Energiewirtschaft
Energiewirtschaft sucht private Investoren

Die bulgarische Regierung will die Energiewirtschaft des Landes modernisieren. Dabei setzt Bulgarien, Drehscheibe für Energielieferungen auf dem Balkan, auf westliches Know-How - und die Nutzung erneuerbarer Energien. Doch der Boom könnte schon bald an seine Grenzen stoßen.

SOFIA. Westliche und auch russische Investoren sollen sich an Bau und Betrieb neuer Kraftwerke beteiligen sowie Anteile bisher staatlicher Energieunternehmen übernehmen. Außerdem muss das Leitungsnetz modernisiert werden, wenn Bulgarien seine Position als Stromexporteur auf dem ganzen Balkan behalten will; das Land ist auch an den beiden internationalen Pipeline-Projekten "Nabucco" und "South Stream" beteiligt, die Gas aus Russland und dem Kaukasus nach Westeuropa transportieren sollen.

Zu den Investitionsplänen der Regierung zählt insbesondere der Bau eines Atomkraftwerks mit zwei Blöcken in Belene an der Donau, das von russischen Firmen und Siemens errichtet werden und 2013 in Betrieb gehen soll. Zudem wird ein strategischer internationaler Investor gesucht, der das Kraftwerk zusammen mit bulgarischen Partnern später betreiben soll. Offenbar erwägt die Regierung darüber hinaus, Block drei und vier des Atomkraftwerks Kosloduj wieder in Betrieb zu nehmen. Das allerdings könnte zu einem scharfen Konflikt mit Brüssel führen, da sich Sofia im EU-Beitrittsvertrag verpflichtet hat, die Blöcke endgültig abzuschalten.

Auch bei den geplanten Gaspipelines, die über bulgarisches Gebiet verlaufen sollen, kooperiert das Land mit Russland und mit westlichen Unternehmen. Bulgarien wolle sowohl "South Stream" als auch "Nabucco" eine Chance geben, betont Energieminister Petar Dimitrov: "Mit zwei alternativen Quellen wird es einen Wettbewerb geben, ohne alternative Quelle aber nur einen Monopolpreis." Mit "South Stream", einer geplanten Verlängerung der durch das Schwarze Meer führenden "Blue-Stream"-Leitung, wollen der russische Versorger Gazprom und die italienische Eni russisches Gas nach Europa bringen.

"Nabucco" wiederum wird von der Brüsseler Kommission favorisiert, um die EU unabhängiger von russischen Energielieferungen zu machen. Denn das Gas für diese Pipeline soll aus den Regionen rund um das Kaspische Meer kommen. Die Baukosten für diese Leitung, die wie "South Stream" durch die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich führen soll, werden mit fünf Mrd. Euro beziffert. An dem Projekt, das die österreichische OMV federführend betreibt, sind auch der deutsche Konzern RWE sowie die türkische Botas, die bulgarische Bulgargaz, die rumänische Transgas und die ungarische Mol beteiligt.

Bulgargaz gehört zu jenen staatlichen Energieunternehmen, die die Regierung zu einer großen Holding zusammenschließen will. Betroffen sind außerdem der Stromverteiler Nek, das Atomkraftwerk Kosloduj, das Kohlekraftwerk Maritza sowie die gleichnamigen Kohlebergwerke. "Angesichts des Konsolidierungsprozesses in der EU ist dieser Zusammenschluss notwendig, um die bulgarische Energiewirtschaft wettbewerbsfähig zu machen", sagt Premier Sergej Stanischew. Die Regierung plant, bis zu 49 Prozent der Anteile der Holding an einen strategischen Investor aus dem Ausland zu verkaufen.

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