Ernährungsindustrie
Deutsche Molkereien sind nicht attraktiv genug

Die heimische Molkereiwirtschaft wird sich in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Die Handelsblatt-Studie prognostiziert eine "kurz bevorstehende, massive Strukturveränderung" in der Branche. Zum einen können die Molkereien die Bedürfnisse des Handels noch immer nicht befriedigen. Zudem behindern ihre überkommenen, zumeist genossenschaftlichen Strukturen operative Fortschritte.

DÜSSELDORF. Damit trifft die heimische Molkereiwirtschaft der Druck des Wettbewerbs besonders hart. Der Handel produziert mit seinen Eigenmarken einen hohen Preisdruck, Standardprodukten wie Trinkmilch und Butter sind austauschbar. Viele Unternehmen haben überdies erheblichen Restrukturierungsbedarf.

Zudem ist der Konzentrationsgrad in der Molkereiwirtschaft mit 31 Prozent Marktanteil der fünf umsatzstärksten Unternehmen am Gesamtmarkt relativ gering. Umsatzseitig liegen mit der Großmolkerei Müller ("Müller-Milch"), Nordmilch ("Milram") und Humana Milchunion drei deutsche Unternehmen in der Größenordnung über zwei Mrd. Euro, während die europäische Spitzengruppe, darunter die Nahrungsmittelmultis Danone und Nestlé, drei bis sieben Mal so groß ist.

Die Transaktionen der letzten Zeit deuten darauf hin, dass bereits Einiges in Bewegung geraten ist. So hat die Molkerei Bauer den Konkurrenten Heideblume übernommen, die Milchwerke Mainfranken gingen an die Bayerische Milchindustrie (BMI) und die Milchwerke Regensburg fusionierten mit der Genossenschaft Bayernland. Außerdem zeigen internationale Konzerne reges Interesse am deutschen Markt.

Umso geringer werden die Chancen für Zusammenschlüsse im nationalen Rahmen. Den deutschen Molkereien läuft die Zeit davon, vor allem aber bringen sie im internationalen Vergleich zu wenig Masse mit. So können nur wenige Anbieter überhaupt auf eine Kriegskasse zurückgreifen, die sie mit Erträgen aus Auslandsaktivitäten oder Marken gefüllt haben.

Dennoch gibt es nach Einschätzung der Experten immer noch sinnvolle Zusammenschlüsse, diese aber müssten jetzt vollzogen werden, um Rückstände gegenüber ausländischen Konkurrenten zumindest teilweise wieder aufholen zu können. Internationale Player werden sich aber nicht ohne weiteres zurückdrängen lassen. Zu vital ist ihr Interesse an einem der zukunftsträchtigsten Milchrohstoffmärkte und 80 Mill. deutschen Verbrauchern.

Internationale Anbieter wie Arla, Frontera oder Campina haben aber noch nicht genügend Appetit auf Zukäufe. Doch zeigt die jüngste Handelsblatt-Studie den deutschen Anbietern auch Chancen auf. Schaffen sie es, sich zu genügend großen Einheiten zusammenzuschließen, werden sie bei einem späteren Zusammengehen mit größeren Konzernen ihre Interessen wesentlich effektiver durchsetzen können.

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