Energie
Mexiko lockert Fesseln für Ölmonopolisten

Mexikos Öl-Staatskonzern Pemex ist hochdefizitär. Geld für die Erschließung neuer Lagerstätten fehlt, die jetzigen Ölquellen drohen zu versiegen. Präsident Calderón will den Energiesektor nun reformieren.

MEXIKO-STADT. Der konservative mexikanische Präsident Felipe Calderón treibt die Reform des Energiesektors voran, um den drastischen Rückgang der Erdölförderung zu stoppen. Einen entsprechenden, lange angekündigten Gesetzentwurf hat die Regierung jetzt ins Parlament eingebracht. In einer Rede an die Nation stimmte Calderón die Bevölkerung auf das sensible Thema ein, indem er versicherte, dass der Staatskonzern Petróleos Mexicanos (Pemex) nicht privatisiert werde: „Wir wollen Pemex vielmehr stärken, damit das Erdöl auch künftigen Generationen Wohlstand bringt.“

Hauptziel der Reform ist, den hoch defizitären Staatskonzern, der von der Förderung bis zum Export alles macht, mit mehr Geld auszustatten – vor allem, um neue Lagerstätten erschließen zu können. Ansonsten droht der sechstgrößte Erdölexporteur der Welt mittelfristig zu einem Importeur zu werden. Das mögliche Versiegen der Ölquellen wäre für das Schwellenland desaströs; Mexiko hat im vergangenen Jahr 42 Mrd. Dollar aus dem Erdölexport eingenommen.

Die Eckpfeiler des Regierungsentwurfs sehen vor, Pemex mehr finanzielle Autonomie zuzugestehen und von Abgaben zu befreien. Darüber hinaus sollen Raffinerien von privaten Firmen gebaut werden dürfen. Schließlich will man Bürgerbonds ausgeben, die Pemex zusätzliches Geld bringen sollen. „Die geplanten Änderungen sind nicht der große Wurf“, urteilt der unabhängige britische Erdölanalyst David Shields. „Aber sie könnten politisch durchsetzbar sein.“

Mit der Reform versucht die Regierung die Quadratur des Kreises. Denn die Öffnung von Pemex für private Investoren und auch die nur teilweise Beteiligung transnationaler Energieunternehmen ist seit der Verstaatlichung vor 70 Jahren praktisch tabu. Das verbietet die Verfassung, und auch im Bewusstsein der Bevölkerung ist Pemex eine heilige Kuh.

Calderón warnte jüngst bei einem Treffen mit ausländischen Ölministern, die nachgewiesenen Gas- und Ölreserven Mexikos würden bis 2012 um weitere acht Prozent auf 13,5 Mrd. Fass Öläquivalent sinken. Werden keine neuen Ölfelder erschlossen, droht der Quell des Schwarzen Goldes in knapp zehn Jahren zu versiegen. Bereits in den vergangenen Jahren verringerte sich die tägliche Produktion deutlich. Das Cantarell-Feld im Golf von Mexiko, das zweitgrößte Ölvorkommen der Welt, hat sein Fördermaximum schon lange überschritten. Mexiko fördert hier 60 Prozent seiner täglichen Rohölproduktion.

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