Elektroautos
Frankreich gibt Gas

Frankreich will in der Entwicklung von Elektroautos international eine führende Rolle spielen. Nach dem Willen der Regierung sollen sowohl Elektroautos als auch Lithiumbatterien in Frankreich gebaut werden. Mit einem Öko-Bonus soll der Absatz stimuliert werden.
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gtai PARIS. Vor Renault und PSA wird der Groupe Bolloré 2010 sein Modell Bluecar im Markt einführen. Renault errichtet in Flins ein größeres Batteriewerk, in Grenoble entsteht ein F&E-Zentrum von Renault, CEA und AESC. Im Dezember schreibt Paris das Leihsystem Autolib' mit Elektroautos aus.

Die französische Regierung lancierte im Oktober 2009 einen nationalen Plan für Hybrid- und Elektroautos. Er beinhaltet die Setzung von Rahmenbedingungen für die Infrastruktur für Elektroautos (Standardisierung, Ladestationen) wie auch die Adaption der Stromnetze und das Recycling von Batterien. Zudem gibt es kräftige Finanzspritzen: Neben einem Öko-Bonus für die Käufer wird die Forschung & Entwicklung in Infrastruktur, Batterien und Mobilitätskonzepte mit 220 Mio. Euro subventioniert, die Pilotanlagen von Ladestationen mit 70 Mio. Euro, ein neues Batteriewerk in Flins mit 125 Mio. Euro.

Zudem soll ein Öko-Bonus über 5 000 Euro in den kommenden fünf Jahren den Absatz von rund 100 000 Autos stimulieren, wobei die Versorgungsunternehmen die eine Hälfte erwerben sollen und private Kunden die andere. Der Bonus soll dazu beitragen, die Zusatzkosten für die Elektrobatterie von schätzungsweise 12 000 Euro zu kompensieren, und mindestens bis 2012 erhalten bleiben. Dies sollte aus der Sicht der Regierung auch die Investition in Ladestationen in Supermärkten, Unternehmen und neuen Wohngebäuden stimulieren. 2015 soll rund eine Million Ladestationen zur Verfügung stehen, davon 90 Prozent im privaten Heim und am Arbeitsplatz. Bis 2020 sollen 4,4 Mio. Stationen existieren - die Gesamtkosten für die Stationen werden auf 4 Mrd. Euro geschätzt.

Aus der Sicht der Regierung sollen im Jahr 2020 auf Frankreichs Straßen 2 Mio. Elektro- und Hybridautos fahren und bis 2025 soll sich der Park auf 4 Mio. Fahrzeuge verdoppelt haben. Der Staat sieht sich dabei selbst als Großabnehmer über seine Versorger Electricité de France, SNCF, La Poste, Veolia und andere Unternehmen wie auch die Départements.

Das Thema Elektromobilitiät fand überdies auch Eingang in den Langzeitplan zur Modernisierung des Landes, welchen die Regierung mittels einer großen Staatsanleihe (grand emprunt) von 35 Mrd. Euro finanzieren will. Eine neue Kommission unter den Politikern Juppé und Rocard soll das zukünftige Entwicklungsmodell konzipieren. Als die großen Herausforderungen der Zukunft identifizierte die Kommission sieben Schwerpunkte: Förderung von Hochschulbildung und Forschungseinrichtungen, digitale Wirtschaft (cloud computing, smart grid), Bioökonomie (Biomedizin, Biomasse), erneuerbare Energien, Stadt von morgen, Unterstützung innovativer KMU und "Zukünftige Mobilität". Der letzte Punkt stellt ab auf Elektroautos sowie leichtere und sauberere Flugzeuge und Hubschrauber.

Paris und Berlin haben bereits im März 2009 eine bilaterale Arbeitsgruppe aus Vertretern der Industrieunternehmen und der Regierungen eingesetzt. Die Ergebnisse werden auf der nächsten Sitzung des Deutsch-Französischen Ministerrats im Januar vorgestellt. Aus deutscher Sicht hat die Arbeitsgruppe hinsichtlich der Normierung (Steckdosen, Ladestationen, Abrechnungssysteme etc.), was zu einem gemeinsamen Pilotprojekt führen könnte.

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