Europäischer Wettbewerb
Handwerker sind sesshaft

Auch wenn derzeit über 60 000 Handwerksbetriebe in Deutschland grenzüberschreitend arbeiten, ist das Globalisierungspotenzial noch groß. Denn das sind bisher nur zehn Prozent der deutschen Handwerksbetriebe. Doch ZDH-Chef Schleyer ist optimistisch.

HB STUTTGART. Diese Zahl nannte der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) Hanns-Eberhard Schleyer am Donnerstag in Stuttgart. Das seien aber noch nicht einmal zehn Prozent der insgesamt 920 000 deutschen Handwerksbetriebe. Doch er rechne fest damit, dass sich in zehn Jahren die Zahl der Betriebe, die über die deutschen Grenzen hinwegarbeiten, auf 120 000 verdoppeln werden, sagte Schleyer. In Stuttgart wird am kommenden Montag und Dienstag die 4. Europäische Konferenz für Handwerk und kleine Unternehmen veranstaltet auf der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor über 1000 Handwerkern sprechen wird.

Der Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in München, Henning Arp, sagte, gerade im Dienstleistungsbereich werden den kleinen Betrieben der Schritt über die Grenzen „durch häufig diskriminierende und unverhältnismäßige nationale oder regionale Verwaltungsanforderungen“ erschwert. Die neue Dienstleistungsrichtlinie der EU verpflichte die Mitgliedstaaten, ihre Anforderungen zu überprüfen.

Schleyer bekräftigte, der europäische Wettbewerb unter den Handwerksbetrieben könne nicht allein über den Preise geführt werden. Deutsche Handwerker würden vielmehr mit Qualität, Schnelligkeit und Zuverlässigkeit punkten. Schleyer fügte hinzu: „Die gute Ausbildung der Mitarbeiter und die hohe Qualifikation der Unternehmer als Meister oder Betriebswirt bilden das Rüstzeug für einen erfolgreichen Wettbewerb auf europäischer Ebene.“ Daher bleibe die Ausbildung und die Qualifizierung das wichtigste Anliegen der Handwerksbranche.

Eindringlich forderte Schleyer den Abbau der Bürokratie für Handwerker und kleine Unternehmen. Für einen Betrieb mit sieben Beschäftigten würden heute in Deutschland rund 30 000 Euro pro Jahr an Bürokratie-Kosten anfallen. Das sei zu hoch. Arp sagte, die EU habe sich vorgenommen, die Bürokratiekosten für die Wirtschaft bis zum Jahr 2012 um 25 Prozent zu senken. Der EU sei bewusst, dass die Handwerksbetriebe überproportional unter staatlicher Bürokratie leiden würden.

Die Europäischen Kommission hat sich nach den Worten von Arp vorgenommen, künftig zuerst an die kleinen Unternehmen zu denken. 90 Prozent aller Unternehmen in der EU seien Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und sie stellten 30 Prozent der Arbeitsplätze in der freien Wirtschaft. Da der Zugang zu günstigen Krediten für kleine Unternehmen oft schwierig sei, wolle die EU künftig noch stärker in diesem Bereich mit Kreditbürgschaften helfen. Für den Zeitraum 2007 bis 2013 werde die Europäische Kommission über eine Milliarde Euro bereitstellen, unter anderem für innovative und neu gegründete Kleinunternehmen.

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