Entsorgungsbranche
Metalldiebe fleddern Elektronik-Abfall

Ende September meldeten die Nachrichtenagenturen, dass Kupferdiebe in China künftig mit der Todesstrafe rechnen müssen. Eine scharfe Reaktion auf immer neue Fälle illegaler Demontage. Massenweise werden Kabel aus dem öffentlichen Raum entwendet und bei Recycling-Händlern verscherbelt – auch in Deutschland.. Die Branche sucht nach Wegen, die Demontage zu stoppen.

KÖLN. Zwar hat China den größten Bronze-Bedarf weltweit, doch deutet die Meldung auf ein Problem, das auch in Deutschland dramatisch wächst. „Der Rohstoffpreisanstieg hat dazu geführt, dass immer mehr Teile auch aus Elektronikschrott gestohlen werden“, beobachtet Otmar Frey, Vorsitzender der gemeinsamen „Taskforce Elektro- und Elektronik-Altgeräte“ des IT-Verbands Bitkom und des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI).

Bei Sperrmüllsammlungen, aber auch auf abgezäunten Deponien schlagen die Verbrecher zu: Sie reißen Kompressoren und Kabel aus alten Geräten, die gefleddert beim Entsorger landen. Den genauen Schaden für die Industrie kann bislang keiner beziffern, „aber er wird sich in Millionenhöhe bewegen“, schätzt Frey. Nachdem das Elektroschrott-Gesetz im März 2006 in Kraft getreten ist, sind ständig weniger verwertbare Materialien in den beauftragten Unternehmen angekommen. Beim Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) spricht man von systematischer „Beraubung“.

Weil die Entsorgungsbranche dem Treiben nicht tatenlos zusehen wollte, gründete sie im vergangenen September den Überwachungsverein zur Wahrung des Elektro-G (ÜWEG). Die Dienstleister in seinen Reihen repräsentieren gut drei Viertel der Containerbewegungen. „Den Entsorgern fehlen viele Erlöse, die anfangs gegenüber den Herstellern einkalkuliert waren“, sagt ÜWEG-Chef Christoph Werth. „Wir wollen dafür sorgen, dass sich die Wertstoffberaubung nicht weiter ausdehnt.“ Der Verein meldet sich bei den Kommunen, wenn mal wieder ein Container mit ausgeweideten Kühlschränken auftaucht.

„Es wäre sehr viel stärker nötig, dass die Behörden die Einhaltung des Elektro-G kontrollieren“, fordert auch BDE-Geschäftsführer Rainer Cosson. Denn besonders dramatisch sind die Verluste bei örtlichen Sperrmüllsammlungen. Hier laden die Kriminellen ihre Lastwagen voll, fahren sie zum Schrotthändler - und kassieren bares Geld. „Die Täter sind gut organisiert“, weiß Stefan Weiler vom Eigenbetrieb Abfallwirtschaft im badischen Ortenaukreis.

Eine seiner neun Anlagen liegt bei Schutterwald-Höfen auf einem Erdhügel. Die Einbrecher haben dort häufig den Zaun überwunden, sind mit ihren Sackkarren einige Hundert Meter bergauf und mit ihrer schweren Beute den langen Weg hinab gekraxelt. Als die Einbruch-Serie nicht abriss, reagierte man: „Wir haben private Sicherheitsdienste beauftragt und auch die Polizei gebeten, dort wieder Streife zu fahren“, berichtet Weiler. Immerhin hat man seit November 2005 etwa 300 Strafanzeigen gestellt – und inzwischen eine Verurteilungsquote von 50 Prozent erreicht.

Das ist ganz nach dem Geschmack der Entsorger. Dennoch glaubt Experte Otmar Frey: „So lange die Rohstoffpreise oben sind, werden immer neue Leute ihr Geschäft hiermit machen wollen.“ Und weil die öffentliche Hand ihre Kontroll-Ausgaben kaum um ein Vielfaches hochfahren wird, bleiben Verluste wahrscheinlich. Beim BDE registriert man bereits eine Reihe von Vertrags-Nachverhandlungen zwischen Entsorgern und Herstellern. Es wird also teurer für die Produzenten. Und letztlich für die Verbraucher.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%