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Facebook & Co.: Soziale Netzwerke als Stellenmarkt

Gute Leute zu finden ist für viele Personalchefs eine beinahe unlösbare Aufgabe. Soziale Netzwerke bieten Firmen neue Möglichkeiten, qualifizierte Mitarbeiter zu rekrutieren. Doch der Mittelstand zögert oft noch.

Facebook-Nutzer: Soziale Netzwerke bieten Firmen neue Möglichkeiten an qualifizierte Bewerber zu kommen. Quelle: dpa
Facebook-Nutzer: Soziale Netzwerke bieten Firmen neue Möglichkeiten an qualifizierte Bewerber zu kommen. Quelle: dpa

KölnWer mit Callcenter-Aktivitäten sein Geld verdient, hat nicht automatisch dicke Bewerbungsstapel auf dem Tisch. Dalibor Gavric, Personalreferent bei SNT Deutschland, kennt die Mühe, über klassische Kanäle gute Leute für Telefon-Aufgaben zu gewinnen – etwa in Greifswald, Chemnitz oder Neubrandenburg. Die Personalabteilung reagierte im Jahr 2010 – und verpasste SNT einen Auftritt in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Xing und dem Portal Kununu, wo Mitarbeiter ihren Arbeitgeber bewerten.

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Der Vorteil: Firmen starten den Dialog mit Bewerbern, polieren das Image und dürfen hoffen, dass sich Stellenofferten im Kreis der virtuellen Freunde nach dem Schneeballprinzip verteilen. 1.200 Facebook-Freunde verzeichnet SNT heute, 40 der rund 4600 Mitarbeiter habe man über Social-Media rekrutiert, sagt Gavric. „Arbeitgeber, die das nicht nutzen und weiter nur Hochglanzbroschüren drucken, werden es schwer haben, die kommende Generation erfolgreich anzusprechen.“

„Das Web 2.0 ist der Stellenmarkt der Zukunft“, sagt August-Wilhelm Scheer, Präsident des IT-Verbands Bitkom. „Die Unternehmen müssen dort präsent sein, wo sich die Menschen beruflich und privat vernetzen und Informationen sammeln.“ Immerhin 29 Prozent der Firmen bieten nach einer aktuellen Bitkom-Erhebung Stellen auch in sozialen Netzwerken an – Tendenz steigend.

Eine andere Studie zeigt jedoch: Der Mittelstand nutzt diesen Weg eher zögerlich: Nach einer Umfrage der Personalberatung Von Rundstedt HR Partners nutzen nur 19 Prozent der Firmen mit 100 bis 500 Mitarbeitern soziale Netzwerke – viel seltener als kleinere oder große Unternehmen. „Beim Thema Social-Media wartet der Mittelstand zunächst ab. Viele fragen noch, was das eigentlich bringt“, umreißt Marc Tenbieg, Beiratsvorsitzender im Deutschen Mittelstands-Bund, die Grundhaltung. Dabei sind Experten wie Sophia von Rundstedt sicher: „Um im Kampf um Talente gegenüber großen Unternehmen zu bestehen, muss der Mittelstand Employer-Branding auf Konzernniveau betreiben.“

Theoretisch ist es für Mittelständler einfach, bei Facebook und anderen sozialen Medien auf Augenhöhe mit Konzernen zu konkurrieren – und so im Wettbewerb um Mitarbeiter zu punkten. „Die Einstiegskosten sind relativ gering, ein Firmenprofil oder ein Twitteraccount sind schnell erstellt“, sagt der Hamburger Personalberater Jan Kirchner, der sich auf Online-Rekrutierung spezialisiert hat. „Social-Media bietet eine große Chance, die eigene Nische darzustellen.“ Wer aber allzu oberflächlich werblich daherkommt, unaktuell oder wenig kreativ, verliert rasch an Glaubwürdigkeit. Kirchner rät dringend, Inhalte zu liefern, die sich von der bloßen Unternehmensbotschaft abheben und relevanten Zusatznutzen bieten. Der Schlüssellochblick ins Unternehmen – Horrorvorstellung vieler Chefs alter Schule – muss ein Stück weit erlaubt sein.

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