Einheitlicher europäische Zahlungsraum
„Es wird Verlierer geben“

Bei einigen Unternehmern führt die Abkürzung immer noch nicht zu viel mehr als einem Stirnrunzeln – Sepa, der einheitliche europäische Zahlungsraum. Dieser wurde vergangene Woche vom EU-Parlament verabschiedet und hat für Unternehmen handfeste Konsequenzen. Während einige Unternehmen von der Umstellung profitieren, bedeutet sie für andere vor allem zusätzliche Kosten.

FRANKFURT. „Je mehr das Unternehmen mit seinem Geschäft, sei es Absatz oder Beschaffung, in der EU vernetzt ist, desto mehr bietet ihm Sepa die Möglichkeit, Kosten zu senken“, sagt Karl Schäfer, der als Direktor bei der SEB Bank der Sepa-Beauftragte für Firmenkunden ist. Denn ab 2012 darf eine elektronische Überweisung innerhalb der Sepa-Länder nur noch einen Tag dauern. Das heißt, dass das Geld von Kunden schneller da ist und die Bezahlung für Lieferanten im Sepa-Raum später erfolgen kann. Für europaweit tätige Unternehmen wird das Bezahlen im Internet mit der neuen europäischen Lastschrift zudem viel einfacher.

Vorteile sieht Alfred Dittrich, Produktmanager im Bereich Zahlungsverkehr bei der WGZ Bank, auch in einer größeren Preistransparenz für die Kunden und der Möglichkeit, den europäischen Zahlungsverkehr künftig bei einem Kreditinstitut bündeln zu können. Zentral können mit Sepa Überweisungen und Lastschriften von einer Bank verwaltet werden. Das Argument niedrigerer Kosten für Überweisungen in EU-Mitgliedsländer oder andere Sepa-Länder wie die Schweiz ist indes für Deutschland kaum gültig.

„In Ländern mit ohnehin niedrigen Überweisungsgebühren wie Benelux oder Deutschland sind die Ersparnisse durch Sepa sehr begrenzt“, sagt Schäfer. Unternehmen in süd- und osteuropäischen Ländern mit derzeit höheren Gebühren würden stärker profitieren. Eine EU-Standardüberweisung, die bis zum Betrag von 50 000 Euro möglich ist, koste auch heute schon nicht mehr als eine innerdeutsche Überweisung, meint Dittrich.

Ein Unternehmen, das indes im Extremfall rein deutsch aufgestellt ist, könne durch Sepa kaum Kosten senken, meint Schäfer. Es werde aber auch keine Investitionen für die Umstellung haben. „Die wirklichen Investitionen stehen für Firmen an, die ihr Banking schon jetzt elektronisch abwickeln“, sagt Schäfer. Vom bisher in Deutschland vorherrschenden DTA-Standardformat für Überweisungen müssen sie Abschied nehmen. Die Sepa-Überweisungen beruhen auf dem xml-Format, einer Untersprache der html-Internetsprache.

Mit dem Sepa-Start 2008 sind zunächst beide Systeme möglich. Wie lange, das hat die EU nicht festgelegt. Es muss sich im Markt zeigen. Nach Ablauf der mehrjährigen Übergangsfrist aber wird auch für Inlandsüberweisungen das Sepa-Format zwingend. „Es gibt auch Verlierer von Sepa, nämlich die rein im Inland tätigen Unternehmen“, sagt Schäfer. Von den Einsparungen von 50 bis 100 Mrd. Euro durch Sepa, mit denen die EU-Kommission wirbt, sehen solche Unternehmen nichts, tragen aber Kosten. Wie hoch diese sind, ist schwer zu sagen, zumal eine ohnehin fällige IT-Modernisierung zeitlich so abgestimmt werden kann, dass das Unternehmen sich gleich fit macht für die Sepa-Welt.

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