Europa-Park-Chef
„Der Nürburgring wird Kurt Beck die Karriere kosten“

Staatliche Hilfen braucht Deutschlands größter Freizeitpark in Rust nicht. Besitzer Roland Mack finanziert alles aus eigenen Mitteln und mit seinen Banken. Die Subventionen für den Nürburgring ärgern ihn umso mehr.
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Herr Mack, Ihrem Europa-Park Rust geht es prächtig. Der staatlich massiv subventionierte Nürburgring dagegen ist pleite. Was lief da schief?
In diesem Fall ist die Ignoranz von Ministerpräsident Kurt Beck beispiellos. Meinen Rat als Unternehmer hat er vorher nicht einmal hören wollen. Als ich mit ihm sprechen wollte, hat er das mit einem arroganten Handwisch abgetan. Jetzt wird das Desaster um den Nürburgring ihn seine Karriere kosten.

Verspüren Sie Schadenfreude?
Nein, ich bin eher schockiert.

Sie profitieren doch, ein Konkurrent weniger ist immer gut.
So betrachte ich das nicht. Es ist verantwortungslos, wie Beck mit Steuergeldern umgegangen ist. Auch ich zahle Einkommensteuer, die sich durch solche Fehlinvestitionen erhöht. Ich bin absolut gegen Subventionen im Allgemeinen und bei Freizeitparks im Besonderen.

Klar, da es Ihre Konkurrenz aufpäppelt.
Der Europa-Park spürt den Nürburgring überhaupt nicht. Wir wachsen pro Jahr um rund zehn Prozent und schreiben schwarze Zahlen. Aber die kleineren Parks direkt in der Nähe wie der Holiday-Park in Haßloch leiden schon.

Subventionen gibt es in Deutschland doch an jeder Ecke. Viele Firmen nehmen das Geld nur zu gerne.
Mir geht es ums Prinzip. Es ist nicht Aufgabe des Staates, in eine funktionierende Branche einzugreifen.

Das ist kein rein deutsches Problem.
Da haben Sie leider recht. Da müssen wir nur über die Grenze nach Frankreich schauen. Da ist jeder Freizeitpark subventioniert. Gerade ist der hoch subventionierte Freizeitpark "Bioscope" in die Insolvenz gegangen.

Auch der Europa-Park hat eine bessere Verkehrsanbindung bekommen. Das sind doch ebenfalls Förderungen.
Aber die lohnen sich auch für den Staat und wir haben sogar beim jüngsten Straßenbauprojekt erhebliche Mittel aus dem Unternehmen zugeschossen. Solche Maßnahmen sind mit den fast 500 Millionen Euro für den Nürburgring nicht vergleichbar.

„Gäste schätzen das Gesicht hinter dem Unternehmen“

Sie investieren viel, haben nun ihr fünftes Hotel eröffnet. Alles ohne einen Cent vom Staat?
Genau, wir schaffen das aus eigenen Mitteln und mit unseren Banken.

Inzwischen gibt es viele Konzerne, die ins Geschäft mit den Freizeitparks eingestiegen sind. Können Sie als Mittelständler mithalten?
Oh ja, wenn ich durch den Park gehe, spüre ich es jeden Tag: Die Gäste schätzen, dass es ein Gesicht hinter dem Unternehmen gibt.

Die Konkurrenz expandiert weltweit, Sie sind nur in Rust tätig. Wollen Sie Ihr Konzept nicht auch einmal exportieren?
Große Investitionen im Ausland wären eine Nummer zu groß für uns und gingen nur, wenn wir dem Beispiel der Konkurrenten folgen und uns dem Kapitalmarkt öffnen würden. Das möchte ich aber nicht. Mit unseren Fahrgeschäften sind wir aber schon seit Jahrzehnten rund um den Globus tätig.

Haben Entertainmentkonzerne wie Six Flags oder Merlin Größenvorteile?
Ich würde sagen, sie haben gewaltige Nachteile, weil sie stets den Aktienkurs im Blick haben müssen. Das geht auf Kosten der Qualität.

