Exporte bereits merklich gesunken
Iran-Krise bremst deutsche Geschäfte

Atomprogramm und Geiselnahme: Seit Monaten schwelt der Konflikt des Westens mit dem Iran – und könnte jederzeit eskalieren. Deutsche Firmen sind alarmiert. Schon jetzt bekommen sie die Auswirkungen der Krise deutlich zu spüren.

HB/bfai BERLIN. Für deutsche Unternehmen ist die islamische Republik mit ihren 70 Millionen Einwohnern der drittgrößte Markt im gesamten Nahen und Mittleren Osten, hinter den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Kein Wunder, dass die rund 10 000 Firmen, die im Iran aktiv sind, die Entwicklungen rund um die dort gefangenen britischen Soldaten, das umstrittene Atom-Programm und den Aufmarsch der US-Truppen in der Region genau verfolgen.

Schon jetzt dämpft die seit Monaten schwelende Krise das Iran-Geschäft merklich. Das Volumen der deutschen Ausfuhren hatte sich seit 2000 bis zum Jahr 2005 mehr als verdoppelt, doch aktuell gibt es Rückschläge. Im Jahr 2006 verringerten sich die Exporte um sechs Prozent auf 4,12 Milliarden Euro - Tendenz weiter sinkend.

Eine im März veröffentlichte bundesweite Umfrage des deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) bei 120 im Iran engagierten deutschen Unternehmen ergab, dass bei einem Drittel das Iran-Geschäft rückläufig ist. Und ebenfalls ein Drittel erwartete für die nahe Zukunft eine weitere Verschlechterung. Als Gründe wurden vor allem Exportbeschränkungen, das internationale Umfeld sowie eine schleppende Auftragsvergabe genannt.

Auch der deutsche Staat tritt - aufgeschreckt von antisemitischen Parolen der iranischen Staatsführung - bei den politisch heiklen Geschäften offenbar auf die Bremse. Die Bewilligung der so genannten Hermes-Deckungen für Exportgeschäfte ist von 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2005 um über ein Drittel auf rund 900 Millionen Euro im vergangenen Jahr gesunken. Der Rückgang ist teilweise auf weniger Anträge zurückzuführen, aber auch auf schärfere Prüfungen seitens der deutschen Behörden.

Der vorsichtigere deutsche Kurs ist angesichts der Großwetterlage kein Wunder: Seit Jahresbeginn hat die US-Regierung den Druck auf das Regime in Teheran kontinuierlich erhöht. Neben dem Atomstreit wirft die Bush-Regierung der Staatsführung unter Leitung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad inzwischen auch Unterstützung von bewaffneten Gruppen im Irak vor und hat zuletzt in scharfer Form die Freilassung der 15 im Iran gefangenen britischen Marine-Soldaten verlangt.

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