Erotikvertrieb Pepper Parties
Scharfe Verkaufspartys im Wohnzimmer

Thomas Warnke will Frauen glücklich machen – mit Dildo-Partys im Wohnzimmer. Der Weg zum Erfolg war für den Kölner Gründer steinig. Das größte Problem seines Start-ups: Es fehlen Beraterinnen.
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DüsseldorfMit einem knallpinken Rollkoffer kommt die Frau von Pepper Parties ins Haus. Die Gastgeberin hat Freundinnen und Nachbarinnen geladen – zu einer Verkaufsparty der besonderen Art: „Nur für Frauen“. Aus dem Koffer kommen Gleitgele, Massageöle und Vibratoren zum Vorschein. Die Stimmung steigt. „Links ist der Leckarm, rechts ist der Riecharm“, lautet die Erklärung, bevor alle Gäste Gele und Körperpuder am Arm testen dürfen.

„Im Laden darf man Erotikartikel nicht mal so ausprobieren“, sagt Thomas Warnke, der Erfinder von Pepper Parties, über sein Konzept. Ganz abgesehen davon, dass sich viele Frauen nicht in Erotikshops hineintrauten. „Im heimeligen Wohnzimmer aber fällt diese Hemmschwelle weg“, berichtet Warnke.

Etwa drei Stunden dauert so ein Verkaufsabend, im Volksmund „Dildo-Party“ genannt. „Storytelling ist ganz wichtig, den Rest muss das Kopfkino machen“, betont Warnke. Eine Stunde dauert allein das Bestellen nebenan in der Küche – unter vier Augen, versteht sich. „Bei der Präsentation kann man miteinander lachen. Aber was die Nachbarin an Sexspielzeug bestellt, das geht keinen etwas an“, betont Warnke. 400 Euro werden im Schnitt auf einer Party umgesetzt. Grundsätzlich laufen Erotikartikel für Frauen besser auf dem Land als in der Stadt. „Besonders gut in Baden-Württemberg“, hat der Unternehmer festgestellt.

Mit buchstäblich null Euro gründete Thomas Warnke, damals 28 Jahre jung, das Start-up 2005 in einem Wohnzimmer in der Kölner Südstadt. Zuvor war der gelernte Verlagskaufmann mit seiner Geschäftsidee, einem Online-Handel mit gebrauchten Büchern, krachend gescheitert. Denn kurz nach den Start hatte ihm Amazon Marketplace mit konkurrenzlos günstigen Privatanbietern das Geschäft verdorben. „Bei meinem ersten Versuch als Unternehmer habe ich viel Geld verloren“, erzählt Warnke ganz offen.

Verzweifelt und pleite sann er nach einer neuen Geschäftsidee. Warnke hatte sich geschworen. „Es passiert mir nie wieder, dass mir Privatleute mit einer Geschäftsidee Konkurrenz machen.“ So recherchierte er, was etwa bei Ebay damals nicht gehandelt werden durfte: Das waren neben Tieren, Leichenteilen, Nazi-Devotionalien und Waffen auch Erotikprodukte – mal abgesehen von harmloser Bekleidung und Scherzartikeln.

Neben 16.000 alten Büchern aus dem Restbestand begann der gescheiterte Gründer, DVDs mit Softerotik über Amazon zu verkaufen. Der kleine Onlineshop für Erotikartikel lief mehr schlecht als recht. Da las Warnke zufällig einen Artikel, wie gut Verkaufsparties einschlagen. „Das war mein Heureka!“

Kommentare zu " Erotikvertrieb Pepper Parties: Scharfe Verkaufspartys im Wohnzimmer"

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  • Sie stecken wohl mitten im Sommerloch?

    Na, offenbar kommt der Artikel ja gut an (siehe die Top 5 von "MEISTGELESEN" heute).

    Männer....

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