Einkaufsverbünde
Graue Eminenzen wandeln sich

An Einkaufsverbünde wie Katag oder EMV haben sich mittelständische Textil- und Möbelhändler aus ganz Deutschland und Europa angeschlossen. Die Branche sei seit Jahren einem „massiven Anpassungsdruck“ ausgesetzt, beobachtet Christian Kiel vom Zentralverband Gewerblicher Verbundgruppen.

DÜSSELDORF. Sie sind die grauen Eminenzen im deutschen Handel: die Einkaufsverbünde. An Firmen wie Katag oder EMV haben sich mittelständische Textil- und Möbelhändler aus ganz Deutschland und Europa angeschlossen. Die Grundidee: Kostensenkung durch gemeinsamen Einkauf und Kooperation bei der Vermarktung – sie sind also eine Art Dienstleister. Waren im Wert von mehr als 100 Mrd. Euro kaufen mittelständische Händler jährlich über die Einkaufsverbünde ein, die im Zentralverband Gewerblicher Verbundgruppen (ZGV) organisiert sind.

Die Krise im Facheinzelhandel hatte auch Konsequenzen für die Verbünde. Die Branche sei seit Jahren einem „massiven Anpassungsdruck“ ausgesetzt, beobachtet Christian Kiel vom Zentralverband Gewerblicher Verbundgruppen (ZGV). In der Folge kam es zur Neuausrichtung und Konzentration. Wie die Bielefelder Katag im Modemarkt dominiert im Sporthandel heute Intersport, in der Unterhaltungselektronik Electronic Partner, im Heimwerkersektor das Einkaufsbüro Deutscher Eisenhändler und im Schuhmarkt Ariston-Nord-West-Ring (Anwr).

Der Druck auf die Verbünde kommt aus den Veränderungen im deutschen Einzelhandel und der daraus wachsenden Konkurrenz: Konzerne wie Hennes & Mauritz in der Mode, Deichmann im Schuhhandel oder Ikea im Möbelmarkt beherrschen die komplette Wertschöpfungskette vom Entwurf über die Produktion bis zur Ladentheke und beendeten damit die klassische Trennung von Hersteller und Händler.

Um mithalten zu können, kopieren die Verbünde mit eigenen Läden und Eigenmarken das Erfolgsrezept der integrierten Konkurrenz. Ariston-Nord-West-Ring schuf mit dem Süßwarenkonzern Haribo eine Kinderschuhmarke. „Nur gemeinsam kann der Schuhfachhandel sich gegenüber preisaggressiven Formaten wie Deichmann und Reno behaupten“, sagt Michael Decker, Anwr-Geschäftsführer. Die Kinderschuhe vom Goldbären gibt es in 600 Fachgeschäften. Andere Verbünde investieren in Eigenmarken wie Katag oder in Werbefeldzüge wie Electronic Partner, um Akzente zu setzen.

Bestes Beispiel für neue Größe und den erfolgreichen Wandel ist der Europa Möbel Verbund (EMV) aus Fahrenzhausen bei München. Er ist Nachfolger zweier führender Einkaufsverbünde im Möbelmarkt, die 2003 fusionierten. Der Verbund und damit die ihm angeschlossenen 570 Möbelhändler haben Ikea und Co. zum Trotz nach wie vor eine starke Stellung in ihrer Branche. Mehr als jeder zweite Möbelhändler ist in Deutschland noch organisiert.

Entsprechend sieht EMV-Geschäftsführer Helmut Ahlsdorf bei allen Verbünden einen „Zwang zur Größe“. Nur große Verbünde könnten die Herausforderungen des Marktes und die Wünsche der Händler nach mehr Service und neuen Marketingkonzepten erfüllen.

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