Ernst & Young-Umfrage: Schelte für Standortpolitik
Mittelstand hat kein Vertrauen in die Zukunft

Die aktuelle Lage im deutschen Mittelstand ist besser als noch vor einem Jahr – die Stimmung hat sich aber weiter verschlechtert. Das zeigt die aktuelle Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young unter 3 000 Unternehmen des gehobenen Mittelstandes, die dem Handelsblatt vorliegt. Die Berater haben die Unternehmer im März und April befragt.

HB DÜSSELDORF. Derzeit bewerten 71 Prozent der deutschen Mittelständler ihre Geschäftslage als zufriedenstellend, bei der letzten Umfrage vor einem Jahr waren es nur 54 Prozent. Positiv äußerten sich vor allem Unternehmer aus Sachsen, dem Saarland, Baden-Württemberg und Hamburg. Über eine schlechte Geschäftslage klagten dagegen Unternehmer in Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt. „Gerade die mittelständische Industrie hat von der Erholung der Weltwirtschaft und der starken Auslandsnachfrage profitiert“, kommentierte Peter Englisch, Niederlassungsleiter der Unternehmensberatung für das Ruhrgebiet, die Ergebnisse.

Jeder dritte Unternehmer in Deutschland erwartet aber, dass sich die Situation des eigenen Unternehmens in den kommenden sechs Monaten verschlechtern wird. Vor einem Jahr waren nur 18 Prozent pessimistisch gestimmt. 55 Prozent der Mittelständler sind zudem der Ansicht, dass sich die Wirtschaftslage 2005 im Vergleich zum Vorjahr verschlechtern wird. Vor einem Jahr lag dieser Anteil nur bei 28 Prozent.

Ein Grund für das mangelnde Zukunftsvertrauen der Mittelständler ist die aus ihrer Sicht schlechte bundesweite Standortpolitik. 90 Prozent der Befragten bewerten die Leistung der Politiker auf diesem Feld als „schlecht“ oder sogar „sehr schlecht“.

Erstaunlicherweise schätzen aber immerhin 55 Prozent der befragten Unternehmer die Rahmenbedingungen in ihrem Bundesland als befriedigend oder sogar als gut ein. An der Spitze der Zufriedenheitsskala stehen Unternehmer in Baden-Württemberg und Bayern. Gute Noten vergeben sie für die Infrastruktur, schlechte für die Bildungspolitik – insbesondere in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Hamburg. Weil die Einschätzungen zum Standort Deutschland und dem eigenen Bundesland so stark auseinander klaffen, stelle sich die Frage, ob sich hierin nicht eine „allgemeine Politikverdrossenheit“ des Mittelstandes wider spiegele, schreibt Ernst & Young.

Das wichtigste Thema sind für die Mittelständler die Lohnnebenkosten (86 Prozent der Befragten). Dagegen sorgen sich nur 37 Prozent der Befragten um die Finanzierung.

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