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Energieffizienz: Mittelständler investieren selten in stromsparende Technik

Deutschland Mittelständler könnten Strom sparen, doch viele Potenziale bleiben ungenutzt. Manchmal fehlt die Beratung, manchmal die Sensibilität unter den Mitarbeitern. Auch viele Manager scheuen Investitionen in die Energieeffizienz. Dabei rentieren sich die Ausgaben oft schon nach wenigen Jahren.

Viele Unternehmer zögern bei der Investition in stromsparende Technik. Quelle: dpa
Viele Unternehmer zögern bei der Investition in stromsparende Technik. Quelle: dpa

KÖLN. Normalerweise ist es im Keller kühl. Bei Host Europe in Köln hingegen gerät man ins Schwitzen. Unter der Erde lagert der Internet-Provider seine Server, auf denen Kunden ihre Webseiten speichern können. Auf 2 500 Quadratmetern finden mehr als 18 000 Rechner Platz, die wie Schubladen in große Schränke eingebaut sind. „Die Maschinen laufen schnell heiß, deshalb müssen wir sie mit Klimaanlagen kühlen“, sagt Unternehmenssprecher Christoph Selbach. Der Energiebedarf ist enorm, das mittelständische Unternehmen gehört nach eigenen Angaben zu den drei größten gewerblichen Stromabnehmern in Köln.

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Steigende Energiekosten setzen nicht nur Internetfirmen, sondern auch energieintensive Industriebetriebe unter Druck. Sie müssen ihre Ausgaben senken, um konkurrenzfähig zu bleiben. Das Einsparpotenzial ist hoch: Laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey könnte der Energiebedarf um 21 Prozent gesenkt werden – größtenteils kostenneutral. „Viele Maßnahmen rechnen sich innerhalb von zwei Jahren“, sagt Roland Berger, Geschäftsführer der Energieberatungsfirma Ökotec.

Auch Host Europe setzt auf Energieeffizienz. Als vor drei Jahren eine neue Serverhalle entstand, baute das Unternehmen eine Technik ein, die den Luftstrom aus der Klimaanlage direkt an die heißen Rechner leitet – ohne sich vorher mit der warmen Luft zu vermischen. In die optimierte Kühlung investierte Host Europe 1,5 Mio. Euro, dafür sank die Stromrechnung um 500 000 Euro pro Jahr.

Bei anderen Mittelständlern haben die Stromkosten keinen so hohen Anteil, in der industriellen Produktion etwa liegt er bei fünf bis zehn Prozent. Lange spielte Energie eine untergeordnete Rolle. „Das Thema ist erst in den vergangenen Jahren in den Fokus geraten“, sagt Detlef Kayser, Direktor bei McKinsey. Gründe seien höhere Preise für Strom, Gas und Öl sowie ein größeres Umweltbewusstsein.

Der Beratungsbedarf steigt: Der Umsatz von Ökotec etwa wuchs 2009 um über 50 Prozent. Fachlichen Rat holte sich vor neun Jahren auch die Bäckerei Riegler aus Heidelberg, allerdings bei einer Firma für Lebensmitteltechnik. Eine neue Backstube war in Planung, die Energiekosten sollten sinken. 150 000 Euro investierte Riegler – und nutzt heute die Hitze aus den Backöfen auch zum Heizen. Der Energieverbrauch sank um 17 Prozent, das entspricht einer Einsparung von 40 000 Euro pro Jahr.

Viele Unternehmer aber scheuen noch die Investitionen. „Es ist zu einem großen Teil eine Bewusstseinssache“, sagt McKinsey-Experte Kayser. „Wenn sich ein Betrieb klarmacht, wo er Energie verschwendet, lässt sich schon die Hälfte des Einsparpotenzials erreichen.“

Wer seine Mitarbeiter richtig schult, kann schnell Kosten senken. McKinsey hat dafür mit der Technischen Universität München eine sogenannte Lernfabrik gebaut. Die Experten stellen darin energieintensive Prozesse in der Produktion dar, etwa die Drehmaschine oder die Dampfreinigung. So sollen die Seminarteilnehmer lernen, wie sie Kosten reduzieren können.

Der Druck könnte noch höher werden, wenn der CO2-Zertifikatehandel in Europa ab 2012 verschärft wird. Beim Internet-Provider Host Europe sieht man das aber gelassen. „Wir haben mittlerweile Wärmebildkameras im Einsatz“, sagt Sprecher Selbach. „So sehen wir, dass das Einsparpotenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist.“

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