Export-Aufschwung in der Holzwirtschaft
US-Bau legt Wert auf deutsche Bretter

„Der schlafende Riese erwacht“, sagt Michael Prinz zu Salm-Salm und meint damit die deutsche Holzwirtschaft, deren Beschäftigtenzahl zusammengerechnet inzwischen 1,3 Mill. Arbeiter und Angestellte umfasst. Die Branche liegt damit noch vor dem Maschinen- und Anlagenbau sowie der Elektroindustrie auf Rang eins in Deutschland.

HB BERLIN. Auch mit einem Umsatz von 180 Mrd. Euro sieht der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände Prinz Salm seinen Wirtschaftszweig – vom Waldeigentümer über Sägewerke und Zimmerer bis hin zur Zellstoff- und Möbelindustrie – ganz weit vorn und deshalb zu Unrecht bisher kaum beachtet. So sind beispielsweise deutsche Bretter in der Bauwirtschaft der Vereinigten Staaten wegen ihrer Qualität so begehrt, dass Deutschland hinter Kanada mittlerweile auf Rang zwei der US-Holzimporteure liegt. Allein im vergangenen Jahr stiegen die Holzexporte in die USA um 30 Prozent auf zwei Millionen Kubikmeter im Wert von 400 Mill. Euro.

„Trotz gewisser Risiken aufgrund von Währungseinflüssen und der launischen US-Baukonjunktur bauen deutsche Betriebe mit Blick auf den US-Markt hier zu Lande ihre Kapazitäten aus“, berichtet Gerhard Heider, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Säge- und Holzindustrie (VDS). So entstehen derzeit großdimensionierte High-Tech-Sägewerke in Ingolstadt, Augsburg oder Landsberg am Lech. Die Folgen des Wirbelsturms Katrina spielen bei der Nachfrage nach hochwertigem Bauholz in den USA aber nur eine untergeordnete Rolle, betont VDS-Geschäftsführer. Die Katastrophe habe vornehmlich Auswirkungen auf regionaler Ebene gehabt.

Im Inland dümpele die Nachfrage weiter dahin. Deshalb habe man sich nach Heider vom heimischen Markt weitgehend gelöst. Für das jährliche Wachstum von zehn Prozent und mehr sind daher ausschließlich die stetig steigenden Auslandsaktivitäten verantwortlich. Die deutschen Sägewerke machen inzwischen einen jährlichen Auslandsumsatz von rund 1,2 Mrd. Euro. Einziger Lichtblick auf dem heimischen Markt ist derzeit eine boomende Nachfrage nach so genannten Holzpellets. Das sind genormte Presslinge aus Sägespänen für den Einsatz in vom Bund geförderten Holzpellet-Brennern. Diese gelten inzwischen als Alternative zu herkömmlichen Öl- und Gasheizungen.

Gemessen an der Gesamtzahl der deutschen Haushalte, ist der Anteil von Pelletkesseln auch bei Zuwachsraten von jährlich 50 Prozent mit rund 44 000 Geräten zwar noch verschwindend gering. Aber da die Kosten für eine äquivalente Menge Pellets derzeit nur halb so hoch sind wie die für Heizöl, ist mit einem weiteren Anstieg der Nachfrage zu rechnen. Für das Jahr 2015 geht der Deutsche Energie-Pellet-Verband schon von etwa 700 000 Anlagen und einem Anteil am deutschen Wärmemarkt von bis zu fünf Prozent aus. Optimistische Signale für den „Wirtschaftsraum Wald“ mit einem Umsatzplus von 1,9 Prozent im laufenden Jahr sendet zudem die deutsche Möbelindustrie. Und die Zellstoff- und Papierindustrie ist nach einem Plus von sechs Prozent ebenfalls hoffnungsfroh in das Jahr 2006 gestartet.

Prinz Salm ist sich sicher, dass das Holz aus heimischen Wäldern auch eine weitaus stärkere Nachfrage befriedigen könnte. Denn dieses gebe es in Deutschland „in Hülle und Fülle“ – nur 60 Prozent des heimischen Vorrats würde derzeit tatsächlich genutzt. „Die Zeichen für die Holzwirtschaft stehen nicht schlecht“, ist auch Klaus Grefermann, Ifo–Experte zum Thema Holz, überzeugt. Trotz steigender Bedeutung der Exporte stehe und falle die Holzkonjunktur letztendlich aber mit der Nachfrage nach Möbeln auf dem Inlandsmarkt. Der studierte Holzwirt bezweifelt jedoch, dass in Deutschland 2006 allein die Fußball-WM für die nötigen Kaufimpulse beispielsweise bei Polster-oder Multimediamöbeln sorgen kann.

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