Elke de Silvas
Tanz auf dem Teehügel

Elke de Silva studierte BWL und arbeitete als Architektin und Tänzerin. Als der Vater starb, reiste sie 2005 nach Indien, Thailand und Sri Lanka, um ihr Leben neu zu ordnen. Heute hat sie eine Teeplantage in Sri Lanka und 16 Angestellte.

Elke de Silvas neues Leben klingt nach Urlaub: ein eigenes Haus, in der die Familie lebt, mitten in der Natur im Süden Sri Lankas, ein Ferienparadies, 15 Autominuten bis zu den Traumstränden der Bucht von Unawatuna, durchschnittlich 30 Grad bis 35 Grad Celsius, Sternenhimmel, exotische Gewürze und Früchte, geringe Lebenshaltungskosten. Wenn da nicht doch die Arbeit wäre: Teeanbau.

„Ich organisiere die Pflückerinnen unserer Plantage, mache die Buchhaltung, dünge die Felder, bewässere sie in der Trockenzeit und setze neue Pflanzen“, sagt Elke de Silva, 41. Tee ist in Sri Lanka nicht nur Nationalgetränk, sondern auch der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Insel. Vor drei Jahren kam die Düsseldorferin nach Sri Lanka und kaufte sich im Flachland, 20 Kilometer von Galle entfernt, für rund 20 000 Euro einen „Teehügel“, wie sie sagt – nicht größer als zwei Fußballfelder.

Heute ist ihre Plantage drei Mal so groß, die Zahl der Angestellten hat sich auf 16 verdoppelt und die Menge der gepflückten Teeblätter, die sie monatlich an die örtlichen Teefabriken verkauft, fast verdreifacht: 6000 Kilo. Die Teefabrik stellt aus dem Rohprodukt schwarzen und grünen Tee in verschiedenen Qualitäten wie „Broken Orange Pekoe“ her.

Dass sie mal Tee anbauen würde, kam ihr aber lange Zeit nicht in den Sinn. Ihr BWL-Studium an der Universität Münster brach sie nach dem Vordiplom ab, um Architektin zu werden. Und sie begann, als Dozentin am Tanzhaus NRW in Düsseldorf zu arbeiten. Nach dem Architekturstudium bekam sie einen Job im Düsseldorfer Architekturbüro Klobusch. „Elke war immer schon willensstark und hatte einen großen Drang, sich irgendwann einmal selbstständig zu machen“, sagt ihr ehemaliger Klobusch-Kollege Matthias Schröder.

Mit ihrem Entschluss, den Architekturjob aufzugeben und nur noch als Tänzerin und Choreographin zu arbeiten, begann ihre Freiberuflichkeit. Der große Einschnitt kam, als ihr Vater, den sie zum Schluss acht Monate pflegte, starb. Um Abstand zu gewinnen reiste sie 2005 nach Indien, Thailand und Sri Lanka, wo sie der Liebe wegen blieb. In Sri Lanka lernte sie Herrn de Silva kennen, ihren heutigen Ehemann.

„Anfangs dachte ich, ich müsste jetzt erst mal ein Buch lesen, um zu verstehen, wie man Tee anbaut.“ Doch die Einheimischen rieten ihr, abzuwarten und Tee zu trinken. „Das wird schon klappen, sagten sie mir. Tee anbauen machen doch alle hier.“ Dass ihr Geschäft bisher erfolgreich läuft, ist kein Wunder. „Der Tee aus Sri Lanka gehört zu den besten der Welt“, meint Olaf C. Ellerbeck, Gesellschafter der Hamburger Tee-Dynastie Hälssen & Lyon. Ellerbrock ist seit 1974 Honorargeneralkonsul der Republik Sri Lanka. Er sagt: „Der Tee aus der Bergregion ist eigentlich besser. Im Flachland ist er nicht ganz so aromatisch, aber immer noch kräftig im Geschmack. Der große Vorteil ist jedoch, dass man dort viel mehr Tee pflücken kann als in den Bergen. Es lässt sich also einfach mehr Tee verkaufen.“

Zwei Euro pro Tag verdienen de Silvas Pflückerinnen. Viel ist das nicht. „Wir liegen damit sogar über Tarif.“ Gerne würde de Silva mehr bezahlen. „Doch dann bekommen wir Ärger mit unseren Konkurrenten.“ De Silva umgeht das Problem, indem sie ihren Mitarbeiterinnen ab und an Minikredite gewährt. Etwa 25 Kilo täglich pflücken die Frauen. De Silva spricht zwar nicht die Amtssprachen Singalesisch oder Thamilisch, aber Englisch reicht. Bei den Einheimischen ist sie mittlerweile gut integriert. „Zu Beginn dachten aber viele, ich sei eine von diesen Ayurveda-Touristinnen, die Entspannung und Sex suchen“, sagt sie.

Das Kilo Teeblätter bringt ihr umgerechnet etwa 30 Cent. „Für unser Leben in Sri Lanka haben wir genug“, sagt sie. Dennoch setzt sie auf weitere Ertragsquellen: Seit Sommer baut sie auch Zimt an. Als Kapitalanlage besitzt sie eine Eigentumswohnung in Düsseldorf, die vermietet ist. Eine Rückkehr nach Deutschland schließt sie nicht aus. Vielleicht versucht sie es dann wieder mit Tanz – oder mit Yoga: „Ich lasse mich zur Yogalehrerin ausbilden.“

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