
Herr Villis, was sagen Sie zum neuen Energiekonzept der Bundesregierung?
Damit hat sie einen Handlungsrahmen und den Energiemix für eine sichere Energieversorgung definiert. Jetzt wird es darum gehen, dieses Konzept umzusetzen. Hierzu zählt die dauerhafte Steigerung der Energieeffizienz, aber auch der Ausbau der Stromnetze. In Zukunft wird es also darauf ankommen, das optimale Verhältnis von Nutzen und Energieeinsatz zu finden und dadurch jeden unnötigen Verbrauch zu reduzieren. Dies hilft Ressourcen und damit Kosten zu sparen. Allein beim Strom können Industrie und Gewerbe durch effizientere Nutzung 20 Prozent oder mehr Energie einsparen. Dies sind Erfahrungswerte, die wir als EnBW bei der Umsetzung zahlreicher Energieeffizienzprojekte mit unseren Kunden gewonnen haben.
Wer Energie sparen will, der muss zuerst investieren?
Eine effiziente Energieversorgung ist nicht selten ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Um diesen Vorteil zu nutzen, muss man jedoch nicht zwangsläufig selbst in moderne Energietechnik investieren. Mehr und mehr Unternehmen überlassen dies externen Dienstleistern. Auch wir bieten Industriekunden zum Beispiel im Rahmen von Contracting- Modellen technisches Know-how und eine speziell zugeschnittene Energieversorgung, die die Unternehmen mit dem versorgt, was sie brauchen: Strom, Wärme, Kälte, Druckluft oder auch Prozessdampf. Das, was Industrieunternehmen nicht zwingend benötigen, nämlich die Finanzierung und den Bau bis zum Betrieb der kompletten Energieanlagen und Medieninfrastruktur, übernimmt der Contracting-Partner. Industrieunternehmen können sich somit auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und auch Liquiditäts- beziehungsweise Bilanzierungsvorteile des Contractings nutzen.
Ihre Firmenkunden profitieren vom "Handelsmechanismus des Kyoto-Protokolls". Was heißt das?
Ihre Frage bezieht sich auf ein spezielles Angebot: Wenn ein Unternehmen seine Ölheizung auf eine moderne Gasheizung umstellt, spart es bis zu 40 Prozent des klimaschädlichen Kohlendioxids ein. Davon soll künftig nicht nur die Umwelt profitieren, sondern auch der Betreiber der Heizung selbst - denn wir vergüten unseren Firmenkunden die eingesparten Emissionen über einen im Kyoto-Protokoll angelegten Handelsmechanismus. Wie das funktioniert? Zuerst berechnen wir die CO2-Differenz zwischen der alten und der neuen Heizungsanlage und dokumentieren diese in Form von Zertifikaten. Diese Zertifikate werden anschließend im Rahmen des EU-weiten Emissionshandels verkauft. EnBW übernimmt für ihre Kunden die gesamte Abwicklung und schreibt ihnen den Erlös in Form einer jährlichen Prämie gut. Ein mittelgroßes Unternehmen mit einem Energiebedarf von drei Gigawattstunden etwa spart bei der Umstellung rund 320 Tonnen CO2 ein. Das ergibt - über die ohnehin eingesparten Brennstoffkosten hinaus - eine Prämie nach aktueller Marktstellung von fast 10.000 Euro. Eine Voraussetzung für dieses Programm ist jedoch, dass die Heizung freiwillig modernisiert wird - also noch nicht aufgrund gesetzlicher Vorschriften ausgemustert werden muss.