Entry Standard
Nur wenige Mittelständler zieht es an die Börse

Das sogenannte Entry Standard, ein vor vier Jahren gegründetes Marktsegment der Deutschen Börse, richtet sich mit seinen niedrigen Einstiegshürden speziell an kleine und mittelgroße Unternehmen. Das Problem: Eine große Zahl mittelständischer Unternehmen steht dem Einstiegssegment nach wie vor skeptisch gegenüber.

FRANKFURT. Deutsche Mittelständler sind in einer bedauernswerten Situation: Der Markt für Kapitalmaßnahmen öffnet sich mit dem Aufhellen der Konjunktur ganz allmählich, doch sie selbst profitieren nur wenig davon. Der Grund: "Wir registrieren deutlich angestiegenen Appetit bei Investoren, sich an Kapitalerhöhungen ihnen vertrauter großer Unternehmen zu beteiligen und ihre nach wie vor hohen liquiden Mittel am Aktienmarkt durch solche Transaktionen partiell wieder zu reinvestieren", sagt Achim Schäcker, der bei HSBC Trinkaus das Geschäft mit Aktienemissionen verantwortet.

Soll heißen: Geld ist genug da, auch die Bereitschaft dieses auszugeben. Doch von den mehr als 200 Mrd. Euro, die Investoren in diesem Jahr schon für Aktien aus Kapitalmaßnahmen und Börsengängen ausgegeben haben, floss der Löwenanteil in die Großkonzerne. Deren Aktien sind anders als etwa Nebenwerte immer liquide und erlauben selbst an schlechten Börsentagen den Ausstieg. Bei mittelgroßen Unternehmen kam an solchen Tagen in der ersten Jahreshälfte zeitweise überhaupt kein nennenswerter Handel der Aktien zustande.

Die geringe Zahl an Emissionen, die es seit Jahresanfang im so genannten Entry Standard gegeben hat, belegt das Desinteresse der Investoren an der Aktie. Das vor rund vier Jahren gegründete Marktsegment der Deutschen Börse richtet sich mit den niedrigen Einstiegshürden speziell an kleine und mittelgroße Unternehmen.

Wenn es Börsengänge gab, waren es meist Firmen wie das US-Biotech-Unternehmen Hepahope. Das Unternehmen forscht an einer künstlichen Schweineleber, die der Funktion der menschlichen sehr nahe kommt. Gestartet mit vollmundigen Ankündigungen, notiert die Aktie, die zu 1,50 Euro an den Markt kam, nur noch bei 0,50 Euro: Hohe Verluste bei null Umsatz boten bereits zum Börsenstart Ende April keine Erfolgsaussichten.

Nun sind deutsche Mittelständler in der Regel ungleich solider aufgestellt als dieses US-Unternehmen. Doch mit solchen Gesellschaften auf einer Stufe im Entry Standard genannt zu werden, das ist ihnen verständlicherweise unangenehm. Wer sich aber über den Weg ins Eingangssegment Entry Standard nach einiger Zeit einen guten und soliden Ruf bei den Börsianern erarbeitet hat, der geht gewöhnlich den nächsten Schritt in eines der strenger reglementierten Segmente. So zum Beispiel die Solar-Unternehmen Phönix Solar und Roth & Rau: Beide sind heute im Technologieindex TecDax gelistet.

Bis zumindest im kleinen Rahmen auch bei Mittelständlern die Aussicht auf frisches Kapital besteht, müssen noch einige Wochen vergehen. "Im zweiten Halbjahr werden wir etliche Kapitalerhöhungen sehen. Dabei dürfte sich die Aktivität auf die Zeit nach der Bundestagswahl konzentrieren, wenn Restrukturierungen Hand in Hand mit Eigenkapitalmaßnahmen gehen werden", sagt Andreas Bernstorff von der Citigroup.

Viele Mittelständler werden dennoch etwas länger warten. Zum einen lassen sich nach einer langen Phase ohne namhafte Börsengänge - der letzte kam von SMA Solar im Juni 2008 - gerade in der Startphase nicht unbedingt gleich zu Anfang die besten Preise erzielen. Zum anderen sind viele Mittelständler weiterhin solide finanziert, so dass sie frische Mittel über die Börse nicht dringend benötigen.

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