Energieausweis
Verschärfte Nachweispflichten

Wer Gebäude vermietet, verpachtet oder verkauft muss einen Energieausweis vorlegen. Doch bei der Erstellung können viele Fehler passieren, die Eigentümer und Handwerker teuer zu stehen kommen können. Im schlimmsten Fall drohen Strafen von bis zu 50 000 Euro.

BERLIN. An der Energieeinsparverordnung (EnEV) führt für Hausbesitzer kein Weg mehr vorbei. Wer Gebäude vermietet, verpachtet oder verkauft muss einen korrekten Energieausweis vorlegen, sonst drohen deftige Geldbußen. "Seit dem 1. Oktober sind mit der neuen EnEV die Anforderungen nochmals um 30 Prozent erhöht und der Vollzug verschärft worden", sagt Gerold Happ, Referent für Umwelt und Energierecht beim Eigentümerverein Haus & Grund. So müssen etwa Handwerker nachweisen, dass sie bei Neu- und Umbauten nach den geltenden Vorschriften gearbeitet haben - und dies auch bescheinigen. Gibt ein Fachbetrieb die Erklärung nicht oder falsch ab, wird dies nun als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldstrafe von bis zu 15 000 Euro geahndet.

Auch für Eigentümer wird die EnEV 2009 kostspielig: Laut Haus & Grund werden Neubauten um vier Prozent und Bestandsbauten um zehn Prozent teuer - im Vergleich zur alten EnEV. Die Summe aller Einzelmaßnahmen spiegelt sich in dem Energieausweis, der an das von Elektrogeräten bekannte Energieeffizienz-Label erinnert: auf einer von Grün bis Rot reichenden Skala ist der Gesamtenergieverbrauch eines Hauses markiert. Liegt der Wert im roten Bereich, sind die Kosten für Heizung und Warmwasserbereitung hoch, was manchen Mieter und Käufer abschrecken dürfte.

Und: Eigentümer können zu einem Ordnungsgeld von bis zu 50 000 Euro verdonnert werden, wenn sie die Anforderungen der EnEV nicht einhalten, berichtet Thomas Kwapich, Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energie GmbH-Agentur in Berlin (dena). Sein Rat: Vor einer geplanten Sanierung sollte stets einen Energieberater beauftragt werden, der verschiedene Sanierungsvorschläge macht, aus denen man wählen kann.

Doch der Energieausweis hat seine Tücken. Es gibt zwei Varianten: Für den so genannten "Bedarfsausweis" nehmen Gutachter das gesamte Gebäude unter die Lupe. Für den "Verbrauchsausweis" werten sie nur die Heizkostenrechnungen der letzten drei Jahre aus. Kritiker monieren daher, dass über die Einstufung eines Hauses auch entscheidet, wie hemmungslos die Bewohner die Heizung aufdrehen.

Um Ärger zu vermeiden, rät Kwapich daher generell zum Bedarfsausweis: "Besonders empfehlenswert ist er immer dann, wenn eine Sanierung geplant ist oder eine genaue Analyse der Energieeffizienz eines Gebäudes sinnvoll erscheint." Das ist etwa der Fall, wenn sehr hohe Energiekosten auftreten. Die dena hat unlängst ein Gütesiegel für "hochwertige Energieausweise" geschaffen, damit Hausbesitzer und Facility Manager auf Nummer sicher gehen können - nur Bedarfsausweise bekommen es.

Doch dieses Mehr an Sicherheit ist ebenfalls teuer. Der Bedarfsausweis kostet mindestens sechsmal soviel wie der Verbrauchsausweis, sagt Engelbert Christ, Leiter des Arbeitskreises Energiemanagement des Deutschen Verbands für Facility Management (Gefma). Für Gerold Happ von Haus & Grund genügt die günstigere Variante völlig: "Nach unserer Meinung ist ein verbrauchsorientierter Energieausweis sehr praxistauglich." Beim Bedarfsausweis gebe es diverse Berechnungsmethoden und Bewertungen von Gutachtern, die jeweils andere Kriterien anlegten. Deshalb sei er nicht unbedingt die bessere Wahl.

Auch die Bundesarchitektenkammer ist nicht gerade glücklich mit den Neuerungen. "Die festgelegten Berechnungsmethoden sind nicht handhabbar", kritisiert Barbara Schlesinger, Referentin für Architektur und Bautechnik. Ihrer Meinung nach sind die Verfahren nicht einheitlich, zudem schwer zu verstehen. "Ein Objekt kann letztlich völlig unterschiedlich bewertet werden." Die Verordnung sei unübersichtlich, fehleranfällig und führe zu erheblichem bürokratischem Aufwand bei Eigentümern, Investoren und Planern, vor allem bei Nichtwohngebäuden.

Schlesinger bezweifelt überdies, ob Aufwand und Ertrag im Verhältnis stehen. Als sei das nicht schon genug, ärgert sie sich über die Novellierungswut des Gesetzgebers - drei Änderungen in vier Jahren hat die EnEV schon hinter sich. Die nächste ist für 2012 angesagt.

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