Ernährungsindustrie
Unabhängige Fleischereien geraten in die Zange

Die Übernahme des Fleisch- und Wurstwarenherstellers Zimbo durch den Schweizer Konzern Bell war wohl nur der Anfang: Wahrscheinlich werden weitere renommierte heimische Fleischereien wie Herta und Stockmeyer in nächster Zeit das Ziel von Übernahmeversuchen sein. Der Grund für diese Prognose ist dabei überraschend.

DÜSSELDORF. Renommierte heimische Fleisch- und Wurstwarenprodzuenten haben sich zu breit aufgestellt. Der Trend geht in diesem Industriezweig geht zur Spezialisierung. So gilt Rügenwalder Mühle als „Produktchampion“, der mit seinen Marken „Pommersche“ oder „Schinkenspicker“ und dem Würstchenhersteller Meica im Handel Erfolge feiert.

Ein breites Sortiment hingegen kann der hiesige Lebensmitteleinzelhandel bereits aus eigener Kraft präsentieren, weil er selbst eine große Anzahl von Fleischwerken betreibt. So ist nicht verwunderlich, dass die Hamburger Edeka-Gruppe mit geschätzten 1,8 Mrd. Euro Umsatz inzwischen der größte deutsche Fleischwarenhersteller ist.

Aber die traditionsreichen Wurstproduzenten werden auch von heimischen Schlachtbetrieben ins Visier genommen. Die „übernahmehungrigen“ Schlachter, die einen harten Konzentrationsprozess schon hinter sich haben, wollen den Absatz von Fleisch und Wurst selbst in die Hand nehmen. So kaufte der niederländisch-deutsche Schlachtkonzern Vion, der die heimischen Großschlachter Südfleisch, Moksel und Nordfleisch unter seinem Dach vereinigt, zuletzt den niedersächsischen Produzenten Artland und liegt jetzt mit einen Umsatz von 1,2 Mrd. Euro auf Rang zwei unter den Fleischwarenherstellern.

Auf eine kurz bevorstehende Übernahmewelle deutet der Handelsblatt-Studie zufolge der nur sehr geringe Konzentrationsgrad der Branche hin. So stehen den fünf umsatzstärksten Unternehmen sehr viele kleine und mittlere Unternehmen gegenüber. Den Kleinen aber gelingt es immer weniger, dem übermächtigen Handel die Stirn zu bieten. Neben den Top fünf der Branche, die zusammen auf rund vier Mrd. Euro Umsatz kommen, bestimmen weitere 60 Unternehmen mit einem jeweiligen Umsatz von kaum mehr als 50 Mill. Euro das Marktgeschehen. Zum Vergleich: Ein internationaler Fleischwarenkonzern wie JBS setzt 14 Mrd. Euro um.

Internationale Größen wie JBS, Vion, Danish Crown oder Smithfield, die erhebliche Finanzkraft haben, werden von der Konsolidierungswelle in den nächsten Jahren am meisten profitieren, indem sie entweder selbst akquirieren oder Pakete insolventer Unternehmen übernehmen, beschreibt die Handelsblatt-Studie die Gewinner der Entwicklung. Fakt ist: Die Satelliten der Großkonzerne schweben bereits heute ständig über den deutschen Herstellern und orten deren Verkaufsbereitschaft.

„Die hohen Rohstoffpreise und die Dollarschwäche werden in den nächsten 24 Monaten für einen gewaltigen Konsolidierungsschub sorgen“, prophezeit Branchenexperte Martin Tschochner.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%