Erste deutsche Aktiengesellschaft geht an Investorengruppe aus Schanghai
Chinesen in Deutschland: Über Schlächter und Heilsbringer

Noch in diesem Monat wird erstmals eine deutsche Aktiengesellschaft an ein Unternehmen aus China verkauft. Die SBSG Group aus Schanghai erwirbt 94,9 Prozent an dem traditionsreichen Hersteller von Nähmaschinen und Fördertechnik Dürkopp Adler in Bielefeld. Das erfuhr das Handelsblatt vom Verkäufer des Aktienpakets, der FAG Kugelfischer.

DÜSSELDORF/PEKING. Parallelen zum Verkauf der Handysparte von Siemens an BenQ aus Taiwan drängen sich auf: Beide Fälle lösen Sorgen über eine Schließung der Standorte in Deutschland aus. Chinesische Investoren sind nach Auffassung von Experten weniger an deutschen Produktionsstätten interessiert, als vielmehr an Technik, Marke und Vertrieb. "Sie wollen über eine eingeführte Marke ihre Billigprodukte vermarkten und die Technik so schnell wie möglich nach China transferieren", sagt Michael Keller von der Unternehmensberatung Klein & Coll in Griesheim, die sich auf mittelständische Betriebe spezialisiert hat. Nach Kellers Erfahrung wird die Produktion in der Regel binnen eines Jahres in die Volksrepublik verlegt.

Thomas Reuss, Leiter der Unternehmenskommunikation bei der FAG Kugelfischer, ist dennoch überzeugt, dass Dürkopp Adler dieses Schicksal nicht droht. "Wir gehen davon aus, dass es keine Gefährdung des Standortes Bielefeld geben wird", sagt Reuss. Auch Werner Heer, Vorstandssprecher von Dürkopp Adler, sieht sein Unternehmen durch die Übernahme eher gestärkt, vor allem, was das Asiengeschäft betrifft. Die Schutzvereinigung Deutscher Wertpapierbesitz (DSW) befürchtet dagegen, der Fortbestand des Unternehmens "hänge am seidenen Faden".

Dürkopp Adler ist kein Einzelfall. In aller Stille kaufen Konzerne aus dem Reich der Mitte seit 2003 deutsche Mittelständler auf. Im vergangenen Jahr sind laut Keller 278 Betriebe in chinesische Hände übergegangen. Aber die große Welle steht noch bevor, denn seit dem 1. Mai ist für chinesische Unternehmen die Verpflichtung entfallen, eine staatliche Genehmigung für Auslandsinvestitionen einzuholen. Keller erwartet noch in diesem Jahr mindestens 200 Transaktionen.

2006 werde diese Zahl dramatisch ansteigen, denn Chinas Unternehmen verfügten über sehr viel Geld. Gut zwei Mrd. Euro haben sie nach Kellers Schätzung bereits in Deutschland investiert. Gesicherte Zahlen über den Gesamtwert chinesischer Direktinvestitionen gibt es nicht. Die Bundesbank geht für 2004 nur von 90 Mill. Euro aus, das Bundeswirtschaftsministerium berichtete von 162 Mill. Euro bis Oktober 2004. Auf jeden Fall scheint die Tendenz eindeutig zu sein. "Es werden von Jahr zu Jahr mehr", sagt Firmenberater Song Xinyu in Peking.

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