Emissionsbanken
Mehr Alternativen beim Börsengang

Bis vor zwei Jahren gab es ein festes Korsett für kleinere Unternehmen, die an die Börse wollten. Beinahe unbemerkt von der Öffentlichkeit haben sich für Mittelständler die Möglichkeiten, über die Börse Geld zu besorgen, jedoch massiv verändert. Emissionsbanken bieten neue Konzepte für den Gang auf das Parkett.
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FRANKFURT. Die vergangenen Wochen erinnert an einen Gezeitenwechsel: Beinahe unbemerkt von der Öffentlichkeit haben sich für Mittelständler die Möglichkeiten, über die Börse Geld zu besorgen, massiv verändert. Bis vor zwei Jahren gab es ein festes Korsett: Frühestens nach einem halben Jahr intensiver Vorbereitung wagte sich ein Unternehmen mit Hilfe einer oder mehrerer Investmentbanken auf das Parkett. Heute hingegen sind die Möglichkeiten, an frisches Geld zu kommen, vielfältiger geworden. Gründe dafür sind die Veränderungen in der Bankenwelt seit der Finanzkrise. Beispiel AEG Power Solutions: Einst aus dem im Jahr 1887 gegründeten AEG-Konzern hervorgegangen, gehört der Spezialist für Energie-Management heute der luxemburgischen 3W Power Holding. Hinter der steckt ein so genannter „Spac“ – ein Akronym, das für Special Purpose Acquisition Company steht.

Vereinfacht ausgedrückt sammelt der Spac wie ein Fonds Geld bei Anlegern ein und geht damit an die Börse. Der Spac selbst hat kein operatives Geschäft, sondern sucht am Markt nach geeigneten Unternehmen, die er mit den Einnahmen aus dem Börsengang kaufen kann. Die bilden anschließend das operative Geschäft des Anlagevehikels.

Diese Finanzierungsform gibt es in den USA zwar schon seit langem. Allein in den vergangenen zehn Jahren haben damit rund 180 Unternehmen den Weg an die Börse und zu frischem Kapital gefunden.

Ein in den USA erprobtes Anlagevehikel kommt nach Europa

In Deutschland gibt es Spacs erst seit zwei Jahren. Der erste davon, Germany 1, hat damit AEG Power Solutions gekauft. Bekannt wurde der Fonds, der sich danach in 3W Power Holdings umbenannt hat, weil so illustre Investoren wie der Unternehmensberater Roland Berger, der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und der frühere Investmentbanker Frank Lahnstein dahinter stehen.

Demnächst wird 3W Power Holdings außer an der Euronext in Amsterdam auch im Frankfurter Prime Standard gelistet. Den klangvollen Namen AEG darf das Unternehmen aber dort nicht verwenden. Er gehört dem schwedischen Konzern Electrolux, der unter dieser Marke Waschmaschinen und Kühlschränke verkauft. Den Namen AEG darf AEG Power Solutions nur als Firmenbezeichnung nutzen. Damit brauchen Investoren wohl etwas länger, bis sie das Unternehmen auf dem Kurszetteln finden werden.

Neue Wege geht 3W auch beim Börsengang selbst. Früher war mit der Erstnotiz meist eine Kapitalerhöhung verbunden, mit der sich das Unternehmen frisches Geld im Zuge des IPO besorgt hat. 3W verzichtet auf diese Maßnahme und begibt stattdessen eine Anleihe über 125 Millionen Euro. „Wir haben keine Bankdarlehen. Deswegen war dies für uns die interessantere Alternative“, sagt 3W-Chef Horst Kayser. Mit der Ratingnote „B-“ bei stabilem Ausblick hat die Ratingagentur Standard & Poor’s das Unternehmen bewertet. Die Experten von Clos Brothers Seydler begleiten die Emission.

Einen ganz anderen Weg an die Börse ging in den vergangenen Tagen das Münchener Immobilienunternehmen JK Wohnbau. Weitgehend unbemerkt vom Börsenpublikum hatten Management und Banken die Aktienemission im Volumen von 88 Millionen Euro im Vorfeld mit Investoren festgezurrt. Auf diesem Wege wird die Bookbuildingphase, in der Emittent und Investoren häufig um den Preis feilschen, ein Selbstläufer.

In früheren Zeiten waren während der Zeichnungsfrist meist Dutzende von Investorentreffen nötig. Manchmal wurde der Kampf um den angemessenen Ausgabepreis sogar in der Öffentlichkeit ausgetragen. In diesem Fall haben die Experten des Emissionsspezialisten Equinet die entsprechenden Fäden lautlos gesponnen.

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  • Wenn ich Namen wie Roland berger oder Thomas Middelhoff lese, denke ich an die großen Pleiten Walter-bau und Arcandor an denen sie beteiligt waren.

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