Mittelstand

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Expansion: Automobilindustrie wandert nach Bulgarien

Mittel- und Osteuropa sind im Visier der Autoindustrie - als preiswerte Produktionsstandorte mit hohem Potenzial. Bislang haben vor allem Tschechien und die Slowakei davon profitiert. Jetzt ist aber Bulgarien im kommen. Vor allem der chinesische Autohersteller Great Wall hat große Ziele - und auch Elektroautos sollen in Bulgarien vom Band rollen.

Hyundai lässt in einem Werk in der Slowakei Autos produzieren. Quelle: Reuters
Hyundai lässt in einem Werk in der Slowakei Autos produzieren. Quelle: Reuters

BUKAREST. Im bulgarischen Automobilsektor stehen gleich mehrere umfangreiche Investitionsvorhaben an. Noch Ende 2010 sollen Modelle der chinesischen Marke "Great Wall Motor" im nordbulgarischen Lovetsch vom Band rollen. Für weiteren Wirbel sorgt die Nachricht, dass ein britischer Investmentfonds in die Produktion von Elektroautos investieren will. Weitere Vorhaben kommen aus Deutschland, Frankreich und der Türkei. Der US-Autobauer Ford sucht wenige Kilometer nördlich der bulgarisch-rumänischen Grenze noch weitere Zulieferer.

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Die bereits laufenden Bauarbeiten an den Montagehallen des jungen Joint Ventures Great Wall Motor (China) und Litex Motors (Bulgarien) im nordbulgarischen Lovetsch bedeuten für Bulgarien eine kleine Revolution. Genau hier wurde vor vielen Jahren die russische Marke Moskwitsch produziert. Nachdem in dem südosteuropäischen Land nun schon jahrelang keine kompletten Pkw mehr hergestellt worden sind, sollen eventuell schon Ende 2010 die Great Wall Motor-Modelle "Florid", "Hover" und "Wingle" aus den Montagehallen rollen. Die ersten Fahrzeuge werden mit aus China zugelieferten Teilen montiert (SKD-Montage). In einer zweiten Phase sollen auch komplette Pkw vor Ort produziert werden. Laut Medienberichten ist dann die Produktion bulgarischer Autos der Marke Litex Motors vorgesehen. Die Rede ist von 50.000 Automobilen pro Jahr. General Manager von Litex Motors ist Prof. Harald Leschke, ehemals hochrangiger Mitarbeiter von DaimlerChrysler.

Noch in der ersten Planungsphase ist das Vorhaben eines britischen Investmentfonds, im zentralbulgarischen Stara Zagora Elektroautos zu produzieren. Bulgariens Premierminister Boyko Borisov soll das Projekt des Investmentfonds Quorus Ventures Anfang 2010 persönlich im Radio verkündet haben, nachdem er von einer Reise aus London zurückgekommen war. Seitdem hat es erste Gespräche mit dem Bürgermeister von Stara Zagora gegeben. Sollte dieses Projekt tatsächlich verwirklicht werden, wäre dies eine mindestens ebenso große Revolution wie der Montagebeginn der Chinesen in Lovetsch. Weltweit laufen derzeit Bestrebungen von großen Automobil- und Stromkonzernen, die Elektroauto-Technologie vorwärtszubringen.

Auch wenn Bulgarien derzeit keine kompletten Autos produziert, ist das Land ein sehr bedeutender Standort für die Automobilteile-Produktion. Neben bedeutenden belgischen, türkischen und japanischen Unternehmen sind auch viele deutsche Firmen vor Ort. Noch relativ neu auf dem bulgarischen Markt ist der deutsche Zulieferer Ixetic. Das Bad Homburger Unternehmen stellt erst seit März 2009 Hydraulik- und Vakuumaggregate in Plovdiv her und will seinen Output künftig verdoppeln. Zu den Abnehmern gehören BMW, Toyota und Navistar.

Aufgrund der geografischen Nähe zu Rumänien, wo Ford 2009 in Craiova die Pkw-Montage begonnen hat und noch auf der Suche nach weiteren Zulieferern sein soll, dürfte die nordbulgarische Grenzstadt Ruse für Kfz-Zulieferer weiter an Bedeutung gewinnen. In Ruse gibt es derzeit die einzige Brücke, die über die Donau Richtung Rumänien führt. Neben der geografisch günstigen Lage sprechen die ansässige Maschinenbauindustrie und die lokale Universität für die Donau-Stadt. Auf Ruse setzt beispielsweise der Kfz-Schlösser-Produzent Witte aus dem nordrhein-westfälischen Velbert. Das Unternehmen ist dort zunächst mit einem Vertriebs- und Entwicklungsbüro vertreten und will künftig auch vor Ort produzieren.

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