Einstieg von Private-Equity-Gesellschaften bietet Chancen
Firmen holen sich Investoren ins Boot

Private Equity – für viele Mittelständler ist dieser Begriff der angelsächsischen Finanzwelt kein Fremdwort mehr. Angesichts der strikten Kreditpolitik der Banken, strengerer Kreditauflagen (Basel II) und des wachsenden Drucks durch die Globalisierung sieht mancher Eigentümer eines Unternehmens in dem außerbörslichen Beteiligungskapital eine gute Finanzierungsform. Doch die Besonderheiten bei einem Einstieg eines Finanzinvestors werden häufig unterschätzt.

DÜSSELDORF. Äußerst skeptisch ist Brun-Hagen Hennerkes, Rechtsanwalt und Experte für Familienunternehmen. Plane die Familie den Abschied aus dem Unternehmen, sei Private-Equity sicherlich eine Option, sagte Hennerkes jüngst in einem Interview mit der „WirtschaftsWoche“. „Im laufenden Familienunternehmen halte ich Private-Equity-Beteiligungen allerdings für kontraproduktiv. Solche Finanzinvestoren stehen unter dem Diktat der finanziellen Optimierung“, so Hennerkes. Das sieht Rainer Traugott, Anwalt von Linklaters, Oppenhoff & Rädler, anders. „Private-Equity kann für einen Mittelständler ein richtiger Schritt sein, der freilich genau durchdacht werden muss“, sagt er.

Grundsätzlich treffen mit den Private-Equity-Firmen und dem typischen Mittelständler zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite stehen Experten mit häufig großen Erfahrungen an den internationalen Finanzmärkten. Auf der anderen Seite stehen Unternehmer, denen die angelsächsische Terminologie der Finanzwelt nur wenig sagt. „Die Vorbehalte gegenüber Private-Equity sind im Mittelstand nach wie vor vorhanden. Man hat dort häufig Angst vor einem solchen Schritt“, berichtet Christoph Winkler, Anwalt der Kanzlei Menold Bezler.

Missverständnisse sind programmiert. „Manche Mittelständler stellen das außerbörsliche Beteiligungskapital eins zu eins dem klassischen Firmenkredit oder Betriebsmittelkredit gegenüber. Das ist natürlich falsch“, so Traugott. Finanzinvestoren gehen mit ihren Beteiligungen ein Risiko ein, bis hin zu einem Totalausfall. Dafür verlangen sie Renditen auf das eingesetzte Kapital von 20 Prozent und mehr. Fremdkapital etwa von Banken schlägt dagegen mit zehn bis 14 Prozent zu Buche. „Finanzinvestoren bekommen für ihr Kapital weder eine regelmäßige Verzinsung noch Sicherheiten. Deshalb ist es auch nicht mit Fremdkapital von Banken vergleichbar“, sagt Winkler von Menold Bezler.

Gleichwohl kann Private-Equity der richtige Schritt sein. „Wer mit seiner Firma expandieren will, für den kann nicht nur das Geld der Fi-nanzinvestoren hilfreich sein. Auch deren internationale Erfahrung könnte sich als nützlich erweisen“, argumentiert Winkler.

Wer dagegen weiterhin unumschränkter und alleiniger Herr im Hause bleiben will, dürfte mit den Finanzinvestoren Probleme bekommen. „Finanzinvestoren wollen abhängig vom Einzelfall mehr oder weniger Einfluss nehmen“, sagt Traugott. Hinzu kommt, dass nur wenige Private-Equity-Häuser Minderheits-Beteiligungen akzeptieren. „Gerade deshalb ist es enorm wichtig, sich die Konzepte und Geschäftsmodelle der einzelnen Finanzinvestoren genau anzusehen“, sagt Traugott.

Fällt die Entscheidung für einen Finanzinvestor, ist das Kleingedruckte entscheidend. Das beginnt mit der Einbindung des neuen Geld-gebers in die strategischen Entscheidungen. Üblicherweise wollen Private-Equity-Manager bei allen wichtigen Entscheidungen mitreden und dazu auch Vertreter in die entsprechenden Führungsgremien entsen-den. „Auch wenn der Finanzinvestor eine Minderheitsbeteiligung haben sollte, bei weitreichenden Entscheidungen muss der neue Anteilseigner eingebunden werden“, sagt Winkler von Menold Bezler.

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