus, dass Deutschland ein Marktsegment wie den Entry Standard braucht. Gründe dafür sind die sehr guten Entwicklungschancen und langfristigen Potenziale der Unternehmen, die Kompetenz in deren Management sowie nachhaltige Geschäftsmodelle. Der zwölf Jahre alte Alternative Investment Market (AIM) in London, der als Vorbild für den Entry Standard galt, bringt es heute auf mehrere tausend Unternehmen.

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