Mittelstand
EU lehnt internationale Bilanzregeln für kleine Firmen ab

Das Europäische Parlament und die EU-Kommission haben sich gegen eine Ausweitung des internationalen Bilanzierungsstandards IFRS auf kleine und mittlere Unternehmen ausgesprochen.

HB BRÜSSEL. Die in London ansässige Organisation IASB (International Accuonting Standards Board) hat eine Version der schon weltweit geltenden umfangreichen Bilanzierungsregeln für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) erarbeitet. „Der jetzige, vom IASB veröffentlichte Entwurf ist zu kompliziert, um als zufriedenstellender Rahmen für die Bilanzierung europäischer KMU zu dienen“, sagte EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy am Donnerstag im Europäischen Parlament in Straßburg. Dieses nahm mit großer Mehrheit einen Bericht an, in dem IFRS für den Mittelstand ebenfalls abgelehnt und das IASB zu einer Reform seiner Arbeitsweise aufgefordert wird.

Die vom IASB geschaffenen IFRS-Regeln werden in mehr als 100 Ländern angewendet und gelten auch verbindlich für die rund 8 000 börsennotierten Unternehmen in der EU. Die Rechnungslegung nach IFRS macht die Bilanzen von Unternehmen aus verschiedenen Ländern vergleichbar. Das erleichtert internationalen Investoren und Geldgebern ebenso die Entscheidung wie Firmen die Suche nach Kapitalgebern im Ausland. Doch für KMU, das Rückgrat der europäischen Wirtschaft, wären die Regeln nach Meinung der Abgeordneten zu anspruchsvoll. Ihre Interessen würden beim Erarbeiten der Regeln auch nicht ausreichend berücksichtigt, kritisierte Alexander Radwan, der den Bericht des Parlaments zu dem Thema vorlegte.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) begrüßte die klare Haltung des Parlaments. „Das ist die richtige Entscheidung, denn für Handwerk und Mittelstand bringen internationale Rechnungslegungsstandards keine Vorteile“, erklärte ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer. Sie seien zu kompliziert und zu bürokratisch und müssten zusätzlich zur Bilanz nach deutschem Recht erstellt werden.

Das Parlament bemängelt außerdem, dass das IASB sowie die für dessen Zusammensetzung zuständige Stiftung nicht transparent genug sowie der demokratischen Kontrolle eines Parlamentes entzogen seien. Die Organisation entscheide eigenständig und selbstherrlich über Standards für die Unternehmen, kritisierte Radwan. Auch der Vorschlag des IASB, eine Aufsicht mit hochrangigen Vertretern aus der Politik einzusetzen, geht dem Parlament nicht weit genug. Die britische liberale Abgeordnete Sharon Bowles wandte ein, das Parlament berücksichtige in dem Bericht nicht ausreichend die Veränderungen, die das IASB selbst eingeleitet habe. Ein technisches Thema wie Bilanzierungsregeln dürfe außerdem nicht unnötig politisiert werden.

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