Europäische Start-ups

Habt Angst vor uns, weil wir so klein sind!

Start-ups in Europa haben allen Grund, selbstbewusst in die Zukunft zu blicken. Das zeigt eine exklusive Studie von Roland Berger. Warum Delivery Hero, Home24 und andere keine Angst vor dem Silicon Valley haben müssen.
Europas Start-ups „brauchen den Vergleich mit den USA nicht zu scheuen“. Quelle: Imago
Sieben Zwerge im Aufbruch

Europas Start-ups „brauchen den Vergleich mit den USA nicht zu scheuen“.

(Foto: Imago)

BerlinEs gibt Orte, an denen muss man gar nicht gewesen sein, damit der Klang ihres Namens ein Gefühl auslöst. Beim Silicon Valley sind es gleich zwei: Bewunderung – und Angst. Wenn Politiker oder Unternehmensführer von einem Trip in das Tal im US-Bundesstaat Kalifornien zurückkommen, schwärmen sie nicht nur von der einzigartigen Dynamik in der Start-up-Schmiede der Welt, sondern mahnen zugleich immer an, was hierzulande alles fehlt, um dort mithalten zu können.

Die Unternehmensberatung Roland Berger will dagegen ein Zeichen setzen. „Wir brauchen den Vergleich mit den USA nicht zu scheuen“, sagt Philipp Leutiger, Partner bei Roland Berger und Mitherausgeber einer neuen Studie über die Start-up-Landschaft in Europa, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Die europäische Angst, die USA und China seien auf dem Weg in die Digitalisierung nicht mehr einzuholen, sei unbegründet. Das zeige allein die Bezeichnung „Silicon Valley“: „Die Gegend rund um San Francisco ist durch die Halbleiterindustrie großgeworden. Später haben sie dort das Web 2.0 erfunden. Warum sollte die nächste Revolution nicht von Europa ausgehen?“

Für ihre These haben die Autoren etliche Fakten zusammengetragen. 110 Milliarden Dollar, so viel sind alle Einhörner – Start-ups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar – in Europa zusammen wert. In Deutschland zählen der Essenslieferdienst Delivery Hero dazu, der Möbelhändler Home24 und ihre Mutter Rocket Internet, außerdem die Ex-Tochter Zalando. In den USA gibt es wesentlich mehr Einhörner – zusammen sind sie 700 Milliarden Dollar wert.

Größe allein sei aber nicht alles, schreiben die Autoren. „Wir erwarten, dass wir viele mittelgroße Hidden Champions sehen werden, ähnlich wie der deutsche Mittelstand in den Tagen vor der Digitalisierung.“ Ein Beispiel ist das Berliner Start-up Sociomantic, ein Spezialist für Online-Marketing, der dem breiten Publikum verborgen geblieben war, bis er im vergangenen Jahr für 200 Millionen Euro an einen britischen Konkurrenten verkauft wurde.

Die wertvollsten Start-ups der Welt
Platz 10: Dropbox
1 von 10

Der in San Francisco ansässige Anbieter von Web-Speicher zählt bereits mehr als 400 Millionen private Nutzer und wird zurzeit von 500 Unternehmen verwendet. Nach eigenen Angaben des Cloud-Unternehmens werden alle 24 Stunden 1,2 Milliarden Dateien in der Dropbox gespeichert. Seit der Gründung 2007 hat das Startup 0,6 Milliarden Dollar von Investoren wie Black Rock oder Goldman Sachs erhalten. Heute ist ihr Investment geschätzte zehn Milliarden Dollar wert. Damit liegt Dropbox auf Platz zehn im aktuellen Ranking des Wall Street Journal.

Platz 9: Pinterest
2 von 10

Das soziale Bildernetzwerk bietet Nutzern die Möglichkeit, Fotos auf virtuellen Pinnwänden zu teilen, liken oder kommentieren. Das 2010 in San Francisco gegründete Startup verfügt heute über weitere Unternehmenssitze in New York, Chicago, Los Angeles, Atlanta, London, Paris, Berlin, Tokyo und Sao Paulo mit insgesamt über 500 Mitarbeitern. Der Unternehmenswert beläuft sich auf satte elf Milliarden Dollar, 1,3 Milliarden haben fremde Kapitalgeber bis heute in das Netzwerk investiert. Platz neun für das von drei Studenten gegründete Start-up.