Sie müssen doch auch Geld verdienen.
Das tun wir auch. Aber wir denken in Generationen und nicht in Börsenkursen, das spüren Sie am Produkt.

Frühjahr und Sommer waren bislang sehr verregnet. Leidet Ihr Geschäft?
Erstaunlicherweise nicht. Wir hatten dieses Jahr den besten Saisonstart unserer Geschichte. So wie es aussieht, wird es ein ausgezeichnetes Jahr.

Mit welchem Ergebnis rechnen Sie?
Vergangenes Jahr haben wir knapp 4,5 Millionen Tickets verkauft, dieses Jahr könnten es mit dem Schub aus unserem neuen Hotel und der neuen Holzachterbahn 200 000 mehr werden.

Warum bauen Sie noch mehr Hotels?
So können wir die Grenzen des Tagesausflüglers durchbrechen. Viele Gäste bleiben heute schon zwei Tage. Und wenn wir erst einmal einen zweiten Park haben, wird das noch zunehmen.

„In Osteuropa springt das Geschäft an“

Sie planen seit Jahren an einem Aquapark. Wie weit sind Sie inzwischen?
Im nächsten Jahr gehen wir in die ersten konkreten Vorplanungen für das 40 Hektar große Areal.

Sie sind Präsident des Weltverbands der Freizeitunternehmen. Spürt die Industrie die globale Wirtschaftsflaute?
Das ist unterschiedlich. In China wird viel in neue Parks investiert, da soll die Zahl der Besucher bis 2030 von derzeit 65 Millionen auf 420 Millionen steigen. Auch in Osteuropa springt das Geschäft an, in Russland gibt es ebenfalls viel Bewegung.

Und Westeuropa?
Da haben viele Parks unter dem feuchten Frühjahr gelitten.

Wegen der vielen großen Hotels kommen auch Firmen für Tagungen in ihren Park. Wie läuft das Geschäft?
Für uns ist das sogenannte Confertainment wichtig, weil wir die Gastronomie damit ganzjährig betreiben können. Nur so können wir gutes Personal bekommen.

Das sind die Vorteile für Sie, aber was sagen Ihre Großkunden?
Zwei Beispiele sprechen für sich: Mercedes hat nach der Saison im vergangenen Herbst einen Tag den Park für 30.000 Leute exklusiv gebucht. Mit genauso vielen Menschen kam in diesem Frühjahr Migros. Die Firmen schätzen es, dass sie alles aus einer Hand bekommen: Übernachtung, Tagungsräume, Unterhaltung.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

Kommentare zu " Europa-Park-Chef: „Der Nürburgring wird Kurt Beck die Karriere kosten“"

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  • Pflegen Sie nur Ihre Vorurteile:
    Es liegt nicht am Parteibuch, wenn Menschen die Bodenhaftung verlieren.
    Auch schwarze Ministerpräsidenten habe reihenweise Steuergelder verblödelt: schauen Sie mal nach Bayern!!!

  • wieso nur roter sumpf,
    schauen Sie mal über die Landesgrenzen:
    In Bayern und Baden-Württemberg haben die dortigen schwarzen Ministerpräsidenten den Bankstern die Milliarden und Millionen nur so in den Rachen geworfen, ohne dass dadurch auch nur vorübergehend Menschen in Lohn und brot kamen.

  • Zitat von Manfred:
    "">>In diesem Fall ist die Ignoranz von Ministerpräsident Kurt Beck beispiellos. Meinen Rat als Unternehmer hat er vorher nicht einmal hören wollen. Als ich mit ihm sprechen wollte, hat er das mit einem arroganten Handwisch abgetan.<<
    Na ja, so geht Herr Mack ja auch mit anderen Leuten um, und zwar solange sie nicht prominent sind und seinem Park nützen! Wie es in Wald hineinruft... Also Herr Mack, ersta mal an die eigene Nase packen!
    ""

    Also Herr Mack ist sehr an der Meinung seiner Besucher interessiert. Oft schon mitbekommen, dass er einfach irgenwelche Besucher fragt wie es ihnen gefällt. Selbst bei uns kam er mal selbst an den Tisch und fragte uns. Waren selbst verwundert.

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