Erbschaft
Senior-Chefs und ihre schwerste Aufgabe

In den kommenden Jahren geht eine ganze Generation deutscher Unternehmer in den Ruhestand. In jedem sechsten deutschen Familienunternehmen steht die Regelung der Nachfolge an, haben Hochrechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn ergeben. Unternehmer wünschen sich besonders eine familieninterne Nachfolge. Doch mit dieser Aufgabe tun sich Senior-Chefs schwer.

KÖLN. "Die Aufgabe, einen geeigneten Nachfolger zu finden, ist eine der wichtigsten strategischen Aufgaben in einem Unternehmerleben", sagt Tom Rüsen, geschäftsführender Direktor des Instituts für Familienunternehmen an der Uni Witten-Herdecke. Doch dass ist leichter gesagt als getan. Etwa 80 Prozent der Unternehmer würden eines ihrer Kinder gerne als Nachfolger sehen, haben Umfragen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) ergeben. Schließlich steht oft das Lebenswerk von Generationen oder zumindest viel Herzblut auf dem Spiel.

"Der Verkauf an einen strategischen Käufer, der vielleicht über Jahre ein Konkurrent war, oder an einen anonymen Finanzinvestor, ist für solche Familien-Unternehmer nur schwer vorstellbar", beobachtet Arnold Weissman, Inhaber der gleichnamigen Unternehmensberatung für Familienunternehmen.

Doch nicht einmal die Hälfte der Familienunternehmen schafft tatsächlich den Sprung in die nächste Generation. Ein Grund dafür ist, dass die potentiellen Nachfolger immer seltener Interesse an einem Einstieg in den Familienbetrieb haben, berichtet Familienforscher Rüsen. "Meist haben die Söhne und Töchter eben auch die Schattenseiten des Unternehmertums erlebt: Lange Arbeitszeiten, die extrem hohe Verantwortung, das Existenz-Risiko. Sie sind in der Regel gut ausgebildet und empfinden die Übernahme eines Betriebs nicht unbedingt als attraktivsten Lebensplan."

Berater Weissman rät den Senior-Chefs deshalb, ihre Suche nach einem geeigneten Nachfolger auf die "erweiterte Familie" auszudehnen. "Warum sollte zum Beispiel nicht der Sohn des langjährigen Geschäftspartners oder ein junger externer Manager der passende Nachfolger sein? Viel wichtiger als Blutsverwandtschaft ist schließlich ein gemeinsames Wertesystem und eine übereinstimmende Vorstellung von der Zukunft des Unternehmens."

Dass die Firmenübergabe nur selten geräuschlos und innerhalb der Familie abläuft, ist allerdings nicht nur der anderweitig interessierten oder vermeintlich ungeeigneten jungen Generation anzulasten. "Ein dominanter Unternehmer kann sich oft nicht mit der Rolle eines Beirats oder Aufsichtsrats oder gar dem völligen Rückzug anfreunden", beobachtet Unternehmensberater Weissman.

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