Exzellenter Ruf
Deutsche Medizintechnik punktet im Ausland

Während die Inlandsnachfrage kränkelt, steht die deutsche Medizintechnik im Ausland auf gesunden Füßen. "Medtec made in Germany" - so der Slogan auf Auslandsmessen - genießt weltweit einen exzellenten Ruf. Knapp zwei Drittel ihres Umsatzes erwirtschaftet die Branche im Ausland. Tendenz: steigend.

KÖLN. Frühjahr 2007: Eine dicht gedrängte Menschenmenge in einer Halle der weltweit größten Industriemesse. Ein junger Forscher stellt mögliche künftige Exportschlager der deutschen Medizintechnik vor: Implantate, die sich nach einiger Zeit wieder von selbst auflösen. "In vier bis acht Jahren könnten diese Magnesiumimplantate auf den Markt kommen", erklärt Diplom-Ingenieur Christian Krause und deutet auf kleine mattgraue Objekte, die neben Magnesium auch Kalzium und Zink enthalten.

Die von der Leibniz Universität Hannover und der Tierärztlichen Hochschule Hannover entwickelten Implantate lösen sich, nachdem sie beispielsweise beim Verheilen von Knochenbrüchen als vorübergehende "Verbindungsstücke" den nötigen Halt gegeben haben, nach einigen Wochen von selbst auf. Ein heutzutage noch notwendiges Herausoperieren der Fremdkörper könnte künftig entfallen. Die kleinen Wunderteile sind gefragt: "Interessenten für unsere Magnesiumimplantate kommen derzeit sehr massiv auf uns zu", berichtet Dr. Dirk Bormann von der Leibniz Universität. "Wir haben Anfragen aus dem In- und Ausland, unter anderem auch aus Irland und den USA."

Fest steht: Künftig wird die deutsche Medizintechnik hauptsächlich vom Export leben. Während die Inlandsnachfrage aufgrund des hohen Kostendrucks schwächelt, erwirtschafteten die deutschen Medtec-Unternehmen 2006 fast zwölf Milliarden Euro im Ausland. Das sind knapp zwei Drittel ihres Gesamtumsatzes. Die Exportquote ist höher als beispielsweise in der Automobilindustrie mit stolzen 59,9 Prozent. Und auch den Maschinenbau mit einer Exportquote von beachtlichen 55,6 Prozent schlägt die Medizintechnik damit spielend. Der Anteil des Auslandsgeschäftes wird voraussichtlich weiter zunehmen.

Die größten Abnehmer werden in naher Zukunft die Europäische Union (EU) und die USA bleiben: Mehr als ein Drittel aller deutschen Medizintechnikexporte gingen 2006 in die EU, in die USA knapp ein Viertel. Großabnehmer sind neben den US-Amerikanern die Franzosen, die Italiener und die Briten (siehe Tabelle auf Seite 10). Doch in diesen Ländern wird die Nachfrage auf hohem Niveau zukünftig eher stagnieren, prognostizieren Experten. Sie sehen die größten Wachstumsmärkte in Asien, Südamerika und Afrika, wo die überdurchschnittlich steigende Lebenserwartung und das Bevölkerungswachstum zu einer erhöhten Nachfrage führen.

In den entwickelten Volkswirtschaften Asiens - wie in Japan, der Republik Korea, Taiwan und in der Sonderverwaltungsregion Hongkong - führt die Alterung der Bevölkerung zu steigenden Gesundheitsausgaben. In den anderen asiatischen Ländern schafft ein hohes Wirtschaftswachstum die Basis für steigende Einkäufe. "Wir haben gewaltige Chancen auf dem Weltmarkt", schwärmt Erhard Fichtner, Mittelständler aus Oberstenfeld in Württemberg. Fichtner verkauft in rund 100 Länder Entwicklungsmaschinen für Röntgenfilme. Seitdem sein Unternehmen Protec vor vier Jahren begonnen hat, neben analogen Modellen auch Geräte für digitale Bilder zu exportieren, steigt der Umsatz um jährlich 10 bis 15 Prozent.

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