Erbschaftssteuer
Steuerreform entsetzt Firmenerben

Die Reform der Erbschaftssteuer bringt etliche Familienbetriebe in Bedrängnis. Mehr als 160 mittelständische Unternehmer protestierten gegen das "bürokratische Monster" und drohen mit dem Umzug ins Ausland. Etliche Arbeitsplätze könnten ins Ausland verlagert werden.

DÜSSELDORF. Ungläubigkeit, fast schon Verzweiflung. Das ist der Gefühlscocktail von Dirk-Walter Frommholz, wenn er an die neue Erbschaftsteuer denkt.In fünfter Generation führt er den Möbelhersteller Frommholz mit Sitz im nordrhein-westfälischen Spenge. Sein Sohn will die Tradition fortsetzen, seit zehn Jahren bastelt Frommholz an seiner Nachfolge. Doch das, sagt er, sei durch die Reform der Erbschaftsteuer Anfang des Jahres deutlich schwieriger geworden. "Das ist der blanke Hohn."

Viele Familienunternehmer sind entsetzt über das überarbeitete Gesetz. Mehr als 160 mittelständische Unternehmer wie der Bierbrauer Bitburger oder der Klett-Verlag protestierten schon Ende des vergangenen Jahres gegen das "bürokratische Monster" und drohten mit dem Umzug ins Ausland. Vor allem die Lohnsummenregelung ist ihnen ein Dorn im Auge. Über zehn Jahre hinweg müssen die Unternehmen nach dem Erbfall die Lohnsumme - also die Zahl der Beschäftigten - aufrechterhalten. Ein Risiko etwa für den Frommholz-Sprössling: "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das Möbelgeschäft so starken Schwankungen ausgesetzt ist, dass das nicht zu schaffen ist", meint der Sohn Gero Walter Frommholz. Weil Vater und Sohn nicht überschauen können, was nun alles auf sie zukommt, wollen sie mit Hilfe von Beratern die Risiken für die Firma in den Griff bekommen.

Kein Einzelfall - dennoch halten sich bisher bei Erbrechtsspezialisten und Steuerberatern die Anfragen zur Erbschaftsteuerreform noch in Grenzen, berichten mehrere Juristen. "Es ist eine Schockstarre eingetreten", glaubt Professor Klaus Michael Groll, Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht. Außerdem sei die Rezession derzeit das bestimmende Thema. Er ist aber überzeugt, dass die Reform noch zu einem erheblichen Beratungsbedarf führen wird. "Alleine werden mittelständische Unternehmer in der Vorbereitung von Nachfolgeregelungen mit den neuen Bestimmungen nicht zurechtkommen."

Dieser Ansicht ist auch Hans Christian Blum, Fachanwalt für Erbrecht der Kanzlei CMS Hasche Sigle. Allerdings sei es schwierig, Vorschläge zu machen. In sehr vielen zentralen Punkten bestehe erheblicher Interpretationsspielraum. "In vielen Fragen wird erst die Rechtsprechung für Sicherheit sorgen", prophezeit Blum. Es sei nicht einmal sicher, ob die Reform einer Prüfung des Bundesverfassungsgerichts standhalten würde.

Weil es bis zu einer solchen Entscheidung aber noch mehrere Jahre dauern kann, suchen die Steuerexperten jetzt nach Optionen, um die Unternehmerfamilien vor dem Schlimmsten zu bewahren. Eine Möglichkeit: Flucht. "Die lohnintensiven Arbeitsplätze könnten vor einer Unternehmensübertragung in günstigere EU-Staaten oder direkt außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes verlagert werden", sagt Blum. Auf diesem Wege kann der Ausgangswert der Lohnsumme schon vorsorglich gedrückt werden.

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