Platz 8: SpaceX
3 von 10

Das Raumfahrt-Startup von Tesla-Gründer Elon Musk hat bereits fünf Trägerraketen ins All befördert. Gegründet wurde Space Exploration Technologies, wie das Unternehmen vollständig heißt, bereits 2002, und hat sich seitdem mehrfach Geld bei Investoren geholt, insgesamt 1,1 Milliarden Dollar. Die Bewertung ist mit 12 Milliarden Dollar üppig.

Platz 7: Didi Kuaidi
4 von 10

Auch die chinesische Taxi-App Didi Kuaidi ist für Kapitalgeber interessant: so flossen bereits 3 Milliarden Dollar in das Startup von Cheng Wei. Fahrdienstanbieter wie Uber oder Didi Kuaidi erfreuen sich in China immer größerer Beliebtheit. Davon profitiert der nun 15 Milliarden Euro schwere Dienstleister und landet auf Platz sieben im Ranking der Venture-Kapital-Firmen.

Platz 6: Flipkart
5 von 10

Der virtuelle Marktplatz flipkart wurde 2007 von den Absolventen des Indian Institute of Technology Delhi, Sachin und Binny Bansal, gegründet. Seitdem haben verschiedene indische Investoren 3 Milliarden Dollar in das E-Commerce-Startup investiert, das mittlerweile fünf Mal so viel wert ist (15 Milliarden Dollar).

Platz 5: Snapchat
6 von 10

Das erst 2011 in Los Angeles gegründete Startup Snapchat mit einem Wert von 16 Milliarden Dollar zählt heute zu den wertvollsten, nicht börsennotierten Unternehmen der Welt. Insgesamt 1,2 Milliarden Dollar haben US-amerikanische Kapitalgeber bereits in den Instant-Messaging-Dienst investiert. Die App, die sowohl für Smartphones als auch Tablets verfügbar ist, macht den Versand von Fotos an Freunde möglich. Das Revolutionäre: die Dateien sind nur wenige Sekunden sichtbar und zerstören sich dann selbst. Die Wiederherstellung ist allerdings innerhalb der Ordnerstruktur des eigenen Geräts möglich. Dieser kleine Umweg scheint den besonderen Reiz für Nutzer auszumachen.

Platz 4: Palantir
7 von 10

Auch das vor einigen Jahren noch wenig bekannte Startup-Unternehmen Palantir Technologies aus Palo Alto im Silicon Valley schafft es in die Top Fünf des Rankings. 1,5 Milliarden Dollar investierten Kapitalgeber in den 20 Milliarden schweren Entwickler von Software, der in der Lage ist, Informationen aus verschiedensten Quellen miteinander zu verknüpfen und auszuwerten. Das weiß man nicht nur bei Hedgefonds gewinnbringend zu nutzen, um Markttrends herauszufiltern. Auch die US-Regierung nutzt eine Variante des Systems zum Jagen nach Terroristen, wobei Banküberweisungen, Einkäufe, Berichte von Fahndern und öffentliche Quellen wie das Internet, Facebook und Twitter zusammengeführt werden.

Das Argument, dass die europäischen Start-ups zu wenig Geld hätten, um groß zu werden, verliere allmählich an Überzeugungskraft, so die Studie. 6,9 Milliarden Euro Risikokapital wurden im ersten Halbjahr 2015 in Europa eingesammelt – ein Anstieg von 86 Prozent gegenüber 2014. Im Vergleich zu den USA ist das immer noch wenig. Europäische Start-ups, die von US-Investoren Geld einsammeln, bekommen im Durchschnitt acht Millionen Dollar. Solche Firmen, die es nur bei europäischen Investoren versuchten, bekamen bloß drei Millionen Dollar. An Attraktivität mangele es den Start-ups hierzulande nicht: Zwischen 2010 und 2014 investierten Geldgeber aus Nicht-EU-Ländern insgesamt sechs Milliarden Dollar in Europa.

Der Schlüssel zu einer eigenständigen Digitalwirtschaft
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Europäische Start-ups - Habt Angst vor uns, weil wir so klein sind!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%